Porsche Boxster (1996-2004)

Porsche Boxster Porsche Boxster

Porsche Boxster (1996-2004)

— 11.04.2002

Enorm in Form

Ein Renner in allen Disziplinen: Auch im Alter macht der Einstiegs-Porsche nicht schlapp. Der Boxster gilt als solider Gebrauchtwagen mit zuverlässiger Technik und guten TÜV-Noten.

Alte Porsche-Werte aktivieren und dabei ein offenes Auto für Normalverdiener bauen - so die Rechnung der Stuttgarter Strategen in den Neunzigern. Sie ging nur teilweise auf: Kaum jemand denkt beim kleinsten Porsche an die legendären Mittelmotor-Vorgänger Prototyp 356/1 oder Spyder 550, und auch Normalverdiener werden selten am Steuer eines neuen Boxster gesichtet. Die greifen eher zum billigeren Gebrauchtwagen. Wobei billig nicht preiswert heißt. Schnäppchen findet man im Porsche-Zentrum selten. Gerne verlangen Verkäufer einen Aufschlag auf den Listenpreis, der für ein gepflegtes Stück ebenso gerne bezahlt wird. Im Gegensatz zum 911 wird der Boxster meist als Erstfahrzeug genutzt und sieht entsprechend aus: hoher Kilometerstand, abgewohnter Innenraum, dazu laufleistungsbedingter Verschleiß.

Motor und Antrieb

Seit 1996 beginnt die Porsche-Preisliste mit dem Boxster - ein Einsteigermodell auf hohem Niveau.

Der Sechszylinder-Boxermotor ist aus Aluminium und will sorgfältig warmgefahren werden. Regelmäßige Wartung geht ins Geld, denn der Mittelmotor ist nur vom Unterboden aus zugängig und wenig wartungsfreundlich. Ein potenzieller Werkstatt-Kandidat ist der Luftmengenmesser: Streikt er, zwingt er die Motorsteuerung in das Notprogramm und nervt mit unrundem Leerlauf, Ausfall der Traktionskontrolle und wiederholtem Leistungsabfall. An diesem Leiden kranken vor allem die Boxster S (252 PS). Sportliche Fahrweise bringt ein Lächeln in die Gesichter von Fahrer und Reifenhändler. Letzterer strahlt, weil zwei Hinterachsen-Reifen für den Boxster S in der Dimension 265/35 ZR 18 inklusive Wuchten und Montage mit etwa 600 Euro sein Konto auffüllen. Der 2.5 rollt serienmäßig auf 16 Zoll, gegen Aufpreis auch 17 Zoll. Diese beiden Dimensionen sind auf holprigen Straßen wesentlich komfortabler und größeren Rädern vorzuziehen.

Karosserie und Technik

Alle Boxster haben eine Mischbereifung, die Reifen an der Vorderachse sind schmaler als die beiden Heck-Gummis. Selbst Kurven-Künstler nutzen die Vorderreifen nicht so schnell ab wie die angetriebenen Hinterreifen, trotzdem sollten stets alle vier ersetzt werden. Zeigt der Gebrauchtwagen auch nur an einer Achse wenig Profil, darf man den Verkäufer vor die Wahl stellen: Preis nachlassen oder selber für einen kompletten Reifensatz sorgen. Eine vergleichbare Regelung empfiehlt sich auch, wenn die Kupplung rutscht (Reparaturkosten ca. 900 Euro) oder die Bremsklötze abgefahren sind (Klötze vorn ab 162 Euro). Abrieb kann die Bohrungen der gelochten Bremsscheiben verkleben, für etwa 80 Euro bohrt die Porsche-Werkstatt die Löcher an allen vier Scheiben wieder frei.

Beinarbeit: Die Achsen garantieren nicht nur sportliches Fahren, sie geben sich auch noch nach Jahren solide.

Penible Pflege verlangt das Verdeck: Die Kunststoff-Heckscheibe reagiert empfindlich auf Eis und Schnee. Wer ganzjährig viel unterwegs sein muss, ist mit dem Hardtop (ca. 2000 Euro im Zubehörshop) gut bedient. Porsche hatte hier Probleme mit der Lackierung, oft entspricht der Farbton nicht jenem der Karosserie. Wer den Preis drücken will, stellt den Wagen mit montiertem Winterdach in die Sonne und prüft den Lack. Lästiges Knacken während der Fahrt ist keine Verschleißerscheinung, vielmehr ist dies vor allem bei Minusgraden eine typische Boxster-Macke.

Rollt der Porsche nach drei Jahren erstmals auf die TÜV-Hebebühne, leistet er sich keine Starallüren. Die Statistik zeigt keine einzige rote Zahl, der Roadster ist in allen Punkten besser als der Durchschnitt aller vom TÜV bei der ersten HU geprüften Fahrzeuge. Unsere Zahlen beruhen auf 1426 Prüfungen und sprechen eine deutliche Sprache: Ein gut gepflegter Boxster macht über viele Kilometer Spaß und gilt dabei als solide Wertanlage. Wer sich 1996 für einen 2.5 entschieden hat, bekommt am Gebrauchtwagenmarkt heute 55 Prozent vom Neupreis. Schlecht für Schnäppchenjäger. Doch dafür haben sie nach dem Kauf die Gewissheit, einen wertstabilen Sportwagen mit interessanter Zukunft zu besitzen. Schließlich reifte noch jeder Porsche zum Klassiker.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/96 Start für den Porsche Boxster 2.5 mit 204 PS. Neupreis: 39.114 Euro, Klimaanlage, Hardtop und Traktionskontrolle gegen Aufpreis erhältlich 11/97 Gegen Aufpreis sind Seitenairbags erhältlich 9/98 Das Tankvolumen wird von 57 auf 64 Liter vergrößert 9/99 Stopp für den 2.5, er wird vom 220 PS starken 2.7 ersetzt. Seitenairbags aufpreisfrei an Bord, Innenraum-Aufwertung mit Alcantara und Softlack. Einführung des S-Modells 3.2 mit 252 PS 8/00 Neu: Verdeck, Instrumente, PSM gegen Aufpreis 8/02 Facelift (Kühleinlässe, Heckscheibe aus Glas, Handschuhfach) und Steigerung auf 228 (2.7) und 260 (3.2) PS 10/04 Vorstellung der zweiten Boxster-Generation auf dem Pariser Salon; 2.7 neu mit 240 PS, 3.2 mit 280 PS

Schwachstellen • die Heckscheibe aus Kunststoff reagiert sehr empfindlich auf Eis und Schnee, wer seinen Boxster in der kalten Jahreszeit bewegen möchte, ist mit einem Hardtop gut beraten • sportliche Fahrweise kostet Geld: Bei einigen Leserfahrzeugen waren die Reifen an der Hinterachse bereits nach 15.000 Kilometern austauschreif, ebenso verschleißen Kupplung und Bremsanlage bei ambitionierter Fahrweise • das Leder der Innenausstattung wirkt bei Fahrzeugen mit hoher Laufleistung oft stark abgenutzt • Defekte Luftmengenmesser bewirken einen unrunden Motorlauf, Leistungsabfall und Ausfall der Traktionskontrolle • ist das Hardtop über mehrere Monate montiert, leidet der Verdeck-Stoff - besser gelegentlich abnehmen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Porsche Boxster 2.5, 150 kW/204 PS, Baujahr 1998. Ein Besuch in der Porsche-Markenwerkstatt war noch nie ein Niedrigpreis-Erlebnis, dies sollte auch zukünftigen Boxster-Besitzern stets klar sein.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "1426 Hauptuntersuchungen zeichnen ein klares Bild: Bei der ersten Prüfung nach drei Jahren zeigt sich der Porsche Boxster sehr unauffällig, er ist in keinem Punkt schlechter als der Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge. Bestnoten vergeben wir für Korrosionsvorsorge, Lenkungsspiel, Vorderachse, Antriebswellen, Wirkung der hinteren Fußbremse, Bremsleitungen und Bremsschläuche. An 86,2 Prozent aller Boxster stellten wir keine Mängel fest." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/ Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Porsche Boxter 2.5 (150 kW/204 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 153 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 9,9 Liter, gemessen 12,0 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (32/1000 Euro SB): 2404 Euro. Teilkasko (35/300 Euro SB): 396 Euro. Haftpflicht (13): 743 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 20.000 Kilometer, etwa 300 bis 400 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 30 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2500 Euro Verlust

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