Porsche 911 Carrera RS 2.7

Porsche 911 Carrera RS 2.7

Porsche 911 Carrera RS 2.7 Lightweight

— 31.07.2017

Leichter RS 2.7 unterm Hammer

RM Sotheby's versteigerst im August einen von nur 200 gebauten Porsche 911 Carrera RS 2.7 in der Lightweight-Variante. Der aufgerufene Schtzpreis ist astronomisch! AUTO BILD hat die Details!

Am 18. August versteigert RM Sotheby's einen legendren Porsche 911 Carrera RS 2.7. Das zur Auktion angebotene Fahrzeug ist eines der ersten 500 Homologations-Modelle und einer von nur 200 in der Lightweight-Variante. Dazu kommt eine einwandfreie Renn-Historie sowie herausragende Dokumentation. Fahrgestellnummer 0354 wurde ursprnglich in die Schweiz an Peter Zbinden geliefert, einen Rennfahrer, der 1974 in einem anderen Carrera RS 2.7 die Schweizer Meisterschaft gewann. Danach ging der RS 2.7 in Hellgelb durch verschiedene Hnde, landete unter anderem in England und den USA. Sotheby's schtzt, dass der Wagen zwischen 875.000 bis 950.000 Dollar (747.000 bis 811.000 Euro) erzielt.

Woher kommt der Legenden-Status?

Der RS ist gar nicht so viel strker als der 911 S 2.4, auf dem er basiert (210 zu 190 PS). Und lngst nicht so brutal, kompromisslos oder selten wie der rund zehn Jahre jngere Porsche 924 GTS (1580 zu 59 Stck). Er kostet mehr als der berhmte 356 Speedster und ist um ein vielfaches teurer als ein 911 Turbo der ersten Generation und das Ding ist wirklich ein Tier! Was also macht den Reiz des 911 Carrera RS 2.7 aus?

Gebrauchtwagensuche: Porsche 911

Ein Auto um Rennen zu gewinnen

Vor dem Auftauchen des 911 Turbo stellte der Carrera RS 2.7 die Spitze der Porsche-Nahrungskette dar.

Nur ein halbes Jahr hatte die Entwicklung des RS gedauert. Der Motor war aufgebohrt und der prgende Heckspoiler, der "Brzel", nach ein paar Tagen im Windkanal fertig geworden: Ingenieure und Designer hatten ihn in schlichter Modellbau-Handarbeit gemeinsam entworfen. Fr jedes Einzelteil hatte die Vorgabe gegolten, dass das Gesamtpaket siegfhig sein musste. Dass der neue Elfer den Alltag in Art und Weise eines Rennwagens bewltigte, wurde akzeptiert. Die Stammkundschaft war ja einiges gewhnt. Es gab einen Kofferraum, zwei Sitze und 210 PS aus 2,7 Liter Hubraum. Die standen 960 Kilogramm Leergewicht bei der Leichtbau-Version gegenber. Damit ging der pure RS 240 km/h Spitze und tankte trotzdem nur Normalbenzin, wenn auch davon reichlich. Aber rauchten und soffen damals nicht alle? Es war eben alles der Zweckmigkeit unterworfen, wer einen Carrera RS 2.7 fahren wollte, musste sich einfgen. Den 911 Carrera RS 2.7 baute Porsche nicht zum Angeben, sondern um damit Rennen in der Gruppe 4 (Spezial-GT) zu gewinnen. Seine Siege sollten auf die Serie abstrahlen und den Verkauf der zahmeren Modelle ankurbeln, aber um starten zu drfen, musste er erst einmal in Serie gefertigt werden. 1000 Stck in zwlf Monaten. Kompliziert.

Reduzierung aufs maximal Ntige

Hellgelb auf Grn, silber-schwarz lackierte Fuchs-Felgen und das Heck mit Kunststoff-Brzel.

Um die Homologation, die Zulassung fr den Rennsport, nicht zu gefhrden, haute Porsche den Carrera RS 2.7 quasi zum Selbstkostenpreis raus. Gerade einmal 2500 Mark Aufpreis waren im Vergleich zum 911 S zu bezahlen. Ein Rennwagen mit Straenzulassung, das hatte es seit dem Porsche 356 mit dem Vier-Nockenwellen-Motor des 550 Spyder nicht mehr gegeben. Schnell, bezahlbar, verfgbar die Renn- und Herrenfahrer griffen begeistert zu. 1580 Carrera RS 2.7 wurden gebaut, und der Kreis derer, die einen besitzen oder auch nur fahren durften, blieb zeitlebens klein. Aber es ist wahr: Der alte Alpha-Elfer gewinnt Zuneigung allein durch seine schiere Prsenz. Auch ein 300 SL Flgeltrer besitzt diese faszinierende Bedingungslosigkeit, es ist die Mischung aus technischer Kompetenz gepaart mit der Reduzierung aufs maximal Ntige und dem Mut des Gestalters, der Betrachter wissen lsst: Das ist was ganz Groes. Ein Rennwagen, der zum Brtchenholen taugt und einen seltsamen Plastikschwanz spazieren fhrt diese Kombination hat sich wie die signalfarbige Negativ-Beschriftung in die kollektive Wahrnehmung eingebrannt. Der Entwurf von Chef-Designer Anatole Lapine hat Vorbild-Charakter. Bis heute.

Hei begehrter Elfer

Originale Recaro-Sitze und das Standard-Lenkrad passen nicht besonders gut zusammen.

Ganz ehrlich, auch dieser Porsche ist nur ein Auto. Ein Auto, das vom Kfer abstammt und sich selbst in dieser Ausprgung nicht fr seine Herkunft schmt. Die aufrechte Sitzposition, der halbmeterlange Schaltknppel und die stehenden Pedale, das alles ist bekannt und vertraut aus einer Klasse, in der 44 PS schon als Ideal-Motorisierung galten. So ein alter Elfer ist ja sowieso ein heies Eisen, aber der Carrera RS markiert nun einmal die hchste Eskalationsstufe. Bereits der direkte Nachfolger entfernte sich formal weit vom Ur-Typ, und die Idee des hoch drehenden Saug-Boxers lebt keiner so konsequent wie der RS. Es schadet ihm gar nicht, bis 7000 Touren gedreht zu werden, er mag das. Dass er trotzdem im Vierten mit 50 km/h durch die Rushhour bummeln kann, macht ihn nur noch begehrenswerter. Wre er nur nicht schon so begehrt. Dass viele Sammler und Altauto- Investoren ihn wegstellen und nur fr Alpen-Rallyes mit viel Show und wenig Auslauf herausholen, schwcht Mechanik und Ruf des Hochleistungs-Elfers.

Teil unseres Kulturguts

Dabei droht nicht nur Gefahr, dass sich seine Technik kaputt steht, sondern dass der Carrera RS nicht mehr als Automobil im eigentlichen Sinne wahrgenommen wird. Merke: Dieser Porsche wurde ebenso fr gestandene Profis wie Privatfahrer gebaut, die damit unter der Woche in die eigene Firma pendelten und am Sonntag beim Flugplatzrennen in Mainz-Finthen an den Start gingen. Ja, er ist laut, seitenwindempfindlich, unbequem und beraus fordernd, aber seine grte Schwche sind seine grten Fans. Menschen, die den Carrera RS 2.7 nicht nur bezahlen knnen, sondern sich auch die Freiheit erlauben wollen, ihn artgerecht zu nutzen: Diese erlauchte Minderheit erlebt ein Stck vom Auto-Himmel. Der Rest von uns freut sich, wenn er ohne Absperrband zwischen unseren Allerwelts-Oldies steht. Dann zeigen wir ihn den Kindern, weil er ein Stck deutscher Geschichte ist: "Schau mal, der mit dem Brzel ..."

Technische Daten

Die Idee des hoch drehenden Saug-Boxers lebt keiner so konsequent wie der RS.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 Motor: luftgekhlter Sechszylinder- Boxer, hinten lngs eine oben liegende Nockenwelle ber Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder mechanische Bosch- Saugrohreinspritzung Hubraum 2687 ccm Leistung 154 kW (210 PS) bei 6300/ min max. Drehmoment 255 Nm bei 5100/ min. Antrieb/Fahrwerk: Fnfgang-Schaltgetriebe Hinterradantrieb Einzelradaufhngung mit Federbeinen und Querlenkern an lngs liegenden Drehstabfedern vorn, mit Schrglenkern und quer liegenden Drehstabfedern hinten Rder/Reifen 6 J x 15 mit 185/70 VR 15 vorn, 7 J x 15 mit 215/60 VR 15 hinten. Mae: Radstand 2271 mm L/B/H 4174/ 1652/1394 mm Leergewicht 1075 kg. Fahrleistungen/Verbrauch: 0100 km/h in 6,3 s Spitze 240 km/h Verbrauch 10,8 l N pro 100 km Neupreis: 34.000/36.500 Mark (1972).

Historie

Das Projekt RS beginnt unter dem Arbeitstitel 911 SC (Super Carrera). Nach Erfolgen mit dem 917 Anfang der 70er-Jahre plant Porsche die Rckkehr in den seriennahen Rennsport. Im Frhjahr 1972 beginnen die Entwicklungsarbeiten, Basis fr die neue Sport-Version des 911 ist die aktuelle Elfer- Generation mit 2,4-Liter-Motor. Eine Hubraumerweiterung auf 2,7 Liter, Leichtbau und aerodynamische Hilfen zhlen im Sinne einer spteren Homologation von Anfang an zum Gesamtpaket. Im Oktober 1972 debtiert der 911 Carrera RS 2.7 auf dem Pariser Salon. Die leichte und nackte Basis-Version (M 471, 200 Stck) kostet 34.000 DM, die komfortabler ausgestattete, 115 Kilogramm schwerere "Touring"-Variante (M472, 1280 Stck) 36.500 Mark. Der "Umbauauftrag Rennauto" kostet 25.000 Mark Aufpreis, aus dem 911 RS wird der 911 RSR mit 2,8 Liter Hubraum und 300 PS (49 Stck). Mitte Januar 1973 ist die fr die Zulassung im Rennsport erforderliche Stckzahl von 1000 Fahrzeugen erreicht, im Juli 1973 luft die Fertigung aus. Kurz darauf folgt der fr den Renneinsatz vorgesehene, 110-mal gebaute 911 RS 3.0, eine Weiterentwicklung des RS 2.7.

Plus/Minus

Aus den Strken des ber-Elfers resultieren seine Schwchen. Damals wie heute liefert so ein inzwischen 40 Jahre alter Carrera RS 2.7 dramatische - und inzwischen natrlich auch wunderbar altmodische - Fahrleistungen. Und mit dem Brzel am Heck fhrt er eine aerodynamische Gehhilfe spazieren, die heute sogar wieder von Porsche selbst kopiert wird. Kurz: Als Hochleistungs-Modell und Stilikone gehrt der Carrera RS 2.7 zum automobilen Tafelsilber. Das macht ihn begehrt und wertvoll. Nur schade, dass die grandiose Fahrmaschine allzu oft als Standuhr in der Sammlung eines vermgenden Porsche-Verwahrers oder Garagengold-Investors endet. Gefhrlicher als teure Standschden sind gut gemachte Kopien: Gebaut wurden 1580 Carrera RS, doch unterwegs sind schtzungsweise rund 4500. Es sind viele Kopien auf dem Markt! Daher: Nie, nie, nie ein Auto ohne offizielle Porsche-Expertise und/oder sachkundige Hilfe kaufen! NIE!

Ersatzteile

Gut: Fr die Elfer-Generation der Vor-Faltenbalg-ra gibts noch fast alles, das meiste als Nachfertigung, aber in schwankender Qualitt. Also aufpassen! Schlecht: Originale Teile oder auch Sportsitze und Fuchs-Felgen sind sauteuer. Ganz schlecht: Spezifische RS-Baugruppen wie Dnnglas von Glaverbel, Leichtbau-Ersatzrad oder Heckstofnger schlagen deutlich vierstellige Schneisen ins Budget, von Motor-Ersatzteilen gar nicht zu sprechen. Mehr noch als bei anderen klassischen Porsche spielt die historisch korrekte Ausstattung und/oder Vollstndigkeit eine wichtige Rolle.

Marktlage

Tja, der Markt der alten Elfer. Immer wieder werden RS 2.7 angeboten, was auch mit dem Status des Anlageobjekts zu tun hat, das gekauft und verkauft wird. Vor fnfzehn Jahren kostete ein Zweier noch rund 60.000 Euro, heute notiert er um die 510.000 Euro, die leichte, reduziert ausgestattete M471-Version (nur 200-mal gebaut) wird locker fr bis zu 900.000 Euro gehandelt aber die Nachfrage ist da. Wer hier mitspielt, ist Zocker oder echter Enthusiast.

Autor: Jan-Henrik Muche

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung