Porsche Boxster S

Fahrbericht Porsche Boxster S Fahrbericht Porsche Boxster S

Porsche Boxster S

— 13.06.2002

Schneller als der erste Turbo

Wer hätte das gedacht? Der Boxster holt den 911 Turbo ein. 260 PS markierten 1975 die Spitze bei Porsche.

Früher tobte der Turbo ...

"Projekt 930", volkstümlich Porsche Turbo. Um ihn ranken sich Gerüchte und Legenden. Ein Macho-Auto soll er gewesen sein, den nur kundige Hände zügeln konnten, gemacht für Männer, die sich sonntags morgens lieber den frisch gestärkten Rennoverall überstreifen, als der Freundin das Frühstück ans Bett zu tragen. Und wehe, der gefürchtete Lader baute seinen Druck auf. Dann glich die Fahrt einem Ritt auf der Kanonenkugel, der bis Tempo 250 km/h ging. Wortschöpfungen wie "Turbo-Loch", "Turbo-Kick" oder auch "Turbo-Flügel" hielten Einzug an den Stammtischen.

In der Tat, es war beeindruckend, was von Porsche Ende 1974 auf die Straße gelassen wurde. 260 PS aus drei Liter Hubraum, aus heutiger Sicht gerade mal gut motorisiert, galten damals als Brachialgewalt. Zu jener Zeit musste selbst ein "normaler" 911 mit 150 PS im Heck auskommen, und vom Rest der Autowelt wollen wir erst gar nicht reden: Ford Taunus 55 PS, Opel Rekord 60 PS ... Für den Turbo musste Porsche sogar ein neues Getriebe konstruieren, um die Kraft zerstörungsfrei an die Hinterräder zu bekommen.

Und heute? Heißt es bei Porsche wieder 260 PS. Diesmal stecken sie im neuen Boxster und entlocken den meisten Autofahrern höchstens noch ein "Na und?". Ja, wir sind verdorben, haben uns an exorbitante Leistungen so gewöhnt wie ans Internet, an Computer und Handys. Das Paradoxe: Der Verkehr wird immer dichter, die linke Spur immer voller, und wir sind dabei, Sportwagen, Limousinen und selbst Geländewagen Richtung 500 PS zu treiben. So gesehen, wirkt der Boxster S fast "schwächlich". Im Gegensatz zum alten Turbo liefert er seine Leistung jedoch wohltuend gleichmäßig ab und satt von unten heraus, gepaart mit einem wunderschön kernigen "Porsche-Klang". Gratulation an die Sound-Spezialisten.

... heute ballert der Boxster

Den Sprint von null auf 100 km/h schafft der Boxster nun in 5,7 Sekunden (vorher 5,9). Die Ganganschlüsse passen perfekt, die Schaltung ist knackig und leichtgängig. So soll es sein. Fahrwerk und Bremsen gehören eh zum Besten, was man unter einen Sportwagen schrauben kann. Von den Zicken einstiger 911er, wie auch des alten Turbo, ist der Boxster Lichtjahre entfernt. Er lässt sich narrensicher ums Eck scheuchen. Besonders länger gezogene Kurven zeigen das Potenzial: Der Boxster S zieht sauber durch, Lastwechsel bringen ihn nicht aus der Ruhe. Auf der Autobahn genießt der Boxster das gleiche Überholprestige wie seine Carrera- Brüder. Erst bei 264 km/h ist Schluss, stehen Motorleistung und Fahrwiderstände im Einklang.

Leider ist es, trotz der recht festen Verdeckstruktur, ab 200 km/h bereits sehr laut. Die Konversation mit der Beifahrerin sollte auf Handzeichen reduziert werden, ganz so wie in alten Sportwagenzeiten. Und etwas Purismus steht dem Boxster sowieso nicht schlecht. Äußerlich weisen nur ein paar umgestaltete Kühllufteinlässe am Bug, der überarbeitete Spoiler am Heck und das etwas steiler abfallende Verdeck auf das Facelift hin. Im Cockpit gibt es jetzt ein Handschuhfach und einen Cupholder. Verarbeitung und Materialanmutung machen einen hochwertigen Eindruck.

Einen dicken Rüffel müssen sich jedoch die Erbsenzähler bei Porsche gefallen lassen. Beim Facelift wäre es an der Zeit gewesen, sich auch um die Klimakonsole zu kümmern. So schlecht, wie sie noch immer auf dem Mitteltunnel sitzt, entspricht das mehr der Qualität eines Bastlerbetriebs als eines berühmten Sportwagenbauers. Für 49.764 Euro darf der Kunde etwas mehr Liebe zum Detail verlangen. Auch in diesem Punkt sind wir verwöhnter, pingeliger geworden. Keiner hätte 1974 im Turbo diesen Schönheitsfehler erwähnt, auch beim Preis von 66.450 Mark nicht, die der Super-Porsche damals kostete. Die Freude, im ultimativem deutschen Luxus-Sportwagen zu sitzen, hätte einem eh die Sinne vernebelt.

Technische Daten

Sechszylinder-Boxer • vier Ventile je Zylinder • je zwei oben liegende Nockenwellen • Hubraum 3179 cm3 • Leistung 191 kW (260 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 310 Nm bei 4600/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung vorn und hinten • vier gelochte Scheibenbremsen • Reifen vorn 205/50 ZR 17, hinten 255/40 ZR 17 • Kofferraum 260 Liter • Tankinhalt 64 Liter • Länge/Breite/Höhe 4320/1780/1290 mm • Leergewicht 1320 kg • Spitze 264 km/h, 0–100 km/h in 5,7 s (Werksangaben) Preis 49.764 Euro

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