Porsche 928 Cabrio: Verbotene Prototypen, Teil 1

Porsche 928 Cabrio: Studie ohne Zukunft Porsche 928 Cabrio: Studie ohne Zukunft Porsche 928 Cabrio: Studie ohne Zukunft

Porsche 928 Cabrio: Glücklose Prototypen, Teil 1 von 4

— 17.10.2014

Offener Porsche 928 ohne Zukunft

Ein Prototyp, der nie in Serie ging, war der für ein Porsche 928 Cabrio. Kaum eine andere Porsche-Studie wirkt so seriennah und formvollendet. Doch es war ein glückloses Auto.

Ein großer Designentwurf, auch ohne das typische Rundheck. Die Form des 928 Cabrio wirkt serienreif.

Der Porsche 928 sorgt für Diskussionen, ein Leben lang. Dass er für Komfort und die Abkehr von Heckmotor und Luftkühlung steht, nehmen ihm die Traditionalisten übel. Weil er den 911 beerben soll, macht er sich Feinde, im Unternehmen wie im Kundenkreis. Auch bei Porsche diskutieren sie die Zukunft des 928. Jahr für Jahr, unter immer neuen Einflüssen von außen und wechselnden Vorstandsvorsitzenden. 3,9-Liter-Sparmotor mit Zylinderabschaltung oder High-End-Turboversion? Organspender eines großen Audi oder Einstieg in den Rennsport? Targa-Version oder gleich richtig offen? Aus alledem wird nichts, trotz einer Bauzeit von bald 20 Jahren.
Serie: Die vergessenen Porsche
Ohne die Porsche-Prototypen von gestern gäbe es die Autos von heute nicht. Der Sportwagenbauer hob zahllose Um- und Abwege der Entwicklungsgeschichte auf. Ihnen blieb die Serienfertigung verwehrt. Sie wurden allenfalls in Teilen Realität, schrieben aber Geschichte. Eine Serie der Porsche- Prototypen – Teil eins von vieren.
Eine der Überlegungen führt zum Prototyp des offenen 928. Die Idee dafür regt sich ernsthaft 1987. Zwar werden schon 1977 Überlegungen über eine Variante mit Targa-Bügel angestellt. das Cabrio ist aber erst zehn Jahre später ein Thema. Es fällt in eine Zeit hektischer Betriebsamkeit, als auf einmal sogar ein 928-Viertürer denkbar scheint. Porsche-Styling übernimmt das Design, ASC im nahen Weinsberg – die American Sunroof Corporation des deutschen Selfmademan Heinz Prechter – darf zwei Studien bauen.

Vergessene Prototypen von Porsche

Porsche-Prototypen der 60er bis 80er Porsche-Prototypen der 60er bis 80er Porsche-Prototypen der 60er bis 80er

Nahtloses Verdeck, clevere Integralsitzen und eine aalglatte Form

Peter W. Schutz, damals Porsche-Chef mit Faible für Cabrios, der den offenen 928 anschiebt, und Prechter kennen einander gut. Und beide Car-Guys kennen den lukrativen US-Markt, den natürlichen Lebensraum eines sportlichen V8-Modells mit ordentlich Luft nach oben. Als Basis der 928-Cabrio-Studie dient der neue S4, der erste 928 mit Fünfliter-Vierventil-V8. Nach zehn Monaten steht das 928 Cabrio fertig da, mit nahtlos passendem Verdeck, cleveren Integralsitzen und einer aalglatten Form, die so perfekt aussieht, als sei der 928 immer nur als Cabrio gedacht gewesen. 1991 könnte es für rund 150.000 Mark auf den Markt kommen, heißt es in der Presse, die Journalisten flechten ihm schon Lorbeerkränze. Doch leider bröckeln bei Porsche die Umsätze. Finanzvorstand Heinz Branitzki, der Schutz im Dezember 1987 als Vorstandsvorsitzender ablöst, tritt auf die Kostenbremse: 928 Cabrio und Viertürer erwischt es als Erste. 1991 werden ein letztes Mal die Kosten für ein 928 GTS Cabrio kalkuliert. Es bleibt dabei: Knapp daneben ist auch vorbei.

Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen

Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen. Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen.

Was wurde daraus?

Als das Cabrio-Einzelstück entsteht, ist der 928 S4 das Maß der Dinge. Der Fünfliter-Leichtmetall-Vierventil-V8 leistet drehfreudige 320 PS.

Leider gar nichts. Wer in den 80er- und 90er-Jahren Porsche, Frontmotor UND Cabrio wollte, der musste zum offenen 944 sowie zu dessen Nachfolger 968 greifen. Als die Vier- und Achtzylinder-Transaxle-Typen 1995 ersatzlos ausliefen, blieb Cabrio fahrenden Porsche-Kunden nur der 911 übrig. Ob das 928 Cabrio das Zeug zum Markterfolg gehabt hätte, bleibt Spekulation. Der ähnlich positionierte und ebenfalls mit V8-Motoren liefer-bare Mercedes SL vom Typ R 129 verkaufte sich in 13 Jahren über 200.000-mal. Ein großer offener Porsche blieb Wunschdenken, stattdessen kam 1996 der kleine Boxster.
Technische Daten
V8, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder, Benzineinspritzung • Hubraum 4957 cmÍ • Leistung 235 kW (320 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 430 Nm bei 3000/min • Hinterradantrieb • Fünfgang-Schaltgetriebe • Reifen 225/50 VR 16 (vorn), 245/45 VR 16 (hinten) • Radstand 2500 mm, L/B/H 4520/1836/1282 mm (Maße S4 Coupé) • Spitze 270 km/h • 0–100 km/h 5,9 s (Daten S4 Coupé)

Autor: Jan-Henrik Muche

Fotos: G. von Sternenfels

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