Porsche/Jaguar: Vergleich

Porsche 911 Turbo Jaguar F-Type R Coupé Porsche 911 Turbo Jaguar F-Type R Coupé Porsche 911 Turbo Jaguar F-Type R Coupé

Porsche 911 Turbo/Jaguar F-Type R Coupé: Vergleich

— 13.05.2014

F-Type R fordert 911 Turbo

Mit 550 PS rauscht das F-Type R Coupé um 30 PS am 911 Turbo vorbei –
ohne ihn wirklich zu überholen. Beide begeistern vielmehr nebeneinander
her – der eine als Vollstrecker, der andere als Held.

Es heißt: Für den Turbo gibt es keine Gegner, nur Opfer. Und nun ist er also da, der Jaguar-Sportwagen, den sich der XK auch mit den R-S-Varianten nie so richtig hat aufzwingen lassen, um sich mit dem 911er zu messen. Und er ist ein rassiger geworden: schnell, sexy, extra steif, laut und obendrein ohne schweißige Handflächen schnell- und querzufahren. Aber kann er gegen Porsche bestehen?

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Kennt keine Konkurrenz: der Porsche 911 Turbo.

Porsche 911 Turbo Bestimmt kennen Sie diese Szene aus Horrorfilmen, diesen Moment, wenn die Quotenblonde mitternachts noch mal ganz dringend den Müll rausbringen muss. Ja? Gasgeben im 911 Turbo fühlt sich genauso an. Eigentlich weiß man genau, was passiert, und doch erschrickt man jedes Mal: Ein winziger Augenblick vergeht, bis die beiden Lader die Kräfte des Dreiachters sammeln, dann überwältigen sie einen hinterrücks und erbarmungslos. Wenn es pressiert, overboosten 710 Newtonmeter knapp 1600 Kilo in 3,2 Sekunden auf 100 km/h – was das Hirn als träge Masse gegen die Innenseite des Schädels klatschen lässt und in dieser Leistungsklasse nach wie vor die Benchmark ist.

Der Jaguar fährt so rattenscharf wie er aussieht.

Jaguar F-Type R Coupé Falls Sie also gehofft haben, wir stellen Ihnen den neuen Jaguar F- Type R nun als denjenigen vor, der dem Turbo endlich das Wasser reicht, müssen wir Sie enttäuschen. Trotz seines fülligeren Kompres­sor-V8 mit glatt fünf Liter Hub­raum, einem minimal besseren Leistungsgewicht und den kürzeren Gangstufen seiner flinken ZF-Auto­matik wird er sich in Hitlisten stets hinter dem Porsche einschreiben – wobei der Grund dafür schlicht in der Architektur des Antriebs liegt. Zwar quillt die Kraft plötzlicher aus ihm heraus und sprudelt danach kaum weniger imposant am Dreh­zahlband empor, muss letztlich aber einfach 70 Kilo mehr an einer Antriebsachse weniger abstoßen. Anders als der Turbo, der seine Ladedruckwelle mit Hilfe einer Lamellenkupplung mit allen vier Rädern abfängt, den Launch elektronisch kontrolliert und sich mittels Drehmomentüberhöhung beim Hochschalten obendrein noch selbst in den Hintern tritt, wollen die 680 Newtonmeter des Jaguar mit viel Zehenspitzengefühl auf die Hinterräder geschaufelt werden.

Der 911 zerrt an den Nerven, der F-Type knallt

Klartext: Wer stumpf reinlatscht, zieht Striche auf den Asphalt, nur Feinfühlige kompressern in 4,2 Sekunden auf 100 – wobei man dann immer noch eine ganze Sekunde auf den Porsche verliert. Grotesk nur, dass es der F-Type schafft, nicht allein wegen des gut 60.000 Euro niedrigeren Grundpreises, eine echte Alternative zum aufgeladenen Elfer zu sein. Und das kommt so: Seit Jahrzehnten ist Jaguar auf der Suche nach der eigenen Identität. Mal probiert man es mit Nostalgie, mal übers Preisbewusstsein, dann wieder progressiv – und jetzt also mit dem geschlossenen F-Type R, der nicht nur all dieses in sich vereint, sondern gleichzeitig auch jenen Sportwagen wiederentdeckt, der mit dem Ende der Sechszylinder-E-Types Anfang der Siebzigerjahre verloren gegangen war.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Er sei der steifste Jaguar jemals, dazu perfekt achslastbalanciert und einzig und allein um den Piloten herum entwickelt. Oder um die Marketingguys zu zitieren: "Wenn sich der scheidende XK als klassischer 2+2 versteht, als Auto für zwei also, das zur Not zwei weitere aufnehmen kann, dann ist der F-Type ein Eins-plus-Eins."
Technische Daten Jaguar Porsche
Motor V8, Kompressor B6, Biturbo
Einbaulage vorn längs hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 5000 cm3 3800 cm3
kW (PS) bei 1/min 405 (550)/6500 383 (520)/6000–6500
Literleistung 110 PS/ 137 PS/l
Nm bei 1/min 680/2500–5500 710/2100–4250 (Overboost)
Antriebsart Hinterrad Allrad
Getriebe 8-Stufen-Automatik 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 380 mm/innenbelüftet 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 376 mm/innenbelüftet 380 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn – hinten 9 x 20 – 10,5 x 20 8,5 x 20 – 11 x 20
Reifengröße vorn – hinten 255/35 ZR 20 – 295/30 ZR 20 245/35 ZR 20 – 305/30 ZR 20
Reifentyp Pirelli P Zero (JRS) Pirelli P Zero (N0)
Länge/Breite/Höhe 4470/1923/1321 mm 4506/1880/1296 mm
Radstand 2622 mm 2450 mm
Leergewicht/Zuladung 1665/385 kg 1595/395 kg
Leistungsgewicht 3,0 kg/PS 3,1 kg/PS
Tankvolumen 72 l 68 l
ECE-Normverbrauch Ø auf 100 km 11,1 l Super 9,7 l Super Plus
Beschleunigung von 0–100 km/h 4,2 s 3,2 s
Beschleunigung von 0–200 km/h k. A. 10,8 s
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h (abgeregelt) 315 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 103.700 Euro 165.149 Euro

Porsche/Jaguar: Vergleich

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Autor:

Stefan Helmreich

Fazit

In den Dynamikorbit eines Turbo vermag das Jaguar F-Type R Coupé nicht vorzustoßen – was kein Drama, aber nun mal Tatsache ist. Der Porsche geht abartiger voran, kurvt unbeirrbarer, schöpft Erotik aber vor allem aus seiner Gnadenlosigkeit. Oder um im Filmischen zu bleiben: Der 911 thrillt wie Basic Instinct, der Jag knallt im Stile eines modernen Bond.

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