Carrera GT – SLR McLaren

Porsche Carrera GT – Mercedes SLR McLaren

— 20.12.2004

Die schnellsten Autos Deutschlands

Mehr geht nicht: Porsche und Mercedes bauen die ultimativen Leistungsträger der Nation. AUTO BILD gab sich dem Temporausch hin.

Zwei Auto-Raketen legen die Redaktion lahm

Wer in Lexikon oder Internet nach der Bedeutung der deutschen Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold sucht, wird enttäuscht aufgeben. Eine gesicherte und allgemein akzeptierte Erklärung gibt es nicht. Oder besser: Gab es bisher nicht. Unsere Nachforschungen fördern jetzt ein ebenso überraschendes wie einleuchtendes Ergebnis zu Tage. Demnach erklärt sich die deutsche Farbenlehre wie folgt: Schwarz steht für den SLR, Rot für den Carrera GT – automobile Goldstücke sind sie beide.

Schon die bloße Anwesenheit dieser PS-gewaltigen VIP-Gäste legte unseren Redaktionsbetrieb dabei nachhaltig lahm und sorgte für glänzende Augen. Selbst gestandene Kollegen benehmen sich angesichts dieser Pracht plötzlich wie kleine Kinder kurz vor der Bescherung und drücken sich die Nasen an den Fenstern platt. Wobei ich zugeben muß, daß dieses Fest der Fahrfreude jede Kindheitserinnerung blaß erscheinen läßt. Wenn der Mercedes-Benz SLR McLaren seine scheinbar endlose Haube im Batmobil-Stil ins Bild schiebt und anschließend die Flügeltüren aufschwingen, findet die mühsam aufgebaute Beherrschung ein jähes Ende. Her mit dem Schlüssel!

Gleiches gilt für den geringfügig kürzeren, aber breiter und flacher gebauten Carrera GT. Der gewaltige Hintern mit dem unter Lochblenden verwahrten V10-Triebwerk ist pure Auto-Erotik. Mit der ersten Soundprobe ist es um jeden geschehen, in dessen Adern Super plus fließt. Der 5,7-Liter-Zehnzylinder erwacht mit einem derart aggressiven und heiseren Bellen, daß sensible Naturen vor Schreck in Deckung gehen. Giftig, gewaltig und gnadenlos intoniert der Sauger das hohe Lied der Leistung. Er erreicht dabei Lautstärken, die – zumindest in Kurstädten – eigentlich zum Fahrverbot führen müßten.

Blubbernder Achtzylinder, brüllender V10

Der V8-Kompressor des SLR klingt anders, aber kaum weniger anregend. Der 5,4-Liter entläßt derart fette Blubber-Beats aus den imposanten Sidepipes, daß selbst großvolumige US-Musclecars Respekt zollen. Wir vermuten, daß die TÜV-Tester bei der Abnahme dem Lausch-Rausch erlegen waren. Egal, denn die Show beginnt ja gerade erst, richtig interessant zu werden. Im SLR geht es dabei mit einer Überraschung los. Gestartet wird mit einem Knopf, der sich unter einer Klappe auf dem Automatik-Wählhebel versteckt. Erinnert irgendwie an einen Düsenjäger – und genau so schiebt der Mercedes auch los.

Wer den rechten Fuß einfach mal aufs Pedal fallen läßt, zieht damit den ganzen Zorn von 626 PS auf sich. Oder besser gesagt auf die fetten 295er-Walzen an der Hinterachse. Die krallen sich laut wimmernd in den Asphalt und schicken den SLR im Höllentempo auf die Reise. Bevor wir überhaupt fassen, was hier abgeht, steht die Tachonadel nach 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Von gewaltigem Grollen untermalt passiert der Mercedes die nächste Hunderter-Marke nach gerade mal 11,1 Sekunden. Und ist damit noch lange nicht am Ende. Wer das Lenkrad gut festhält und sich traut, erreicht im fünften Gang 334 Sachen. Als hätte Raumschiff Enterprise gerade den Warp-Antrieb aktiviert, fliegt die Landschaft vorbei. Selbst potente Limousinen scheinen nun auf der Mittelspur wie eingefroren.

Allerdings quittiert der schnelle Stern Bodenwellen bei diesem Tempo eher bockig. In Kurven spürt man außerdem, daß der Mega-Mercedes mit 1755 Kilo und trotz viel Kohlefaser nicht wirklich Diät gehalten hat. Wirklich Spaß bereitet der SLR dann, wenn er sein gewaltiges Drehmoment von 780 Nm auspacken darf. Egal welches Tempo, egal welche Drehzahl, egal welche Fahrstufe – der Benz läßt in jeder Lage so ungeniert die Muskeln spielen, daß gelegentlich SLR gesehen werden, die auf freier Strecke immer wieder runterbremsen, um danach den Beschleunigungskick zu genießen.

Die schnellsten Test-Kandidaten 2004

Ähnliche Vergnügungen hält der Porsche für uns bereit – er serviert sie aber komplett anders. Uns empfangen zwar keine Flügeltüren, dafür aber ebenfalls sehr figurnah geschnittene Carbon-Sitzschalen. Vor allen Dingen aber läßt sich das Dach abnehmen und gierig Sonne tanken. Zumindest bei ruhiger Fahrt bis Tempo 200 – darüber macht der Deckel durchaus Sinn. Stolze 612 PS verbeißen sich nachdrücklich in den ultrabreiten 335er-Gummis hinten und sorgen für einen wahren Raketenstart. Immer vorausgesetzt, daß das Spiel mit der sensiblen Keramik-Kupplung klappt. Entweder ganz ohne Gas langsam anrollen, oder aber die Drehzahl beherzt bei 4000 Touren halten und das linke Pedal einfach loslassen.

Dann jagt der GT davon, als sei er auf der Flucht, und nimmt dem SLR in den Sprintdisziplinen sogar noch ein paar Zehntel ab. Der Charakter des V10 erweist sich dabei als deutlich ungestümer und gieriger. Der 5,7-Liter will gedreht werden, nähert sich dem Drehzahlbegrenzer mit wachsender Lust und erreicht bei 330 km/h schließlich seinen Höhepunkt. Daß Spitze und Durchzug nicht ganz auf SLR-Niveau liegen, sind Argumente für den Stammtisch, nicht für die Straße. Wir genießen einfach das sensationelle Fahrwerk, das selbst über Tempo 300 keine Sorgen aufkommen läßt. Und in Kurven die reine Lehre von der Fahrfreude vertritt.

Technische Daten, Fahrleistungen und Preise

Weil anders als bei Mercedes kein ESP, sondern "nur" Schlupfkontrolle und Sperrdifferential über die Ideallinie wachen, erreicht der Carrera GT Kurventempi jenseits unserer Vorstellungskraft. Die präzise Schaltung und die direkte Lenkung machen das Vergnügen perfekt – einen erfahrenen Piloten am Steuer vorausgesetzt. Neben der fahrerischen Potenz muß allerdings auch die finanzielle stimmen. Jeder dieser beiden Traumwagen kostet deutlich über 400.000 Euro – selbst für Goldstücke ein völlig abgefahrener Preis.

Technische Daten Porsche Carrera GT V10-Mittelmotor • 4 Ventile je Zylinder • 4 Nockenwellen • Hubraum 5733 cm³ • Bohrung x Hub 98,0 x 76,0 mm • Leistung 450 kW (612 PS) bei 8000/min • max. Drehmoment 590 Nm bei 5750/min • Heckantrieb • Sechsgang • Kofferraum 76 Liter • Tank 92 Liter • Länge/Breite/Höhe 4613/1921/1166 mm • Radstand 2730 mm • Spurweite v.1612/h.1587 mm • Reifen v. 265/35 ZR 19/h. 335/30 ZR 20 • Keramik-Scheibenbremsen, belüftet, gelocht • Leergewicht 1495 kg • Spitze 330 km/h • 0–100 km/h 3,8 s • Preis 452.400 Euro

Technische Daten Mercedes-Benz SLR McLaren V8-Kompressor • 3 Ventile je Zylinder • 2 Nockenwellen • Hubraum 5439 cm³ • Bohrung x Hub 97,0 x 92,0 mm • Leistung 460 kW (626 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 780 Nm bei 3250/min • Heckantrieb • Fünfgangautomatik • Kofferraum 272 Liter • Tank 98 Liter • Länge/Breite/Höhe 4656/1908/1261 mm • Radstand 2700 mm • Spurweite v.1638/h. 1569 mm • Reifen v. 255/35 ZR 19/h. 295/30 ZR 19 • Keramik-Scheibenbremsen, belüftet • Leergewicht 1755 kg • Spitze 334 km/h • 0–100 km/h in 3,9 s • Preis 435.000 Euro

Autor: Gerald Czajka

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