Porsche 911 Turbo S/Audi R8 V10 Spyder: Test

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Porsche 911 Turbo S/Audi R8 V10 Spyder: Test

— 13.07.2010

Traum-Cabrios am Limit

Sie zählen zu den schnellsten Sportwagen der Welt und sind offen wie geschlossen über 300 km/h schnell. Der Audi R8 V10 Spyder und das Porsche 911 Turbo S Cabrio sind die Traum-Cabrios dieses Sommers.

Der selbst entfachte Sturm hat etwas Apokalyptisches. In den Ohren brüllt der Wind, die Zunge presst sich trocken an den Gaumen, und die Augen fixieren sich zum Tunnelblick. Alles, was nicht unmittelbar mit der Straße vor einem zu tun hat, wird ausgeblendet. Tempo 300 und mehr, ohne ein festes Dach über dem Kopf! Das ist genau so, wie es klingt. Sehr schnell, sehr laut und vor allem sehr stürmisch. Ein äußerst einprägsames Erlebnis für die Autofahrerseele mit bereinigenden Nebenwirkungen für Kopfhaut und Nebenhöhlen. Willkommen in der sprichwörtlichen Jetset-Welt des neuen Audi R8 V10 Spyder und des noch frischeren Porsche 911 Turbo S Cabrio. Beide beherrschen die Ü-300-Region offen wie geschlossen, beide entstammen dem weitverzweigten VW-Konzern, und beide leisten über 500 PS.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche Turbo S

Das Porsche Turbo S ist mit einer Spitze von 315 km/h noch einen Tick schneller als der Audi.

Genauer gesagt sind es 525 PS beim Audi und 530 PS beim Porsche, generiert aus einem 5,2 Liter großen V10 (Audi) und einem 3,8 Liter messenden Biturbo-Sechszylinder-Boxermotor (Porsche). Sportwagenpuristen und Verfechter der gelassenen Cabrionutzung rümpfen angesichts dieser Mixtur aus Supersportwagen und Cabrio die Nase, doch das kann einem als Fahrer des Audi R8 Spyder zunächst egal sein. Vielmehr sollte man sich um sein Aussehen kümmern. Ein schief stehender Polokragen, der ausgeleierte Wohlfühl-Pullover in Neonoptik oder die Mütze mit dem Logo der Lieblingsbrauerei – all das mag ihrem Partner egal sein. Die zahlreichen Passanten, deren Blicken man gnadenlos ausgesetzt ist, sobald man im Keil aus Ingolstadt sitzt, registrieren so was jedoch sofort als optische Macke. Der Audi R8 fällt schon in der geschlossenen Version auf wie der – Achtung, Phrasenschwein – bunte Hund im Schlossgarten, der Spyder setzt noch mal einen drauf.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi R8 Spyder

Anfangs knurrend verwandelt sich der Klang des V10 mit steigender Drehzahl in ein raues Brüllen.

Leichte bis mittlere exhibitionistische Neigungen kommen dem plötzlichen Interesse wildfremder Menschen an Auto und Insassen sicherlich entgegen und vertragen sich zudem recht gut mit dem aggressiven Klangbild des Zehnzylinders. Dessen Gene führen mehr oder weniger direkt zu Lamborghini nach Italien, entsprechend leidenschaftlich atmet der V10 aus. Im unteren Drehzahlbereich bedrohlich knurrend, verwandelt sich der Klang mit steigender Drehzahl in ein raues Brüllen der Tonart Gänsehaut. Immer wieder ertappt man sich bei der Suche nach einem Stück Tunnel, die linken Finger dabei stets an der Wippe zum Runterschalten. Ein Zug am Paddel des sequenziellen Sechsganggetriebes genügt, und der Zwischengasstoß stellt die Nackenhaare auf. Leider erweist sich das Getriebe selbst im schnellen Sportmodus als einen Tick zu behäbig, zudem schließt die automatisierte Kupplung beim Rangieren derart ruckhaft, dass man sich wie ein Fahrschüler in der ersten Fahrstunde vorkommt.

Der Porsche ist schneller

Das beeinträchtigt den Fahrspaß indes nur marginal. Trotz seiner, besonders in engen Gassen und beim Einparken, etwas störenden Breite fährt sich der R8 so, wie man es von einem Supersportler erwartet. Sauber und präzise zieht der Zweisitzer durch die Kurve; das aufgrund des Mittelmotors ausgewogene Gewichtsverhältnis und der hecklastige Allradantrieb erweisen sich im Zusammenspiel mit der direkten Lenkung und den standhaften Keramikbremsen (Aufpreis) als überaus spaßfördernd. Und die Zahlen stimmen selbstverständlich auch. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigte der R8 V10 Spyder bei unseren Messungen in 4,3 Sekunden, Tempo 200 lag nach 13,5 Sekunden an, und erst bei 313 km/h findet der Beschleunigungsdrang ein Ende. Das Porsche 911 Turbo S Cabrio ist mit einer Spitze von 315 km/h noch einen Tick schneller, doch am beeindruckendsten ist sicherlich der Blitzstart aus dem Stand auf Landstraßentempo.

Allradantrieb und Launch Control

Trotz auffälligem Heckspoiler ist man im Porsche dezenter unterwegs als im Audi.

Nur 3,1 Sekunden – und damit 0,3 Sekunden unter der Werksangabe – gönnte sich die geschärfte Turbovariante bei unseren Messungen. Dank Allradantrieb und Launch Control (die auch der Audi R8 Spyder besitzt) gelingt diese – für unbedarfte Mitfahrer atemberaubende – Kraftdemonstration auch Zeitgenossen, deren Berufsalltag sich weniger dynamisch darstellt. Überhaupt erfordert der Porsche weniger Kompromissbereitschaft als der Audi. Das Doppelkupplungsgetriebe des Zuffenhauseners (Serie beim Turbo S) wechselt die Gänge blitzschnell und ruckfrei, und auch die für Kinder, Jacken und Taschen nutzbaren Rücksitze bringen noch eine gewisse Alltagstauglichkeit mit. Allein der im Vergleich zur leidenschaftlichen Intonation des Audi zurückhaltend wirkende Sound des Turbo S enttäuscht zunächst. Zwar brummelt der Sechszylinder im Stand potent vor sich hin, die beiden Turbolader packen den typischen Boxersound jedoch dick in Watte.

Geraden schrumpfen zum Dragstrip

Sauber und präzise zieht der Zweisitzer-Audi durch die Kurve.

Aber der Ober-Turbo kann auch anders. Per Klappensystem im Auspuff atmet der Boxer direkter aus. Dieses wird über die Sport oder Sport-Plus-Taste aktiviert, was zudem Gasannahme und Schaltzeiten verschärft. Oder man tritt einfach das Gaspedal voll durch. Was dann von hinten an die Ohren dringt, lässt einen reflexartig im Rückspiegel nach einer Staffel Tornado-Jets suchen. Der Porsche Turbo S faucht unter Volllast derart böse und laut, dass Passanten bereits verschreckt aufschauen, wenn man noch Hunderte Meter entfernt ist. Doch wie der Audi fühlt sich auch der Porsche auf der Landstraße oder der Rennstrecke am wohlsten. Fahrwerk, Lenkung und Bremse bilden mit dem Heckmotor und seinen 530 PS und 700 maximalen Newtonmetern eine perfekte Einheit. Während man Kurven mit chirurgischer Präzision in Einlenk-, Scheitel- und Auslenkpunkt seziert, schrumpfen die Geraden dazwischen zum Dragstrip.

Test auf der Nordschleife

Der Porsche siegt dank höherer Geschwindigkeit und besserem Alltagsnutzen.

Auf der Nordschleife waren wir mit den beiden offenen Superhelden übrigens auch. Während der Audi durch seine Mittelmotorbauweise besonders beim Anbremsen und in unruhigen Hochgeschwindigkeitsabschnitten wie der Fuchsröhre ruhiger lag als der Porsche, punktete dieser in schnellen Wechselkurven und beim Herausbeschleunigen aus langsameren Ecken. Das Plus von 170 maximalen Newtonmetern, die dazu auch noch 4400 Umdrehungen früher anliegen als im Audi, machten das 911 Turbo S Cabrio den entscheidenden Tick schneller, obwohl unser Testwagen bei der zweiten Zeitnahme Probleme mit den Reifen bekam. Am Ende absolvierte der Porsche die 20,8 Kilometer lange Eifel-Achterbahn in 7:48,16 Minuten, der Audi war mit 7:50,50 Minuten nur etwas langsamer.
Technische Daten Audi R8 Spyder Porsche Turbo S
Motor V10 B6, BIturbo
Einbaulage Mitte hinten längs hinten längs
Hubraum 5204 cm3 3800 cm3
kW (PS) bei 1/min 386 (525)/8000 390 (530)/625-6750
Literleistung 101 PS/l 140 PS/l
Nm bei 1/min 530/6500 700/2100-4250
Antriebsart Allrad Allrad
Getriebe 6-Gang sequenziell 7-Gang Doppelkupplung
Leistungsgewicht 3,4 kg/PS 3,2 kg/PS
Tankvolumen 80 l 67l
Beschleunigung
0-100 km/h 4,3 s 3,1 s
0-200 km/h 13,5 s 10,6 s
0-402,34 m 12,28 s 11,05 s
Testverbrauch
Ø auf 100 km 14,8 l Super Plus 14,1 l Super Plus
Leergewicht/Zuladung 1788/237 kg 1673/337 kg
Höchstgeschwindigkeit 313 km/h 315 km/h
Preis Serienfahrzeug 156.400 Euro 184.546 Euro

Autor: Lars Zühlke

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