Porsche 911 Cabrio: Fahrbericht — 07.02.2012
Porsche mit Dachabitur
Porsche hat für das neue 911 Cabrio das Klapp-Verdeck quasi neu erfunden – zusammen mit einem vollautomatischen Windschott und einem optimierten Überroll-Schutzsystem. Erste Ausfahrt.
Cabrio-Kunden fordern heutzutage den perfekten, faltbaren Lichtschutzfaktor. Deshalb hat Porsche für den neuen 911 ein Verdeck entwickelt, das geschlossen so leise, dicht und aerodynamisch unauffällig ist wie das Stahldach des Coupés. Bei geschlossenem Dach unterscheiden sich Cabrio und Coupé in der Tat nur durch Nuancen. Die Melodie der Windgeräusche variiert im Bereich der subjektiven Wahrnehmung, der Wetterschutz verdient das Isoliersiegel in Gold, die Verwindungsfestigkeit des Aufbaus ist selbst durch Querfugen und Kanaldeckel kaum zu erschüttern.
Video: Porsche 911 Carrera S Cabrio
Erste Fahrt im 911er Cabrio
Weil das perfekt sitzende Verdeck fast so gut funktioniert wie ein überdimensionaler Stummschalter, rollt das neue Cabrio der Baureihe 991 serienmäßig mit einem sogenannten Sound Symposer vom Band. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen elektronischen Motorklang-Verstärker, sondern um ein paar Löcher in der Hutablage, die über die Sporttaste angesteuert werden. Im Aktivmodus zapft ein Akustikkanal Schwingungen ab, die zwischen Drosselklappe und Luftfilter entstehen und bei der Besatzung zuverlässig für wohlige Gänsehaut sorgen.
Das Cockpit kommt hochwertiger, prestigeträchtiger, mit größerem Monitor und ohne Handbremse (stattdessen mit elektrischer Feststellbremse).
AUTO BILD fuhr das Carrera S Cabrio mit Doppelkupplungsgetriebe, Keramikbremse, 20-Zoll-Rädern, Sportabgasanlage, "Sport-Chrono- Paket", "Dynamic Light System" und adaptiven Sportsitzen – alles Attribute, die Porsche mit satten Aufpreisen belegt. Derart ausgestattet geht der Wagen dann auch bestens, klingt schön, sieht appetitlich aus und ist ansehnlich verarbeitet. Aber er kostet dann richtig viel Geld – mit den erwähnten Extras kommt man rasch in Bereiche, in denen bereits ein nackter Turbo lockt. Sicher, der 991 ist das modernere Auto. So wiegt ein neues Carrera S Cabrio mit PDK-Getriebe 55 Kilo weniger als das alte, ist 1,4 Liter oder 14 Prozent sparsamer, geht besser (0–100 km/h in 4,3 Sekunden, knapp 300 km/h Spitze), bremst besser, liegt besser und federt sogar besser. Das Kernthema des 991 ist das Energiesparen, wobei die einschlägigen Mittel zum Zweck (zum Beispiel eine schlaue Lichtmaschinenregelung) im Verborgenen arbeiten, während das Start-Stopp-System einen nachhaltigen Überraschungseffekt bietet und die Segelfunktion – das antriebslose Dahinrollen im Leerlauf – einem speziell bei offenem Verdeck suggeriert, Mutter Natur einen Gefallen zu tun.
Mehr zum neuen 911 Cabrio lesen Sie in AUTO BILD 6/2012
Erwartungsgemäß ist dieser Öko-Gedanke jedoch nicht von Dauer. Spätestens wenn die nächste Kurve lockt, sich der zweite Gang bei 5200 Umdrehungen einloggt, die Sohle das Gaspedal in den Teppich drückt, geht es nicht mehr ums Sparen. Früher hätten wir jetzt klein beigegeben, nach Käppi und Brille gegriffen und den Wollschal fester gezogen. Heute klappen wir mit dem rechten Zeigefinger das Windschott hoch, fahren mit dem linken Zeigefinger die Fenster in Position, drehen die Heizung beidseits auf wohlige 24 Grad und machen Jagd auf die Blechdachmeute in ihren wohltemperierten Kisten.
Den kompletten Fahrbericht mit einer ausführlichen Wertungstabelle gibt es in AUTO BILD 6/2012 – ab 10. Februar im Handel.
| Technische Daten Porsche 911 Carrera S Cabriolet (Stand Februar 2012) |
| Fahrzeugdaten |
Porsche |
| Motor Bauart/Zylinder |
Sechszylinder, Boxer |
| Ventile/Nockenwellen |
4/4 |
| Hubraum |
3800 cm3 |
| kw (PS) bei U/min |
294 (400)/7400 |
| Nm beu U/min |
440/5600 |
| Getriebe |
Siebengang/PDK |
| Antrieb |
Heck |
| Länge/Breite/Höhe |
4491/1808/1292 mm |
| Kofferraum |
135 l |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung |
245/35 - 295/30 ZR 20 Y |
| Reifen |
Pirelli Zero |
| Abgas CO2 |
210 g/km |
| Verbrauch innerorts/außerorts/gesamt |
12,4/6,9/8,9 l |
| Tankinhalt/Kraftstoff |
64 l/Super plus |
| Beschleunigung 0 - 100 km/h |
4,5/4,3 s mit Sport-Plus-Taste |
| Höchstgeschwindigkeit |
299 km/h |
| Leergewicht |
1560 kg |
| Radstand |
2450 mm |
| Spurweite vorn/hinten |
1538/1516 mm |
| Preis |
ab 118.442 Euro |
Georg Kacher
Fazit
Schneller, leichter, sparsamer, sauberer und sogar komfortabler– klar kann auch das neue Porsche 911 Carrera S Cabrio wieder alles besser als sein Vorgänger. Hätten wir auch nicht anders erwartet. Aber wie perfekt darf ein offener 911 eigentlich sein? Antwort: So perfekt, wie er will, solange er nur Spaß macht. Und so viel steht nach der ersten Fahrt fest: Das neue Cabrio bringt viel Freude in den Autofahrer-Alltag.
Kommentare zum Artikel (25)
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Der Porsche S4 und Turbo basieren auf der Quermotor-Plattform, d.h. Haldex-kupplung schaltet bei Bedarf die Hinterachse zu. Der alte S4/turbo hatte nen längseingebauten Motor mit nem Kronenradmitteldifferenzial. Das hat technisch nix miteinander zu tun.
Im übrigen wurde bei der neuen 911-Baureihe die Plattform so verändert, dass der Schwerpunkt des Motors jetzt nicht meht vor der Hinterachse sitzt. Insofern sollte er weit weniger untersteuern als der Vorgänger. Das verteilende Hinterachsdifferenzial wirkt dabei übrigens auch Wunder...
Porsche lebt zu 80 % von den Cayenne und Panamera Kunden, also werden die auch entsprechend bedient. Boxster und 911 haben ja jetzt endlich auch das moderne Cockpit ohne Stockhandbremse aus dem Cayenne und Panamera erhalten. Übrigens, einen Sportwagen erkennt man nicht an der Optik, sondern an den Fahrleistungen.
dann ist ja gut wenn wenigstens einer von uns ahnung hat.
meinen text hast du jedenfalls gar nicht verstanden.
versuchs nochmal.
gruss
westcoast
Der Cayenne ist aber kein Sportwagen und dazu noch nicht einmal ein richtiger Porsche sondern ein VW Touareg.
Auch wenn Porsche damit gut verdient hat, weil ein paar einfallslose Schnösel meinten einen SUV mit Porschembleem fahren zu müssen. Der Cayenne ist dem Rest von Porsche so fern wie eine schwere Kuh von einem Leoparden.
Du hast keine Ahnung, Cayenne und Panamera machen 80 % des Porsche Umsatzes aus, ohne die wäre Porsche schon längst pleite. Porsche ist ein Unternehmen und kein Museum zur Bewahrung des 911 Mythos. Porsche wächst, also sind die Kunden zufrieden. Wenn Porsche dabei ein paar ewiggestrige Gusseiserne verliert, so what, wenn sie dafür viele neue Kunden gewinnen. Porsche macht das genau richtig.