Porsche 911 Turbo S (2016): Fahrbericht

Porsche 911 Turbo S FL (2016): Fahrbericht

— 19.01.2016

So fährt der neue 911 Turbo S

Porsche spritzt seinem Topmodell 911 Turbo S zum neuen Jahr ein paar kraftspendende Vitamine ein. Sind die 20 PS Extrapower spürbar? Fahrbericht!

Video: Porsche 911 Turbo (Detroit 2016)

Mehr Power für den 911 Turbo

Der Porsche 911 gilt gemeinhin als einer der besten Sportwagen weltweit. Und der Turbo und sein noch potenterer Bruder Turbo S setzen der Elfer-Baureihe seit vielen Jahren ihre funkelnde Krone auf. Seit Jahr und Tag gibt es beim 911 Turbo technische Leckerbissen und sportlichste Höchstleistungen, garniert mit hohem Alltagsnutzen und der Maßgabe, bei jeder neuen Generation immer noch ein bisschen besser zu werden. Genau das ist mit der jüngsten Modellpflege imposanter denn je gelungen.
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Auf der Rennstrecke können sich die 580 Pferdchen des Porsche ordentlich austoben.

Optisch sind die Veränderungen überschaubar. Die neuen Rückleuchten, der geänderte Heckdeckel, Türgriffe ohne Schale oder geänderte Lufteinlässe – das fällt alles nur einem Porsche-Afficinado ersten Ranges auf. Ob der jedoch die 20 PS Mehrleistung im Vergleich zum Vorgänger herausfährt, darf getrost bezweifelt werden. Unverändert gibt es den charismatischen Sechszylinder-Boxer mit 3,8 Litern Hubraum und variabler Turboladergeometrie. Im Heck des 4,51 Meter langen 911 Turbo S brüllen nach bester Sportwagenmanier nunmehr 580 Pferde. Ideal, um eine frisch renovierte Rennstrecke wie den Kyalami Grand Prix Circuit nördlich von Johannesburg unter die Pneus zu nehmen.

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Den Sprint von Tempo 0 auf 100 nimmt der Turbo nun 0,2 Sekunden schneller, macht 2,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 330 km/h. Bei allem gesteigerten Tatendrang und den gewaltigen 750 Nm Drehmoment, die der Top-Elfer zuerst an die Kurbelwelle und dann über das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe an beide Antriebsachsen bringt, hat sich der Normverbrauch auf 9,1 Liter Super reduziert. Theoretisch lassen sich die 540 beziehungsweise 580 PS starken Brüder Porsche 911 Turbo und 911 Turbo S somit mit weniger als zehn Litern auf 100 Kilometern bewegen. Das klingt beinahe so spektakulär, wie sich der schwäbische Allradler auf der Rennstrecke bewegen lässt.

Bei der Vernetzung holt Porsche auf

Das Cockpit wurde sachte überarbeitet, neu ist der Wählschalter für die Fahrmodi am Lenkrad.

Der Fahrer wird mit dem Hereingleiten in die exzellenten Sportsitze in Sekundenbruchteilen zum Pilot. Alles wie man es kennt. Auf den zweiten Blick fallen der etwas lieblose Drehschalter im Lenkrad und das neue Multimediasystem auf, das mit Echtzeitverkehrsdaten endlich zur Premiumkonkurrenz aufschließen soll. Auch wenn das nicht vollends gelingt und die Porsche-Entwickler in Sachen Vernetzung zunächst nur auf Apple CarPlay setzen, ist es ein Schritt in die rechte Richtung. Nur wenige werden über den Schalthebel am Mitteltunnel in die Gangwahl des Doppelkupplungsgetriebes eingreifen. Zukünftig werden die höheren Gänge durch ein Ziehen erklommen; heruntergeschaltet wird nach Tourenwagenart nach vorn. Je nach eingestelltem Fahrmodus werden die meisten Piloten dem Getriebe die Arbeit überlassen oder über die Pedale am griffigen Lenkrad schalten. Wer interessiert sich da für die Mittelkonsole?

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Wenn sich die hoffentlich angewärmten 20-Zöller mit dem Asphalt verzahnen, gibt es sowieso kein Halten mehr. Dann wird der Porsche 911 Turbo S zu einer gefährlichen Waffe, die gerade noch zahm im Holster geschlafen und auf Autobahn oder in der überfüllten City seelenruhig Kilometer abgerissen hatte. Auf der Rennstrecke sieht das ganz anders aus. Der Schub, mit dem der Turbo S bereits aus der Boxengasse brüllt, ist schlicht beeindruckend. Auf der gerade erst fertiggestellten Rennstrecke im südafrikanischen Kyalami geben einem die großen Kurvenradien alle Möglichkeiten, die Zügel locker zu halten.

Variabler Allradantrieb sorgt für Traktion

Beim Einsteigen gibt sich der Turbo auch an den Einstiegsleisten als solcher zu erkennen.

Der variable Allradantrieb macht sich bereits nach der neuen Start-Ziel-Geraden beim Herausbeschleunigen aus den beiden Linkskurven Crowthorne und Barbeque angenehm bemerkbar, während die Reifen angesichts der staubigen Piste Höchstleitungen vollbringen. Das Spoilerwerk leistet dagegen im ebenso weichen wie schnelle Rechtsbogen Sunset ganze Arbeit, ehe der Sechszylinder-Doppelturbo mit seinen 580 Pferden den 1,7 Tonnen schweren Boliden zur Leeukop-Kehre, dem höchsten Punkt des 4,5 Kilometer langen Kurses, hinaufprügelt, um hier durch die Keramikbremsen brutal zusammengestaucht zu werden.

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Vom üppigen Leergewicht ist selbst im Grenzbereich des schnellen Streckenabschnitts Mineshaft nur wenig zu spüren; derart brachial übertüncht der Schwabe vor der Rechtskurve "The Crocodiles" alle Tendenzen, zum kurvenäußeren Rand zu drücken. Gewichtigen Anteil am perfekten Paket aus Fahrwerk, Getriebe und Motor hat einmal mehr der Allradantrieb, der die gewaltige Leistung nun noch etwas feinfühliger auf die Straße zaubert. Hier stiegen die Entwickler aus Weissach von einem elektromechanischen auf ein elektrohydraulisches System um. Der Einstiegspreis für das 540 PS starke Porsche 911 Turbo Coupé ist mit 174.669 Euro gewaltig; der 580 PS starke Turbo S schlägt mit mindestens 202.872 Euro unanständig zu. Wer will, kann beide Modelle auch als Cabrio ordern – für rund 13.000 Euro Aufpreis.
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Autor: Stefan Grundhoff

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Sportwagen

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