Porsche Boxster S/Audi R8 V10 Spyder/Mazda MX-5: Test

— 20.03.2013

Fahrspaß aus der Drehzahl

Einigermaßen verschieden und im Kern doch gleich: Audi R8 V10 Spyder, Mazda MX-5 und Porsche Boxster S versprechen viel offenen Fahrspaß.



Bei 4000 Touren klingen sie am schönsten: Der Porsche röhrt, der Audi singt, der Mazda knurrt. Die Motoren – Reihenvierer, Sixpack-Boxer und V10 – haben dann noch Luft für mindestens 3000 Umdrehungen. Sie hängen an der Drehzahlnadel, denn sie sind Sauger. Ansaugen, verdichten, zünden, auspuffen nach Nikolaus August Otto. Die reine Lehre. Kein Turbo dämpft Geräusch, Ansprechen, Drehfreude. Dopingfreie Drehmomentmaxima bei Drehzahlen, die Dieselmotoren den Garaus machen würden. Bei den Nenndrehzahlen dieser Sportler bekämen die meisten Alltagsbenziner einen roten Kopf. 5000, 6000, 7000 – immer weiter, immer höher. Die schönsten Früchte hängen ganz oben im Baum.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche Boxster

Runter mit der Kapuze, Gas geben und weg: Der Boxster empfiehlt sich als Reise- und Sportwagen.

Darum dreht es sich hier: Fahrspaß aus der Drehzahl statt Kraft aus dem Keller. Ausdrehen statt Antreten. Dazu braucht es nicht mehr als ein schlankes Verdeck mit Stoffbezug. Alle drei tragen ihren Motor zwischen den Achsen, Boxster und R8 als reinrassigen Mittelmotor, beim MX-5 sitzt er knapp hinter der Vorderachse. Wassergekühlt sind alle drei Motoren, luftgekühlt nur der Kopf des Fahrers. Und in allen dreien treiben sie die Hinterräder an, der R8 quattro schickt 70 bis 85 Prozent seiner Kraft an die Hinterachse. Boxster, MX-5 und R8 – wird je ein Autokäufer zwischen diesen dreien schwanken? Eher nicht. Allein für die Kaufpreisdifferenz zwischen MX-5 und R8 – 147.530 Euro – gäbe es ein Haus im Grünen oder ein Porsche 911 Cabrio mit Allradantrieb und ein paar netten Extras – so viel Kaufberatung soll sein. Egal ob es draußen deutlich zu frisch ist zum Cabriofahren: runter mit der Kapuze, Gas geben und weg. Zweckoptimistische Handlung? Mag sein. Völliger Unsinn? Nein. Denn manches wird erst mit einem kontrollierten Hauch Wahnsinn richtig toll. Und wenn es der eiskalte Hauch des Februars ist? Na und, frische Luft hilft gegen dunkelheitsbedingte Schwermut. Außerdem gibt es zu dieser Jahreszeit keine Motorradfahrer, keine Pollen, keine Insekten. Freie Straßen, freie Sicht, freier Kopf. So gesehen, ist die Idee doch ganz vernünftig.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi R8

Ein Auto für Genießer: Der Audi R8 ist nicht übertrieben hart gefedert, der Motor läuft kultiviert-leise.

Runter mit dem Stoff. Das geschieht mit ganz unterschiedlicher Dramaturgie. Elektrohydraulisch und sehr schnell faltet der Boxster sein Dach nach hinten. Fast gleichzeitig hat der MX-5-Fahrer das manuelle Verdeck mit dem zentralen Griff entriegelt und mit etwas Kraft nach hinten geworfen. Klack, offen. Elektromotoren sind überflüssig, der Reiz des MX-5 besteht im Weglassen. Schön, dass es das noch gibt. Elektrisch-hydraulisch-dramatisch entblättert sich der R8. Das Verdeck hebt sich vorn und hinten etwas an, der Deckel surrt nach hinten oben, balanciert über der Motorraumabdeckung. Jetzt erst falten Elektromotoren das feine Dach in seine Schatulle wie ein echter Gentleman sein Einstecktuch ins Sakko. Mit bombastischer Verarbeitung und feinen Details wie dem gefrästen Wählhebel begeistert der R8 Fingerkuppen und Augen. Dass er nicht übertrieben hart gefedert ist und der Motor kultiviert-leise läuft, macht ihn zum Auto für Genießer. Doch er kann anders. Über 4000 Touren brüllt der Zehnzylinder "Ich bin ein Italiener". Denn das gleiche Herz steckt auch im Lamborghini Gallardo. In der oberen Drehzahlhälfte entspricht auch das Temperament dem Auftritt, selbst stark motorisierte Verkehrsteilnehmer wie ein BMW M3 verschwinden schnell im Rückspiegel.

Ein Artikel aus AUTO TEST

Stabiler Geradeauslauf und eine tolle Handlichkeit sowie die lineare Kraftentfaltung des V10 machen schnelles Fahren einfach. Der Singleframe-Grill wirkt beim R8 glaubwürdig wie bei keinem Audi, weil er aus der Historie begründet ist und nicht übertrieben groß ausfällt. Historisch ebenfalls die Position der vier Ringe auf der Haube, das war schon bei den Auto-Union-Rennwagen so. Seit der Modellpfl ege sind die oberen Ecken des Grills angeschrägt. Ein grandioses Auto zum Ins-Wohnzimmer-Stellen, Lange-Strecken- Fahren, Über-die-Hausstrecke-Bügeln, Ab-und-zu-den-Grenzbereich-auf-der- Rennstrecke-Erkunden und Auf-Umwegen-Brötchen-holen-Fahren.

Überblick: Alle News und Tests zum Mazda MX-5

Klein, eng, unmittelbar: Der Mazda MX-5 pflegt einen intensiven Kontakt zu Fahrbahn und Fahrer.

Der Mazda MX-5 ist der Typ, der in der Fußgängerzone steht und jongliert. Drahtig, durchtrainiert. Athletisch, aber kein Olympionike. Er schätzt die Freiheit, nimmt das Leben leicht, trägt keinen Ballast mit sich herum. Und sein Besitzer sollte es auch nicht. Denn der Kofferraum fasst nur 150 Liter. Eine Kiste Bier passt rein, ein paar Chipstüten noch dazu. Oder eine weiche Reisetasche mit dem Wochenendgepäck für zwei Personen. Weil der Innenraum und vor allem die famosen Recaros schmal sind, legen Fahrer und Beifahrer ihre Jacken am besten vor dem Einsteigen ab und auf die Reisetasche in den Kofferraum. Die Bilstein-Dämpfer pflegen einen intensiven Dialog mit der Straße, verschweigen wenig. Autobahnetappen sind dennoch nicht abwegig. Auch wenn das Tosen des Stoffverdecks an den Nerven zerrt und Geradeauslauf spätestens ab 200 km/h nur noch ein Wort ist, machen solche Etappen auch mit dem MX-5 Laune. Man entsteigt ihm nur etwas verspannter als den anderen beiden. Der Boxster ist nicht nur wegen seiner zwei Kofferräume das beste Reiseauto unter diesen dreien. Er ist auch wegen der besten Sitzposition, kultivierter Akustik und konzilianter Federung ein talentiertes Reisecabrio. Geht es runter von der Autobahn, stellen Sport- und Dämpferschalter den Boxster scharf. Im Angriffsmodus ist er richtig schnell, braucht die volle Aufmerksamkeit. Weitere Details zu den drei offenen Sportlern gibt es in der Bildergalerie.
Autor:

Andreas Of

Fazit

Das Schöne am MX-5? Mit ihm kann jeder Spaß haben, und er zeigt uns, wie schlank ein Auto sein kann. Selbst der Boxster wirkt dagegen sehr gediegen. Doch Vorsicht, das S steht für sauschnell. Beim R8 überrascht, dass er eigentlich ein Supersportler ist, aber fast so komfortabel fährt wie ein TT.

Stichworte:

Cabrio Sportwagen



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