Porsche 911 Carrera

Porsche 911 Carrera Porsche 911 Carrera

Porsche 911 Carrera 3.6

— 20.02.2002

Eilig's Blechle

Seit 1964 ist der Elfer ein Glaubensbekenntnis auf Rädern. Zuletzt galt die Sportwagen-Ikone als etwas verweichlicht. Das soll sich jetzt ändern.

Leistung und Laufkultur pur

Als linke Hand und rechter Fuß fast synchron den Heckmotor erwecken, blicken Fotograf Holger und ich uns wortlos an: Da ist er wieder, der 37 Jahre alte Porsche-Prolog, das Vorspiel der sechs Zylinder, das seit 1964 vollautomatisch sofort in den Gehörgang schaltet. Damals noch luftgekühlt hechelnde 130 PS aus zwei Liter Hubraum, rasselnd vom Ventiltrieb begleitet. Heute lässt der seit 1997 wassergekühlte Block 320 PS aus 3,6 Litern frei.

Im Leerlauf nun bassig-brummelnd, beim Gasgeben süffisant-sägend. Alles im erlaubten Phonbereich, aber die Trommelfelle bekommen wieder eine Gänsehaut. Ab 5000 Umdrehungen folgt heiser-hämmernd der alte Urschrei: Willst du Spaß, gib mehr Gas!, rufen die sechs boxenden Kolben, 24 Ventile und vier Nockenwellen. Die auf der Einlass-Seite sogar hydraulisch verstellbar sind. "VarioCam plus" kann noch mehr, es vergrößert bei Bedarf auch den Hub der Einlassventile. Die technischen Kunstgriffe führen zusammen mit nunmehr 3,6 Liter Hubraum zu noch mehr Leistung bei sechs Prozent weniger Verbrauch (11,1 Liter Super plus verspricht Porsche).

Schwäbische Erbsenzähler bitte aussteigen. Die Konkurrenz schläft nicht. Deshalb heißt die Devise bei Porsche von jeher: Leistung und Laufkultur. Davon hat der neue Carrera reichlich. Denn wichtiger als die 320 PS (bisher 300), die erst kurz vor 7000 Umdrehungen so richtig losgaloppieren, ist das Drehmoment (max. 370 Nm). Das entfaltet sich so zwischen vier- und sechstausend Touren. Sorgt dafür, dass der Carrera dem hauseigenen Konkurrenten 911 Turbo wieder nah in die Endrohre blickt. Mit 305 km/h Spitze ist der jetzt nur noch 20 Sachen schneller, dafür aber fast 100.000 Mark teurer.

Gehobene Ingenieurskunst

Wahnsinniges Wettrüsten? Nein. Porsche zeigt wieder einmal auf hohem Niveau, was Ingenieurkunst alles zu leisten vermag. Der alte Elfer soff jahrelang (64er Normverbrauch 15 Liter) kräftig und suchte bei jedem Gaswegnehmen im Grenzbereich denselben im Straßengraben. Er war stets die hohe Schule der Klasse-drei-Besitzer.

Historie. Heute rennt ein Carrera servogelenkt präzise über kurvige Pisten, lässt größere Bodenwellen zwar noch spürbar grüßen und wird beim Gaswegnehmen hinten fühlbar leicht - aber nicht mehr falsch wie seine zickigen Ahnen. Zur zeitgemäßen Abstimmung ein Manko: Das elektronische Stabilitätsprogramm PSM für 1928 Mark gibt es serienmäßig erst im allradgetriebenen Carrera 4, dabei ist der naturgemäß der deutlich friedlichere Kurvenkünstler.

Ab September wird der neue Carrera "von der Leine gelassen", so Porsche-Chef Dr. Wendelin Wiedeking. Als klassisches Coupé und Cabrio (plus 19.283 Mark), in der Basis mit Heckantrieb. Für rund 11.300 Mark mehr greifen beim Carrera 4 die Vorderräder viscogekuppelt zusätzlich ins Antriebsgeschehen ein.

Der Modellwechsel bringt auch eine Preiserhöhung um zwei Prozent. Dafür gibt es Bordcomputer und ein Handschuhfach. Da grüßt sie dann wieder: die traditionelle schwäbische Pfennigfuchserei.

Technische Daten

Technik Wassergekühlter Sechszylinder-Boxermotor im Heck • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 3596 cm3 • Einlassnockenwellen und Ventilhub verstellbar • Leistung 235 kW (320 PS) bei 6800/min • max. Drehmoment 370 Nm bei 4250/min • Heckantrieb, Carrera 4 mit Allradantrieb • Sechsganggetriebe, auf Wunsch Tiptronic • Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 5,0 sec (Tiptronic 5,5), Spitze 285 (280) km/h • Leergewicht 1345 Kilo • Zuladung 445 Kilo • Verbrauch EU-Mix 11,1 Liter Super plus

Preis 143.840 Mark

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