Porsche Boxster S gegen Alpina Roadster S

Porsche Boxster S gegen Alpina Roadster S Porsche Boxster S gegen Alpina Roadster S

Porsche Boxster S gegen Alpina Roadster S

— 27.05.2005

... und plötzlich bin ich wieder jung!

Er ist der Senior unter den AUTO BILD-Testern: Diether Rodatz (62) gilt als besonders erfahren und besonnen. Diese beiden Spaßgeräte hier hätten ihn fast umgekrempelt.

Automobile Jungbrunnen mit 580 PS

Auch mal halbstark gewesen? Nein, nie? Okay, dann glaube ich Ihnen auch, daß Sie beim Fahren solcher Roadster vom Schlage Alpina S oder Porsche Boxster S kein Teilchen Ihres Kleinhirns im Gasfuß wiederfinden, daß auch nicht der kleinste Zündfunke überspringt. Nur sollten Sie in Zukunft dann besser Schubkarre fahren.

Denn wer Mobilität noch mit Spaß verbindet, wer den Ruck liebt, wenn die 1,3 Meter flachen Roadster in 5,4 Sekunden auf 100 schießen, der taucht hier in seinen automobilen Jungbrunnen. Der freut sich schon auf den nächsten Tunnel, um bei offenem Dach den Tönen zu lauschen, die entstehen, wenn Super plus in sechszylindrigen Aggregaten vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht.

Der Porsche macht für meinen Geschmack dabei die aufregendere Musik. Was beim Gasaufreißen zwischen 5000 und 7000 Umdrehungen so infernalisch an die Trommelfelle donnert, das sollte mal ein Musikverleger auf CD pressen – er würde damit vermutlich jeden Grand Prix gewinnen. Zwölf Punkte für Porsche. Der Alpina käme beim Soundcheck auf Platz zwei. Er gibt sich englischer, distinguierter, trompetet kraftvoll-verhalten schon knapp überm Leerlauf bis zum brutalen Abregeln bei 7200 Touren.

Alpina mit Schwächen beim Fahrwerk

Alpina Roadster S gegen Boxster S – beide natürlich mit präzisen Sechsgang-Schaltgetrieben. David gegen Goliath? Zahlenmäßig auf jeden Fall. Immerhin will Alpina weltweit jährlich 300 Stück verteilen, Porsche vom Boxster S mindestens das 22fache. Großserie gegen Manufaktur sozusagen.

Von der Leistung her passen sie schon besser zusammen: 280 PS leistet der in Finnland gefertigte Schwabe; 300 der von Alpina in Buchloe gebaute 3,4-Liter, der übrigens eine kleine Weltreise unternimmt: Der Motor geht vom Allgäu ins amerikanische Spartanburg und kommt in der nahezu fertigen Karosse wieder zurück. Bei Alpina erfolgt dann die innere und äußere Feinarbeit. Die in einem Punkt aber schwächelt: der Fahrwerkabstimmung.

Hier scheint Z4-Lieferant BMW immer noch zu schlampen, merzt offensichtliche Schwächen seiner Fahrwerkabstimmung einfach mit der dynamischen Stabilitäts-Kontrolle DSC aus. "Ja verflixt, warum schaltet ihr Autotester das DSC denn überhaupt ab?", werden Sie fragen. Ganz einfach: Mit DSC geht viel Fahrspaß verloren, weil es im Grenzbereich den Roadster viel zu früh und zu kräftig einbremst. Ohne die Elektronik aber bolzt er: Plötzlich schmiert mir das Heck unterm Hintern weg. Und wenn ich es mit der direkten (aber in der Mittellage doch recht teigigen) Lenkung dann wieder einfangen will, liefert es zum Dank gleich noch einen fiesen Gegenschlag.

Boxster S: Souverän in allen (Kurven-)Lagen

Ganz anders der Porsche. Hier haben die Ingenieure das ESP offensichtlich nur noch zur Sicherheit auf ein optimal abgestimmtes Fahrwerk obendraufgesattelt. Kollege Grenzbereich-Erforscher Dierk Möller-Sonntag jubelt denn auch: "Absolutes Spitzenauto, dafür lasse ich jeden Carrera stehen. Perfekte Lenkung, das Fahrwerk ist nicht aus der Ruhe zu bringen, der Boxster S könnte locker sogar noch mehr Leistung verkraften."

Recht hat er. Doch werden wir nicht gierig, die 280 und 300 PS reichen allemal. Mit fast 270 km/h Spitze läßt sich die abgeregelte Fraktion auf leerer Piste prima abhängen, Drängler sind in diesen Sphären ohnehin kaum zu erwarten. Und noch etwas ist nicht zu vergessen, beide sind ja Roadster mit klassischer Stoffkapuze.

Deren puristische Fahrer seit Jahren der Devise frönen: kalter Kopf und warme Füße. Was heute dank Windschott (ja, ich mag es!) Frischluft bis weit über 200 km/h möglich macht, ohne daß das Toupet (nein, ich hab keines!) wegfliegt. Genial dazu noch der Porsche: Im Stau kann ich das Dach unter 50 km/h sogar während der Fahrt öffnen oder schließen, beim BMW Alpina nur im Stand.

Kosten und Ausstattungen

Ein geradezu unbezahlbares Extra bringt jeder Boxster schon ab Werk mit: Dank seiner 911-Carrera-Front öffnet sich die linke Spur meist unaufgefordert. Die einfache Anwesenheit eines Porsche steht für eingebaute Vorfahrt, weshalb selbst ich in meinem gesetzten Alter oft schneller fahre, als eigentlich geplant. Was sich dann auf dem Kassenbon der nächsten Tankstelle zeigt: Spitzenverbräuche bis an die 20 Liter sind durchaus drin. Unter zehn Liter sind bei zarter Behandlung der elektronischen Gaspedale aber auch machbar.

Werksangaben und Testwerte

Richtig Freude bereiten übrigens auch beide Motor-Bauarten. Der BMW-Alpina setzt konservativ auf den fast ausgestorbenen, klassischen Reihensechser. Schon die Ölkontrolle bereitet mir optischen Lustgewinn, der unrunde Leerlauf unseres Testwagens weniger. Bekannt ausgeglichen natürlich der Sechszylinder-Boxer von Porsche, den leider nur die Mechaniker von unten zu Gesicht bekommen dürften – von oben ist ja alles dicht.

Fazit und Wertung

Bleibt mir nur noch der nüchterne Blick auf die Euros: Etwas über 51.000 Euro verlangt Porsche, fast 55.000 Euro Alpina. Bei den Ausstattungen fehlt es an fast nichts, dem Porsche würde ich die Sitzbeheizung sowie das Windschott gönnen (plus 713 Euro, beim Alpina Serie) und hätte meinen Traumwagen dann komplett. Daß die Punktewertung des AUTO BILD-Testteams den Boxster S am Ende ebenfalls vorn sieht, freut mich. Leider werde ich mir diese Wagenklasse nicht leisten können. Aber ich durfte sie wenigstens fahren – und mal wieder richtig halbstark sein.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Porsche Boxster S und Alpina Roadster S. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Diether Rodatz

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