Porsche 911 Carrera S Techart: Fahrbericht

Porsche 911 Carrera S Techart (2016): Fahrbericht

— 23.06.2016

Techarts Turbo-Elfer

Der Porsche 911 Carrera S von Techart ist genau so stark wie ein Porsche 911 Turbo der Generation 997. Und einen Turbo hat der Neue auch. Fahrbericht!

Noch immer weinen die Porsche-Fans dem ausgedienten Saugmotor nach. Aber all das Gejammere ändert nichts an dem Fakt, dass der Sauger Vergangenheit und der Turbo die Zukunft ist. Auch bei der Sportwagenikone Porsche 911. Also das Beste daraus machen, hat sich auch Tuning-Urgestein und Porsche-Spezialist Techart gedacht.
Ebenfalls beim Conti-Tuning-Tag gefahren: Brabus B40S-650

Der Leonberger Tuner holt aus dem Dreiliter-Triebwerk mittels eigens entwickeltem Techart-Techtronic-Steuergerät 480 PS und 580 Nm maximales Drehmoment (Serie: 420 PS und 500 Nm). Genauso viel Leistung hatte 2006 ein Porsche 911 Turbo der Generation 997. Und die 60 PS Mehrleistung spürt man deutlich, vor allem aber die 580 Nm schieben den Techart 911 Carrera S brutal voran. Man sollte allerdings wissen, dass die Mehrleistung nur in den Fahrmodi Sport und Sport plus anliegt, sonst werkeln die serienmäßigen 420 PS im Heck. Also den neonorangen Fahrmodi-Schalter auf Sport plus gestellt und im Rahmen des Conti-Tuning-Tags von AUTO BILD SPORTSCARS rauf auf den Handlingskurs.

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Extrem direkte Gasannahme

Der vierflutige Klappenauspuff ist mittig montiert. Nach ein paar schnellen Runden verfärben sich die äußeren Endrohre bläulich.

Die Standard-Disziplin 0-100 km/h absolviert der heckangetriebene Techart 911 Carrera S in verdammt schnellen 3,7 Sekunden (Serie mit Sport Chrono Paket: 3,9 Sekunden). Zum Vergleich: ein 550 PS starker Jaguar F-Type R mit Allradantrieb braucht für den Sprint 4,1 Sekunden. Die Gasannahme des Carrera S ist für einen Turbomotor sensationell direkt, wenn auch immer noch nicht ganz auf dem Niveau des alten Saugers. Der massive Schub wird von einem lauten Turbopfeifen begleitet. Dafür ist die 4859 Euro teure vierflutige Sportabgasanlage mit mittigen Carbon-Endrohren verantwortlich, die den Carrera S deutlich stimmgewaltiger klingen lässt. Zudem belohnt einen der nach ein paar Runden blau angelaufene Titanauspuff im Sportmodus mit kräftigen Backfires.

Optionales Noselift-System für den 911

Außenspiegelkappen in Echtcarbon am Porsche 911 Carrera S von Techart.

Querdynamisch bleibt auch der Techart Carrera S ein echter Porsche 911. Tolles Einlenkverhalten, sehr neutrale Abstimmung und ein weit oben angesiedelter Grenzbereich. Trotz der 20-Zöller und einer 30-Millimeter-Tieferlegung schleift hier nichts. In Verbindung mit der Tieferlegung bietet Techart auch gleich ein praktisches Noselift-System (1273 Euro) für die Vorderachse an, das die Front per Knopfdruck um bis zu sechs Zentimeter anhebt. Das System nutzt die originalen PASM-Dämpfer als Basis und senkt sich ab einer Geschwindigkeit von 40 km/h automatisch wieder ab.

Brabus B40S-650: Fahrbericht

Die ausführliche Berichterstattung zum Conti-Tuning-Tag finden Sie in der August-Ausgabe der AUTO BILD SPORTSCARS, die am 8. Juli 2016 erscheint.

Die Optik des Turboelfers wertet Techart mit einem dezenten Aerokit auf. Dazu gehören ein Frontspoiler mit Splitter, der Techart-Heckspoiler, der auf dem originalen Heckdeckel montiert wird, sowie ein Dachspoiler. Außenspiegelkappen, Dachspoiler und Frontsplitter stellt Techart aus Carbon im sogenannten Prebake-Verfahren her. Die schwarzen 21-Zoll-Schmiederäder vom Typ Fomula IV wurden nur für die Fotoaufnahmen montiert, danach wurde auf schwarze 20-Zöller umgesattelt.

Veredelung statt Tuning

Viel Liebe zum Detail im Innenraum: neonorange Akzente am Schlüssel, den Nähten und den Lüftungsdüsen.

Im Innenraum des Techart gilt: Veredelung statt Tuning. Die komplette dreifarbige Innenausstattung stammt von der Techart-Manufaktur. Die Lederausstattung ist auf die Außenfarbe abgestimmt. Für Farbtupfer innen und außen sorgen Akzente in Neon-Leuchtfarbe. Die Verarbeitung des gesamten Innenraums ist auf allerhöchstem Niveau, hier sitzt jede Naht und jedes noch so kleine Detail wurde beachtet. So wurden die Gehäuse der Lüftungsdüsen in Wagenfarbe, die Luftausströmer und der Schlüssel in Neonorange lackiert. Der gesamte Innenraum strotzt nur so vor liebevollen Details, wie beispielsweise den orangen Nähten oder dem hauseigenen Sportlenkrad.

Porsche 911 Carrera S Techart: Fahrbericht

Heftiger Preis für den Techart 911

So viel Detailverliebtheit kostet. Und zwar ordentlich! Mit einem Testwagenpreis von 192.360 Euro kratzt der Techart 911 Carrera S an der 200.000-Euro-Marke. Zugegeben, der Testwagen ist absolut vollausgestattet und alleine die Innenraumveredelung kostet knapp 30.000 Euro (Manufaktur Interieur Individual: 16.791 Euro, Carbon- und Lack-Interieurpaket: 10.512 Euro, Sportlenkrad Individual: 2403 Euro). Dennoch ist der Techart 911 Carrera S deutlich teurer als ein 540 PS starker 911 Turbo (ab 174.669 Euro).
Autor:

Jan Götze

Fazit

Die Individualisierungsmöglichkeiten im Innenraum sind nahezu endlos und von höchster Qualität, die hat allerdings auch einen extrem hohen Preis. Leistung und Sound des Techart 911 Carrera S sind spürbar besser als beim serienmäßigen Carrera S mit Turboaufladung. Der Aufpreis für die Zusatzleistung (4641 Euro) und den Klappenauspuff (4859 Euro) gehen in Ordnung. Am Ende kann aber auch Techart aus dem turboaufgeladenen Elfer keinen Sauger mehr machen.

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