Porsche 911 Turbo mit 450 PS

Porsche 911 Turbo mit 450 PS Porsche 911 Turbo mit 450 PS

Porsche 911 Turbo mit 450 PS

— 20.01.2003

Tunnel-Blick

Porsche bietet für den Turbo auf Wunsch 30 PS mehr an. Das Ergebnis: mehr Sound, mehr Tempo, mehr Nervenkitzel. Und mehr denn je gilt: Man muss verdammt gut fahren können ...

Irrer Motor-Sound im Kachel-Meer

In jener Hamburger Nacht spielte die Musik weder in der klassischen Staatsoper noch im rockigen Mojo-Club. Der Porsche Turbo inszenierte seinen hitverdächtigen Auftritt auf einer Bühne, die Konzertgänger sonst kaum im Auge haben: im neuen Elbtunnel. Was für eine Symbolik – im Tunnel wie bei Turbo-Tempo 300 beschränkt sich das Blickfeld des Fahrers auf das Armaturenbrett und ein sehr schmales Asphaltband.

So genoss der Sportwagen die (gesperrte) Röhre eine ganze Nacht für sich allein – bei fließendem Verkehr hätten Polizei und Fotograf die Aktion mit Recht verweigert. Welche musikalischen Fähigkeiten der Supersportwagen ganz ungestört zwischen Kacheln und Neonröhren entwickeln würde, hatten wir nicht für möglich gehalten.

Der sonst eher kultivierte Sechszylinder entfesselte einen irren Sound, wie er sonst bestenfalls bei Formel-1-Rennen zu vernehmen ist. Das Gebrüll aus den dicken Endrohren verlor sich nicht im Irgendwo der freien Wildbahn, sondern sprang zwischen den nackten Kacheln hin und her, schwoll zu einer gewaltigen Kulisse an.

30 Mehr-PS für satte 12.748 Euro

Spätestens bei 7000/min (und offenem Fenster), wenn der Boxer hemmungslos seine Renn-Seele hinausschreit, lief allen Zuhörern eine Gänsehaut über den Rücken. Auch die Kollegen am Tunnel-Ausgang kamen nicht zu kurz: Ihnen jagte eine Dezibel-Säule entgegen, als hätte sich ein Kampfjet in den Tunnel verirrt. Ein Ohrenschmaus für alle, die ein paar Tropfen Benzin im Blut haben.

Natürlich hat der Porsche Turbo nicht nur Hard-Rock-Talente. Für den Testwagen mit Werkstuning gilt das ganz besonders: Dem Basis-Turbo müssen ja 420 PS genügen. Sicher nicht wenig, aber für einen Supersportwagen mit Führungsanspruch heutzutage relativ bescheiden. Schließlich kommt ein praktischer Familienkombi à la Audi RS6 mittlerweile auf 450 PS. Eine schwere Komfortkutsche wie der neue Mercedes S 600 protzt sogar mit 500 PS. Ganz zu schweigen von den Turbo der Porsche-Tuner wie TechArt, Edo, 9ff oder Manthey, die Versionen mit deutlich über 500 PS auf die Straßen loslassen.

Das Werk muss also zeigen, wo der Hammer hängt. Vor diesem Hintergrund wirkt das Eigentuning zunächst ziemlich zaghaft: Für den Preis eines VW Polo bieten die Zuffenhausener eine Leistungssteigerung um 30 auf 450 PS an. Das Paket (12.748 Euro) besteht aus Modifikationen an Turboladern, Ladeluftkühler, Steuergerät und Getriebe.

In 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Kann das genügen, um dem Porsche Turbo seine Stellung als Supersportwagen zu sichern? So, wie der bullige Motor seine Leistung in Szene setzt, scheint klar: An diesem Auto kommen Sportwagen(freunde) kaum vorbei. Zwar sprechen die Turbos beim Tritt auf das Gaspedal nicht ganz so schnell an wie zum Beispiel der Kompressor eines SL 55 AMG. Doch viel mehr als 2000 Umdrehungen braucht es nicht, um einen infernalischen Kraftausbruch zu entfesseln.

Die vier Räder des Allradlers beißen in den Asphalt und katapultieren den Porsche fast ohne Schlupf nach vorn. Nach nur 4,1 Sekunden bläst er die 100-km/h-Marke beiseite – beeindruckend genug. Doch wirklich sprachlos macht er, weil die Kraft auch bei sehr viel höheren Geschwindigkeiten kaum nachlässt. Unaufhaltsam stürmt er der 200-km/h-Marke entgegen, fegt an ihr vorbei wie ein ICE an einem Kleinstadtbahnhof.

Bei den meisten Autos wird jetzt die Luft dick, sie legen im Kampf mit den Fahrwiderständen nur noch behutsam zu. Nicht so der Porsche Turbo: Noch weit über 200 drückt der außerhalb des Tunnels nur verhalten knurrende Sechszylinder die Passagiere beim Tritt auf das Gaspedal in die Sitze. Die 250 km/h fliegen im Handumdrehen vorbei. Dass er die 300-km/h-Grenze knackt, erscheint da nur noch als Formalität: Höchstgeschwindigkeit 307 km/h. Respektabel. Also kaum (kauf)entscheidend langsamer als die Tuning-Turbo von TechArt, 9ff oder Edo (313 bis 317 km/h).

Bei Vollgas laufen bis zu 30 Liter durch

Wie diese erreicht der Werks-Turbo im Handumdrehen extreme Tempi, genügen ihm ein kurzes Stück freier Autobahn und fünf rasant ausgedrehte der insgesamt sechs zur Verfügung stehenden Gänge, um in Windeseile 280 auf der Uhr zu haben. Dies legt den Schluss nahe, dass die offiziellen 450 PS eine sehr zurückhaltende Angabe sind.

Zumal die außer Haus getunten Turbo das Werks-Auto bis 200 km/h nicht wirklich distanzieren können: Um dieses Tempo zu erreichen, braucht er gerade mal 13,1 Sekunden. Die PS-strotzende Konkurrenz schafft das kaum eine Sekunde schneller. Ausnahme: der Manthey, dem für den 200-km/h-Sprint sagenhafte 9,3 Sekunden genügen und der fast 350 km/h läuft.

Trotz der enormen Fahrleistungen kann man mit dem Porsche keine rekordverdächtigen Reiseschnitte erzielen; dafür muss der Renner zu oft an die Boxen. Ein Verbrauch von knapp 20 Litern auf 100 Kilometer sollte immer einkalkuliert werden – vorausgesetzt, man schleicht nicht gezielt herum. Bei vollem Rohr sind nach 100 Kilometern schon mal bis zu 30 Liter durchgelaufen. Bei einem Tankinhalt von mickerigen 64 Litern geht dann schon nach knapp 200 Kilometern die Warnlampe der Spritreserve an – der 450-PS-Turbo hat eine Reichweite wie ein Motorrad.

Lupfen führt zu heftigem Übersteuern

Im normalen Einsatz bietet das Fahrwerk mit PSM (Porsche Stability Management, so heißt hier das ESP) reichlich Reserven. Der Geradeauslauf bleibt bis in höchste Geschwindigkeitsregionen hinein tadellos, die Bremse ist schlicht sensationell. Die Insassen müssen allerdings deutliche Einbußen beim Federungskomfort in Kauf nehmen. Aber das dürfte Liebhaber kaum schrecken.

Jedoch: Bei den Testfahrten auf der Rennstrecke von Oschersleben erwies sich der Turbo mit abgeschaltetem PSM als diffizil. Bei Annäherung an den Grenzbereich gibt der Porsche zuerst den harmlosen Untersteuerer – sofern der Fahrer auf dem Gaspedal bleibt. Jedes Lupfen führt zu heftigem Übersteuern, das nur durch blitzartiges Gegenlenken und beherztes Gasgeben abgefangen werden kann.

Dieser Grenzbereich liegt allerdings so hoch, dass er auf öffentlichen Straßen kaum zu erreichen ist. Trotzdem: Der Turbo-Lenker braucht ein kundiges Händchen und Respekt vor dem Auto ist dringend erforderlich, was bei 450 PS eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Technische Daten im Überblick

Es empfiehlt sich dringend, das serienmäßige PSM auf öffentlichen Straßen nicht abzuschalten, auch wenn der Porsche damit drastisch eingebremst wird: So kommt in mancher Stelle von Oschersleben ein getunter Mini Cooper S dem Turbo in Sachen Kurventempo erstaunlich nahe. Anders sieht es aus, wenn ohne PSM ein ausgewiesener Könner am Lenkrad dreht. Doch davon gibt es auch unter den Porsche-Freaks nicht allzu viele. Aber ob mit oder ohne PSM: Der Sound, der bleibt prima.

Fazit, Testwerte und Preise

Fazit Der Porsche-Fahrer als solcher kann nicht genug Power haben. Wer sich nicht die kompromisslose, nur hinterradgetriebene 462-PS-Granate GT 2 antun will, ist mit dem Leistungskit im Turbo gut beraten. Das Auto wird schneller, bissiger, lauter – bleibt aber alltagstauglich und ist bei Bedarf sogar mit Automatik lieferbar. Dass er im Grenzbereich nicht gerade einfach zu beherrschen ist, gilt unter überzeugten Porsche-Freaks nicht als Manko.

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