Sitzprobe Porsche 911 GT3

Porsche 911 (991) GT3: Sitzprobe Genf 2013

— 05.03.2013

Schrei, wenn Du kannst

Wenn Porsche eine neue GT3-Generation vorstellt, hält die Autowelt traditionell den Atem an. autobild.de nahm auf dem Autosalon Genf Platz im neuen Supersportler.

Vernunftgesteuerte Kompromisssucher sollten jetzt einfach mal kurz die Augen zumachen. Oder sich eine kurze Pause gönnen. Ein Tässchen Grüntee, vielleicht? Das beruhigt. Der Rest darf gerne vor Aufregung in die Tastatur beißen, vor Freude ins Großraumbüro kreischen oder verzweifelt beim Bankberater durchklingeln. Alles erlaubt, wenn Porsche einen neuen GT3 aus der Box rollt. Weil: Ein Porsche 911 GT3 ist ein Porsche 911 GT3 ist ein Porsche 911 GT3. Heißt: keine Kompromisse – zumindest gemessen am automobilen Restuniversum.

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Das würde sich garantiert über die scheppernd ins Schloss fallende Tür beschweren. Bei Porsche ist das Geräusch Programm. Wo kaum Dämmung ist, gibt's auch kein sattes "Plopp". So ein 911 GT3 soll Rekorde jagen, und dabei sind Kuschelsound-Pfunde traditionell eher im Weg. Die ausklappbaren Cupholder im Armaturenbrett vor dem Beifahrer durften hingegen bleiben. Warum? Weil die zahlungskräftige GT3-Kundschaft in Übersee auch im Über-Porsche nicht ohne einen Latte Macchiato to go auf die Piste geht. Verrückte Welt. Sonst noch Überraschungen im Cockpit? Nö. Viel (sichtbare) Kohlefaser, viel Alcantara, rote Ziernähte, echtes Aluminium und riesige Intergralsitze. Sehr schick, sehr sportlich und trotzdem extrem bequem. Der Reiz fürs Sportfahrer-Volk liegt im Detail. Im serienmäßigen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) zum Beispiel. Dessen Schaltrichtung wurde im Vergleich zum Vorgänger vertauscht: runterschalten nach vorne, hochschalten nach hinten. So kennt man das aus "echten" Sportwagen.

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Hier tobt ein bäriger Boxer: Aus 3,8 Litern Hubraum holt der Sechszylinder im Heck mindestens 475 PS.

Vorerst beschweren sich die GT3-Anhänger via Twitter aber vor allem darüber, dass es keine manuelle Schaltung mehr gibt. Das ist in der Tat schade – aber nachvollziehbar. Das PDK arbeitet mit Reaktionszeiten von unter 100 Millisekunden und ist dabei unendlich viel schneller, als jeder menschliche Kupplungs-Virtuose. Das bringt entscheidende Sekunden – auch und vor allem auf der Nordschleife. Die umkurvt der 911 GT3 laut Porsche in 7:30 Minuten. Da hat die Saugmotor-Konkurrenz eine Weile dran zu knabbern. So wie auch am Rest der Technik, die sich die GT3-Crew in Weissach ausgedacht hat. Neu im Heck ist der 3,8-Liter-Boxermotor, dessen Basis aus dem Serien-Carrera S stammt – ohne allzu viel mit im gemeinsam zu haben. Vor allem Kurbel- und Ventiltrieb wurden speziell auf die Hochdrehzahl-Ansprüche des GT3 hin entwickelt. Was man bei Porsche unter Hochdrehzahl versteht, zeigt ein Blick auf den Drehzahlmesser: 10.000 steht da, ganz links. Im Serienbetrieb ist allerdings bei 9000 Touren Schluss. Reicht ja auch so für 475 PS, 315 km/h Spitze und den 0-auf-100-Sprint in 3,5 Sekunden.

Die 475 PS sind allerdings, wie man bei Porsche unter der Hand erfährt, sehr konservativ ermittelt. Heißt: Wahrscheinlich trampeln im Heck eher 500 statt 475 Pferdchen. Wichtig: Trotz mehr Technik im Auto (Hinterradlenkung, serienmäßiges PDK, neuer Motor) ist der GT3 leichter als sein Vorgänger. Und dem Vernehmen nach auch alltagstauglicher, weil bereits ab Werk das aktive Fahrwerk mit an Bord ist. Nichts, worüber man sich als Kunde beschweren sollte. Das gilt auch für den Preis: 137.303 Euro muss man für den technisch anspruchsvollsten Saug-911er aller Zeiten überweisen. Da wird kein echter Porsche-Fan mit der Wimper zucken. Gezeter über so viel Geld ist sinnlos. Weil man die jährlich zugelassenen GT3 an wenigen Händen abzählen kann. Und weil man von der Schreierei eh nichts mitbekommen würde. Der Boxer im Heck ist nämlich alles, nur kein leiser Antrieb – und brüllt auf Knopfdruck auch noch ein paar Dezibel lauter, wenn im serienmäßigen Sportauspuff zur Minimierung des Abgasdrucks alle Klappen aufgehen. Also, schreit ruhig, wenn ihr könnt.

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