Porsche GT3 RS 4.0 gegen Audi R8 GT: Test

Porsche 911 GT3 RS 4.0 Audi R8 GT Porsche 911 GT3 RS 4.0 Audi R8 GT

Porsche 911 GT3 RS 4.0 gegen Audi R8 GT: Vergleich

— 16.08.2011

Präzisionsmaschinen

Natürlich lassen sich Porsche 911 GT3 RS 4.0 und Audi R8 GT auch im Alltag handhaben. Ihrer wahren Bestimmung wird man damit aber nicht gerecht. Die beiden gehören auf die Nordschleife. Eine rasante Ausfahrt.

Oje, schon wieder ein vermeintliches Sondermodell aus Zuffenhausen, das der dahinscheidenden 997er-Baureihe einen absatzstarken Schlußspurt bescheren soll. Als wären Sport Classic, Speedster, GTS, Black Edition und wie sie alle heißen nicht schon genug gewesen. Nein, jetzt melken sie auch noch die GT3-Baureihe; frei nach dem Motto: Hauptsache, es schwärzt die Jahresbilanz. Ist den Porsche-Jungs denn gar nichts mehr heilig? Doch! Und genau deshalb sprechen wir sie auch von all diesen Anschuldigungen frei. Porsche wäre sicherlich zu vielem bereit, aber ihren GT3, sprich ihr allerliebstes Kind, würden sie niemals verraten.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche GT3

Seltene Fahrmaschine: Der Porsche 911 GT 3 RS 4.0 ist auf 600 Exemplare limitiert.

Insofern ist der auf 600 Exemplare limitierte RS 4.0 sicherlich auch kein Produkt seelenloser Zahlenmaschinerie, sondern schlicht die definitiv letzte und absolute Endstufe der aktuellen GT3-Genetik. Entstanden aus einem einzigen Grund: weil seine Entwickler im Vergleich zum Standard-RS eben doch noch Verbesserungspotenzial sahen. Doch dafür mußte die Weissacher Motorsportabteilung auch fleißig in ihrer hauseigenen Hexenküche tüfteln. Einen GT3 RS verbessert man nicht so eben mal – zumindest nicht mit handelsüblichen Komponenten. Zum Einsatz kommt daher nur lupenreine Rennsporttechnik. Luftfilter aus 911 GT3 R Hybrid, Kurbelwelle aus 911 GT3 RSR, modifizierte Sauganlage mit extrem kurzen Ansaugwegen sowie zwei Resonanzklappen.  Zum Schluss schließlich noch ein gesundes Hubraumplus, das dem legendären GT1-Block endlich mal wieder sein Idealmaß von 3996 cm³ beschert, aus welchem er auch beim Le-Mans-Sieg 1998 schöpfte. 500 PS und 460 Nm stehen am Ende dieser Kernsanierung im Lastenheft. Der "normale" RS begnügt sich mit 450 PS und 430 Nm.

Überblick: Alle News und Tests zu Porsche

Mächtiges Geflügel: Das Aerodynamikpaket des Über-Elfers erzeugt 190 Kilo Abtrieb.

Fahrwerksseitig gingen die Ingenieure ähnlich radikal zu Werke. Die neue Federabstimmung an der Vorderachse (größerer Windungsabstand) hat ihre Wurzeln ebenso im Rennsport wie die Kombination aus leichten Haupt- und kompakten Zusatzfedern an der Hinterachse. Darüber hinaus sind alle Fahrwerkskomponenten mit spielfreien Kugellagern ausgerüstet. Zur finalen Abstimmung tragen schließlich noch die aerodynamischen Modifikationen bei: Heckflügel mit Sideplates, Luftleitschaufeln an der Bugverkleidung, stärker ausgeformte Spoilerlippe. Das macht zusammen 190 Kilogramm Abtrieb bei 310 km/h. Gut zu wissen, denn sein Eigengewicht hat der RS 4.0 natürlich auf ein Minimum heruntergehungert. Hintere Scheiben aus Polyurethan, Kotflügel und Fronthaube aus Karbon, Heckdeckel aus glasfaserverstärktem Kunststoff, schlanke Vollschalensitze. Darüber hinaus verzichtet er auf alle Komfortextras, die im fahrdynamischen Sinne nicht sachdienlich sind. Klare Ansage also: Wer kuscheln will, soll Cayenne fahren.

News und Tests zum Audi R8

Oder einen Blick auf den Audi R8 GT riskieren. Denn anders als der Porsche, der jedes seiner 1.393.000 Gramm konsequent dem Performance-Diktat unterwirft, ist sich der Audi für das ein oder andere Zugeständnis nicht zu schade. Trotz Käfig und Vierpunktgurten (jeweils Bestandteil des Rennsportpakets für 5850 Euro) bietet er Klimaautomatik, Parkpiepser, Navigation oder auf Wunsch (1440 Euro) sogar ein Bang & Olufsen-Soundsystem. Puristen nennen das inkonsequent,  die quattro GmbH dagegen bezeichnet es als vielseitig. Denn der R8 GT legt hohen Wert auf gute Manieren. Er verschreckt nicht mit brutalem Spoilerwerk, hält bei Bedarf sogar seine raue V10-Stimme im Hintergrund und schabt sich seine Nase trotz tief geduckter Haltung nicht an jeder Kante auf.

Überblick: Alle News und Tests zu Audi

Annähernd narrensicher: Der Audi R8 GT ist ein ziemlich gutmütiger Supersportler.

Dass er mit 1573 Kilogramm deutlich mehr auf die Waage wuchtet als der RS 4.0, sollte man ihm daher verzeihen. Schließlich kompensiert er seinen Gewichtsnachteil auch mit 60 zusätzlichen PS. Schlimmer wiegt da schon die Tatsache, dass sein Faible für Prachtboulevards scheinbar Einfluss auf die Serienbereifung genommen hat. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, weshalb zwar Keramikbremsen, nicht aber Sportreifen zum Serienumfang zählen. Schließlich hat der R8 GT die sportlichen Pneus bitter nötig. Sein gesamtes Handling steht und fällt mit der Seitenführung an der Hinterachse. Glücklicherweise waren beim Testwagen die optionalen Klebesohlen aufgezogen, wovon nicht nur die Querdynamik, sondern auch die Brems-Performance enorm profitierte. Mit seinem extrem feinfühligen ABS, dem allzeit konstanten Bremsdruck sowie seiner ausgezeichneten Bremsbalance stanzt der Audi Verzögerungswerte in den Asphalt, die für ein Straßenfahrzeug schlicht sensationell sind. 30,1 Meter von 100 km/h auf 0 – besser bremst kein anderes Straßenfahrzeug!

Wie sich die beiden Supersportler auf der Nordschleife schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 9/2011 oder als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi Porsche
Motor V10 B6
Einbaulage Mitte hinten längs hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 5204 cm³ 3996 cm³
Bohrung x Hub 84,5 x 92,8 mm 102,7 x 80,4 mm
Verdichtung 12,5:1 12,6:1
kW (PS) bei 1/min 412 (560)/8000 368 (500)/8250
Literleistung 108 PS/l 125 PS/l
Nm bei 1/min 540/6500 460/5750
Antriebsart Allrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang sequenziell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 356 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn – hinten 8,5 x 19 – 11 x 19 9 x 19 – 12x 19
Reifengröße vorn – hinten 235/35 ZR 19 – 305/30 ZR 19 245/35 ZR 19 – 325/30 ZR 19
Reifentyp Pirelli P Zero Corsa R01 Michelin Pilot Sport Cup (N1)
Länge/Breite/Höhe 4434/1930/1242 mm 4460/1852/1280 mm
Radstand 2650 mm 2355 mm
Tankvolumen 75 l 67 l
Serienfahrzeug ohne Extras 193.000 Euro 178.596 Euro
Messwerte Audi Porsche
Beschleunigung
0–50 km/h 1,6 s 1,6 s
0–100 km/h 4,0 s 3,8 s
0–130 km/h 5,9 s 5,9
0–160 km/h 8,1 s 7,9 s
0–200 km/h 12,2 s 11,8 s
Viertelmeile
0–402,34 m 11,89 s 11,75 s
Höchstgeschwindigkeit
Herstellerangabe 320 km/h 310 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 4,0 s 4,2 s
80–120 km/h im 5. Gang 5,0 s 5,4 s
80–120 km/h im 6. Gang 6,5 s 7,0 s
Bremsweg
100–0 km/h (kalt) 30,1 m 31,9 m
100–0 km/h (warm) 30,8 m 32,1 m
200–0 km/h (warm) 130,5 m 125,6 m
Testverbrauch
Ø auf 100 km 13,7 l Super Plus 12,6 l Super Plus
Reichweite 550 km 530 km
Leergewicht 1573 kg 1393 kg
Leistungsgewicht 2,8 kg/PS 2,8 kg/PS
Zuladung 252 kg 287 kg
Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Objektiv trennen die beiden auf der Nordschleife nur sechs Sekunden, subjektiv liegen zwischen ihnen allerdings Welten. Der Porsche GT3 RS 4.0 ist der ultimative Rennwagen für die Straße – extrem agil, hypersensibel und unglaublich feinnervig. Anders als der Audi, der insgesamt viel sanftmütiger wirkt, dabei allerdings kaum langsamer ist.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.