Porsche 911 GT2

Porsche 911 GT 2 Porsche 911 GT 2

Porsche 911 GT2

— 25.02.2002

Imola ist überall

Geschaffen für die pure Lust am Autofahren. Auf der Rennstrecke bietet der GT 2 Luxus, auf der Straße perfekte Rennatmosphäre. In beiden Fällen gilt: Schneller ist kaum einer.

Sportlich wie der GT 3, stark wie der Turbo

Tacho 280, und er schiebt immer noch an. Konzentriert, aber locker halten die Hände das schlichte Lederlenkrad, denn über 240 km/h wird die Front leicht und etwas nervös - fast wie früher. Den kurzen Moment der Gesetzlosigkeit auf dem leeren Autobahnstück würde die Polizia Stradale bei genauer Betrachtung unseres Autos sicher vergeben. Roter, schneller und heißer kann auch kein Ferrari sein - etwas schöner vielleicht.

Dafür hat der Porsche 911 GT 2 Anlagen, die straßengängige Autos aus Maranello heute nicht bieten: Er ist eines der legendären Modelle, die auf dem schmalen Grat zwischen Straßensport- und Rennwagen balancieren. Der GT 2 soll "die extreme Sportlichkeit des GT 3 mit der Leistungsfähigkeit des Turbo verbinden", sagt Porsche.

Zwei Lastwagen wachsen blitzartig aus dem Horizont hervor, der eine zieht überraschend auf die linke Spur. Mein Fuß berührt kaum das Bremspedal, da nehmen 20 Bremskolben die Keramikscheiben in die Zange und lassen die 235er- und 315er-Pirellis um Gnade wimmern. Der Iveco-Fahrer zuckt erschreckt nach rechts, torkelt dem fälligen Espresso entgegen.

Hier haben Tuner keine Chance mehr

Mit dem Dank an die Bremsen verbindet sich der Gedanke, dass sie 17 Kilo zur Diät beitragen, die den Turbo gewichtsmäßig zum GT 2 machen. Schalensitze mit starren Lehnen bringen 20 Kilo, der Verzicht auf rückwärtige Sitzpolster, Faltrad und Kühlgebläse weitere 23. Am meisten spart der Wegfall des Vorderradantriebs (100 Pfund). Allradantrieb und ESP hielten die Ingenieure für die Ausübung der reinen Lehre des Fahrens für entbehrlich. Zu Recht.

Für alle, die nachrechnen wollen: Der GT 2 ist genau 100 Kilo leichter als der Turbo, den Rest fressen der von 64 auf 89 Liter vergrößerte Tank und Veränderungen des Fahrwerks auf. Zähneklappern und gelockerte Plomben hatten wir vom GT 2 erwartet. Doch das Geschoss rollt fast schon komfortabel ab. Dabei haben jetzt Tuner keine Chance mehr. 20 mm tiefer und härter als der Turbo ist der GT 2 ohnehin. Aber er bietet auch ein so genanntes Gewindefahrwerk, das die Verwendung von Rennfedern und eine beliebige Standhöhe erlaubt. Dazu einstellbare Stabis sowie Verstärkungen und Verstellmöglichkeiten, um es problemlos auf die Verwendung von Slicks umrüsten zu können.

Da liegt der Wochenendausflug zur nächsten Rennstrecke nahe. Weshalb wir auf dem Weg zum GP-Kurs von Imola sind. Abgesehen vom eher zurückhaltenden Motorgeräusch (zumindest bis 6000 Touren), wähnt man sich schon im Rennen. Die Schalensitze packen dezent, aber nachdrücklich an Hüften und Schultern zu und sorgen für eine schön aufrechte Position. Zurück in den Dritten geschaltet, und der Porsche stürzt sich durch die Gänge, als säße im Heck ein Elektromotor im Lokomotivenformat.

100 Kilo weniger Gewicht

Der Schub beginnt bei 1800 und hält unnachgiebig bis 6700 Umdrehungen an. Dritter Gang bis 160, vierter Tacho 220, fünfter bis 260, 0-200 in 12,9 Sekunden. Dabei fielen die Änderungen am Motor bescheiden aus. Effizientere Ladeluftkühler und höherer Ladedruck sorgen für die Leistungssteigerung auf 462 PS. Das sind 128 PS pro Liter Hubraum. Gegen die brachiale Gewalt von 620 Nm wehrt sich das Sechsganggetriebe mit Verstärkungen, Spritzöl- und externer Ölkühlung.

Am wenig inspirierten Interieur ändert sich, abgesehen von der Sitzanlage, nichts, dafür umso mehr an der Aerodynamik. Die Kühlluft strömt hinter dem schräg gestellten mittleren Wasserkühler durch ein Gitter vor dem Kofferraumdeckel ins Freie. Das bringt mehr Abtrieb, genau wie der extrem geformte Frontspoiler mit Gummilippe. Absoluter Höhepunkt aber ist der riesige, fest stehende Heckspoiler. Er hätte noch vor 25 Jahren amtliche Fahrzeugprüfer in unkontrollierte Aggression oder Weinkrämpfe versetzt. An diesem Auto jedoch wirkt er funktionell, nicht peinlich. Er sorgt dafür, dass das imposante Heck keinen Auftrieb, dafür aber viel Luft für Kühlung und Ansaugtrakt bekommt.

Noch zwei Erkenntnisse nach 200 Kilometer Autobahn: selten so wenig das Radio vermisst und selten so locker 25 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Doch wer mal eben 339.000 Mark für den Über-911 hinblättert, den überkommen beim Tanken sicher keine Existenzängste. Egal, denn jetzt steht der GT 2 vor dem Tor der Ferrari-Hochburg Imola.

100 Prozent mehr Fahrspaß

Lange ist nicht Zeit, die Formel 3000 trainiert. Doch für Eindrücke reicht es. Präziser als diese Lenkung ist auch kein Chronometer, Untersteuern gibt es nur mit kalten Reifen, Bewegungen der Karosse so gut wie nicht. Die schiere Leistung beeindruckt auch auf der Rennpiste. Doch wehe dem, der den Respekt verliert. Die Hinterräder haben unglaublichen Grip, Lastwechselreaktionen gibt es dank der auf Zug und Schub wirkenden Differenzialsperre kaum. Aber zu viel Gas im falschen Moment verlangt viel Erfahrung und eine durch keinen Schluck Barolo getrübte Reaktion.

Knisternd kühlt der GT 2 wieder ab, die Feuerwehrleute stehen bewundernd herum und zerfallen in ein Ferrari- und ein Porschelager. Auch im Land des springenden Pferdes kein Wunder angesichts dieser Fahrmaschine. Mit einem Porsche GT 2 gibt es einfach bei jeder Fahrt ein wenig Imola oder Nürburgring gratis dazu.

Technische Daten

Sechszylinder-Boxermotor • Hubraum 3600 cm3 • Leistung 340 kW (462 PS) bei 5700/ min • Drehmoment 620 Nm bei 3500/min • Sechsganggetriebe • Heckantrieb • Einzelradaufhängung • innenbel. Keramik-Scheibenbremsen • ABS • Reifen vo./hi. 235/40-315/30 ZR 18 • Kofferraum 110 l • Tank 89 l • L/B/H 4446/ 1830/1275 mm • Leergew. 1440 kg • Zuladung 280 kg • Spitze 315 km/h • 0 bis 100 km/h 4,1 s • Verbrauch (EU-Mix) 12,9 l SP (Werksangaben) • Preis 339.000 Mark

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.