Ausfahrt mit drei Sportlern

Porsche 911 R/Morgan Threewheeler/Shelby GT350: Vergleich

— 01.12.2016

Drei höllische Himmelsstürmer

Ab 2030 soll es nur noch Elektroautos geben. Ford Mustang Shelby GT350, Morgan Threewheeler und Porsche 911 R werden dann Legenden sein.

Früher hatten wir viel Spaß mit Elektroautos. Auf dem Rummelplatz, beim Autoscooterfahren. Unterm Weihnachtsbaum, an der Carrerabahn. Doch ab 2030 sollen wir alle nur noch mit Strom fahren. Wir Petrolheads sind eine bedrohte Spezies. Weil wir die Polkappen zum Schmelzen bringen, ernten wir mitleidige bis verachtende Blicke von Club Mate trinkenden Öko-Hipstern, wenn wir gestehen, dass der Sound eines Ottomotors für uns immer noch der Inbegriff von Freiheit ist. Damit scheint bald Schluss zu sein, Zeit für eine Ausfahrt mit drei echten Helden der Verbrennungsmotorisierung.

Mit dem R kann man das reine Elfer-Gefühl noch erfahren

Porsche ohne Schnickschnack: Der 911 R setzt bei der Kraftübertragung auf ein manuelles Getriebe.

Tor eins öffnet sich, uns glupsch-augt ein Porsche entgegen. Nicht irgendeiner, sondern der neunelfigste aller 911. Der R. Ohne Turbo und PDK-Firlefanz, wie ihn seit Neuestem jeder Elfer hat. In den Carbonsitz mit dem stylishen Pepita-Stoffbezug klemmen, Zündung statt Startknopf! Wenn sich der direkteinspritzende 4,0-Liter-Boxer emporkreischt, klingt das immer ein bisschen wie das Zurechtschneidenlassen einer Pressspanplatte im Baumarkt. Nur dass sich der Mann an der Säge meist in Zeitlupe bewegt, während der 911 R voranpeitscht, als hätte einer die Fast-Forward-Taste gedrückt. 500 PS drücken den Silberling in 3,8 Sekunden auf 100 und auf bis zu 323 km/h Spitze. Seine Nennleistung erreicht der R, wenn die Drehzahlnadel die 8000 passiert hat. Auch wenn das wassergekühlte Sixpack im Heck klingt, als könne der R jeden Baum zwischen Hatzenbach und der Döttinger Höhe abholzen, juckt es uns keinen Meter, welche Zeit der R auf der Nordschleife fahren könnte.
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Im Morgan Threewheeler braucht man Wetterfestigkeit

Nur für Hartgesottene: Im Morgan Threewheeler ist man den Elementen relativ schutzlos ausgeliefert.

Viel wichtiger ist, dass er den Fahrer wieder involviert. Kein hyperaktives Automatikgetriebe, keine Filter. So fühlt sich die reine Lehre an, wenn die Rechte die Zahnräder der Sechsgangbox sortiert. Dieser Typ ist old school, von der Frontspoilerlippe bis in die Endrohre seiner Titan-Klappenauspuffanlage. Dazwischen: viel Know-how von heute. Ein Kofferraumdeckel aus Carbon, ein Magnesiumdach, Hinterachslenkung, Keramikbremsen, aber nur Schlaufen zum Öffnen der Türen. Den Fahrer involvieren, das kann der Morgan Threewheeler auch. Mehr noch: Er foltert ihn. Die Füße gleiten unters Lenkrad, der Torso hinterher in den offenen Karosserietorpedo aus Aluminium. Auf Knopfdruck startet der S&S-Zweizylinder, den der Morgan wie eine Monstranz vor sich her trägt. Threewheeler fahren bedeutet vor allem eines: Verzicht. Auf ein viertes Rad, auf ein Dach, eine Windschutzscheibe, Kopfstützen, ach, die Liste ließe sich endlos fortführen. Dafür fühlt sich der Fahrer mit Lederkappe und Schutzbrille hinterm Lenkrad wie ein Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, wenn ihm eiskalter Regen ins Gesicht peitscht und er sich bei diesem Herbstwetter wichtige Teile abfriert.
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Er sieht vom Cockpit aus, wie Motor und Kotflügel um die Wette zappeln, dazu das Wippeln der Vorderräder. Irre, dass die kleine Klitsche dieses Ding noch genau so baut. Morgan-Fahrer spüren, ob sie gerade über Eichen- oder Buchenlaub fahren, können den Angstschweiß der Motorradfahrer riechen. Wichtig ist nur, vor dem Einlenken die richtige Kurvengeschwindigkeit zu finden, denn Bremsen in Kurven, das mag der Threewheeler überhaupt nicht.

Der GT350 räumt mit alten Musclecar-Vorurteilen auf

Ford macht ernst: Als Shelby GT350 wird der Mustang zur präzisen Fahrmaschine für den Rundkurs.

Eines der besten Fahrerautos kommt von einem Hersteller, der angekündigt hat, schon 2021 Autos ohne Lenkrad und Pedale anzubieten. Vielleicht ist der 533 PS starke Mustang Shelby GT350 Fords Art, "Bye" zu sagen. Ich gebe Zwischengas, wirble Herbstlaub auf. Keine Zeit zum Traurigsein: "Track"-Modus auswählen und staunen, wie der Shelby mit der hinteren Mehrlenkerachse, den magnetischen Stoßdämpfern und 305er-Hinterwalzen auf der Straße klebt und einen in jedem seiner sechs Gänge in einer anderen Tonart anknurrt. Früher wirkten Muscle-Cars immer etwas kindisch. Mit dem GT350 beweisen die Amis, dass sie Rennstreckenspielzeug bauen können. Okay, das Cockpitplastik wirkt billig. Who cares? Wenn die Flatplane-Kurbelwelle pro Minute bis zu 8000-mal rotiert, klingt der Super-Mustang, als könne er den Asphaltteppich aufrollen. Die Welle mit 180-Grad-Hubzapfenversatz macht den V8-Motor herrlich "revvy", auf Deutsch: drehzahlgeil. 5000, 6000, 7000 – VRRROOOM!
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Ja, ist noch etwas hin bis zum Ende des Verbrennungszeitalters. Trotzdem: Diese drei höllischen Himmelsstürmer werden wir schmerzlich vermissen.

Technische Daten Porsche 911 R: • Motor: Sechszylinder-Boxermotor, hinten längs • Hubraum: 3996 cm³ • Leistung: 368 kW (500 PS) bei 8250/min • max. Drehmoment: 460 Nm bei 6250/min• Vmax: 323 km/h • 0–100 km/h: 3,8 s • Leergewicht: 1370 kg • Preis: 189.544 Euro

Technische Daten Morgan Treewheeler: • Motor: Zweizylinder-V-Motor, vorn längs • Hubraum: 1983 cm³ • Leistung: 60 kW (82 PS) bei 5250/min • max. Drehmoment: 140 Nm bei 3250/min • Vmax: 185 km/h • 0–100 km/h: 6,0 s • Leergewicht: 525 kg • Preis: 44.900 Euro

Technische Daten Ford Mustang Shelby GT350: • Motor: V8, vorn längs • Hubraum: 5163 cm³ • Leistung: 392 kW (533 PS) bei 7500/min • max. Drehmoment: 582 Nm bei 4750/min • Vmax: 275 km/h • 0–100 km/h: 4,0 s • Leergewicht: 1705 kg • Preis: 84.000 Euro
Autor:

Lukas Hambrecht

Fazit

Der herrlich raue Kettensägen-Käfer, das naturnahe Dreirad und das Mega-Muscle-Car sind meine Autos des Jahres 2030. Wer kann, sollte sich jetzt einen der drei kaufen, wegstellen und wieder rausholen, wenn es nur noch Spielzeug mit Batteriebetrieb gibt.

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