Porsche 924 (1976-1988)

Porsche 924 (1976-1988)

— 08.08.2003

Ein echter Schlager

Seine Geburtsstunde schlug in den Siebzigern, Erfolge feierte er in den Achtzigern. Doch auch noch heute ist der Porsche 924 ein wahrer Hit.

Technik und Marktlage

Einmal einen eigenen Porsche besitzen wer trumte nicht schon als Kind davon? Mit den Jahren kommt der Fhrerschein, diverse Golf, Astra und mit dreiig vielleicht ein praktischer Kombi, in dessen Fond das eigene Kind bereits den rauen TDI bertnt. Selbst ein mager ausgestatteter Porsche Boxster kostet ber 42.000 Euro, zu viel fr ein Wochenendspielzeug. Aber es gibt ihn, den Traumerfller.

Gebrauchtwagensuche: Porsche 924



In Kleinanzeigen, im Internet und wenn auch selten beim Hndler. Den Porsche 924. Und wer jetzt sagt, der 924 ist kein richtiger Porsche, soll sich mal den aktuellen Turbo ansehen. Telefon, Klima und Leder unterstreichen den puristischen Sportwagengedanken der frhen Tage bestimmt nicht. Und der Preis, die erste Frage rund um jeden Porsche? Zweitausend Euro werden fr ein gesundes Auto mit TV aufgerufen, billigere Porsche taugen bestenfalls als Teiletrger.

Technisch ist der 924 jedenfalls noch immer kein Typ von gestern, wie die Tage mit unserem Testwagen zeigten. Der Transaxle-Antrieb (Motor vorn, Getriebe hinten) wirkt heute ungewohnt, aber nicht unsympathisch. Der Vierzylinder mit 125 PS faucht zuverlssig wie schon vor 21 Jahren. Klar, jeder Opel Zafira zieht an dem Porsche locker vorbei. Leistung unterliegt einer Inflation. In 20 Jahren fahren die Muttis vielleicht alle im 400-PS-Van zum Kindergarten. Aber das Flair eines alten Porsche werden sie nicht kennen und dessen Problemlosigkeit auch nicht.

Motor und Karosserie

Immerhin werkte der Zweiliter schon in Audi 100 und VW LT, bekam aber einen speziellen Zylinderkopf mit der Bosch-K-Jetronic. Letztere sorgte bei den ersten Baujahren fr schlechtes Warmstartverhalten, der Zylinderkopf macht sich mit eingelaufenen Nockenwellen laut durch Klappern bemerkbar. Den Nockenwellenaustausch kann aber jeder Schrauber ohne Spezialwerkzeug und Probleme machen.

Der Zahnriemen (vorgeschriebener Wechselintervall: 80.000 Kilometer) wird bei dieser Gelegenheit natrlich auch ausgewechselt. Komplizierter wird es, wenn der Auspuffkrmmer einen Riss hat. Dann wird der Porsche laut, und der Mechaniker flucht ber die versteckten, meist eingerosteten Stehbolzen. lverlust ist an der Wanne fast schon Pflicht, bei unserem Testwagen wurde die Dichtung erst vor wenigen Wochen getauscht.

Der Motor ist grundstzlich sehr solide, nur Khlwassermangel kann er nicht leiden. Das Leck ist hufig schwer zu finden. Tipp: Mit einer Spezialpumpe (wird am Ausgleichsbehlter befestigt) den Kreislauf unter Druck setzten. Nicht selten rinnt das Wasser aus einem Haarriss des Ausgleichsbehlters aus. Im Innenraum zeigen fast alle 924 das gleiche Alters-Bild: zerschlissene Sitze und Risse im Cockpit-Kunststoff. Ersatz kann mehrere tausend Euro kosten.

Was Rost anlangt, war Porsche schon in den Siebzigern sehr selbstbewusst. Sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung der Bodengruppe war eine starke Ansage. Die verzinkten Bleche kamen gut ber die Jahre, nur gegen Kantenrost ist selbst der 924 nicht immun. Gute Autos sind mittlerweile selten geworden, doch wer einen schnen 924 erwischt, sollte nicht lange zgern. Ein unverbastelter Porsche 924 bringt Fahrspa in den Alltag und nervt berraschend selten. Ein Typ von gestern ist er jedenfalls noch lange nicht.

Historie, Schwchen, Kosten

Modellgeschichte 1976 Modelleinfhrung des Porsche 924. Der Zweiliter-Vierzylinder leistet 92 kW/125 PS. Preis: 23.240 Mark 1977 Gegen Aufpreis Dreigangautomatik und Klimaanlage 1978 Auf Wunsch Fnfganggetriebe (ZF) und 14-Zoll-Alurder 1979 Start des 924 Turbo mit Zweifarbenlackierung (170 PS) 1980 Leichtes Innenraum-Facelift, auf Wunsch Alarmanlage 1983 Heckspoiler, synchronisierter Rckwrtsgang serienmig 1985 924 S lst den 924 ab. 150 PS aus 2,5 Litern, 944-Bremsen 1988 Produktionsstopp am 1. August

Schwachstellen sprde Bremsschluche lverlust an Motor und Getriebe Bremsscheiben und -belge verschlissen Scheinwerfer-Reflektoren korrodiert Armaturenbrett rissig durch UV-Strahlung Risse am Auspuff-Krmmer hakelige Getriebe Khlwasserverlust durch Riss im Ausgleichsbehlter Schaden an der Zylinderkopfdichtung nach berhitzung Einspritzventile verkokt und undicht ausgeschlagene Spurstangen das Nadellager am Transaxle-Antrieb rattert nach groer Laufleistung (ca. 200.000 Kilometer) die Elektrik leistet sich nach Massefehlern gelegentlich Funktionsschwchen eingelaufene Nockenwellen bewirken Ventileklappern Rostschden sind meist nur am Radlauf zu sehen.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Porsche 924, 92 kW/125 PS, Baujahr 1983. Auch nach zwanzig Jahren haben Porsche- Ersatzteile ihren Preis. Allerdings stimmt auch die Qualitt und das Angebot an Originalteilen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Verzinkte Karosserie, robuste Mechanik, akzeptable Preise fr einen gut gepflegten Porsche 924 sprechen viele Argumente. Mein Tipp: Finger weg vom exotischen Turbo und den Fahrzeugen der ersten Jahre. Begehrt sind 924 ab Baujahr 83 mit guter Ausstattung sowie der 924 S mit 160 PS. Bei Autos ohne Katalysator macht sich eine Nachrstung rasch bezahlt, auch wenn wahre Fans bei diesem Thema nur die Nase rmpfen." Nikolaus Eickmann, Redakteur autobild.de und Kfz-Mechaniker

Modellempfehlung Porsche 924 (92 kW/125 PS)

Steuer: 507 Euro im Jahr Testverbrauch: Werksangabe 11,5 Liter, gemessen 13 Liter (S) Versicherung: Vollkasko (21/504 Euro SB): 1222 Euro. Teilkasko (27/151 Euro SB): 191 Euro. Haftpflicht (16): 894 Euro Basis: ONTOS-Jahrestarife fr Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 200 Euro Wertverlust: Groartige Wertsteigerungen sind nicht zu erwarten, doch ein gut gepflegter 924 wird im Preis kaum mehr sinken

Autor: Nikolaus Eickmann

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