Porsche 911 Carrera S Facelift (2015): Fahrbericht

Porsche 911/991 Carrera S Facelift (2015): Fahrbericht

— 06.11.2015

So fährt der turbogeladene 911

Für den neuen Porsche 911 gilt ab sofort Turbo statt Sauger! Wir sind den 420 PS starken und 306 km/h schnellen Carrera S gefahren.

Mit der Modellpflege des Porsche 911 hält der Turbo Einzug. Dank der Aufladung kommt der Sechszylinder-Boxer nun mit 3,0 Liter Hubraum aus, statt wie bisher mit 3,8 Litern. Im Carrera leistet der Dreiliter-Turbo 370 PS, in unserem Testfahrzeug, dem Carerra S, 420 PS. Wie sich der neue Turbo-Elfer fährt, klären wir im Fahrbericht.
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Video: Porsche 911 Carrera S (2015)

Neuer 911 Carrera S

Erste Erkenntnis: Der Turbo 2.0 ist kein heiseres Kettensägen-Monster mehr und auch kein kreischender Hochdrehzahl-Akrobat, sondern ein Muster an akustischer Gelassenheit. Auch dieser Elfer klingt unverwechselbar und ab 3000 U/min immer besser, aber aus dem jungen Wilden im Stimmbruch ist ein gestandener Mann geworden. Einem ähnlichen Reifeprozess mussten sich auch andere Baugruppen unterziehen. Das Infotainment hat dazugelernt, ohne seine veralteten Erbanlagen abstreifen zu dürfen, dem Chassis spendiert die aufpreispflichtige Hinterachslenkung mehr Wendigkeit und Stabilität, die optimierte Aerodynamik senkt Luftwiderstand und Auftrieb. Das PDK-Getriebe weiß jetzt, wie man segelt, die Start-Stopp-Automatik deaktiviert den Motor schon beim Ausrollen, die Schubabschaltung wartet gierig auf das nächste Autobahngefälle. Das Eigenschaftsprofil lässt sich optional über den Drehregler am Lenkrad ausstattungsabhängig in vier
Stufen verstellen: "Normal", "Sport", "Sport Plus" und "Individual".

Im Fahrprogramm "Sport" wird der Beifahrer blass

Im Heck des kanariengelben Carrera S arbeitet der 420 PS starke Dreiliter-Turbo.

Die Kombination aus "Normal" und "Drive" ist eher fade, geprägt von frühem Hochschalten, monotoner Geräuschkulisse und dem Gefühl, bestenfalls mit der halben Zylinderzahl unterwegs zu sein. Das Gegengift heißt "Sport Plus" und macht schon durch die aggressive Schaltstrategie jede Landstraße zur Rennstrecke. Bleibt als goldene Mitte der "Sport"-Modus in Verbindung mit der "ESP Sport"-Einstellung, die auf kalten Reifen selbst gewöhnten Beifahrern auf Kommando die Blässe ins Gesicht treibt. Kommen wir zum Getriebe: Schaltgetriebe sind eine letzte Bastion für Nostalgiker, doch das manuelle Räderwerk im aktuellen 911 hat sieben Vorwärtsgänge und ist schon deshalb nur Mikado-Profis zu empfehlen. Das Doppelkupplungsgetriebe heißt bei Porsche PDK, kostet 3510 Euro extra und arbeitet flinker und effizienter, könnte aber größere Schaltpaddel vertragen. Dafür funktioniert das manuelle Programm jetzt endlich so wie wir rs aus dem Rennsport gewohnt sind: nach hinten ziehen zum Hochschalten, nach vorn drücken zum Herunterschalten.
Die Details zum Porsche 911 Facelift

Grandioser Grip

Das Lenkrad holt sich Designanleihen beim Hybrid-Monster 918 Spyder.

Obwohl die Carbon-Keramik-Bremse mit 8508 Euro fast so teuer ist wie ein Dacia Sandero mit Sonderausstattung, sollte man zumindest einmal erlebt haben, welche enormen Verzögerungskräfte wirken, wenn die Summe aus Reifengrip und Bremsleistung die Hirnschale leert. Fahrdynamik ist und bleibt eben das größte Talent des Heckmotor-Klassikers. Die Lenkung ist ein Controller der besonders intuitiven Art, die Kaugummi-Straßenlage lässt auf ein unsichtbares Magnetfeld schließen, die ausgefuchste Regeltechnik prägt aus dem Off das charakteristische Handling.

Drehmoment statt Drehzahl

Er behält den Saugmotor: Der radikal sportliche Porsche 911 GT3.

Viel Lob für ein Auto, das noch perfekter geworden ist – in mancher Hinsicht vielleicht zu perfekt. Die Nonchalance des coolen Saugers hat der lässige Turbo 2.0 jedenfalls zum Teil verloren, was nichts anderes heißt, als dass Elfer-Fahrer umlernen müssen. Statt hohe Drehzahlen zu pflegen, gilt es künftig, auf der Drehmomentwelle zu surfen. Statt den kleinen Gang zu halten, sollte man beizeiten hochschalten. Statt zackiger Lenkbewegungen und harter Lastwechsel ist ab sofort auf Zug fahren angesagt. Drama im Breitwandformat sozusagen, statt auf der Guckkastenbühne. Trotzdem brauchen sich die gusseisernen Elfer-Fans nicht die Haare zu raufen, denn Porsche hat vorgesorgt für all jene, die etwas länger brauchen, um den Fortschritt zu verinnerlichen. Vorgesorgt in Form einer neuen Abteilung, die sich um die Pflege von Saugmotor und Schaltgetriebe ebenso verdient machen soll wie um puristische Fahrdynamik nach Art des GT3. Zumindest diesbezüglich bleibt alles beim Alten.

Autor: Georg Kacher

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Sportwagen

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