Porsche Cayenne

Porsche Cayenne Porsche Cayenne

Porsche Cayenne

— 06.11.2002

"Geld ist da, man muss es nur locken"

Porsche-Chef Wiedeking könnte vier Mal so viele Cayenne verkaufen, hätte er die Kapazitäten. Erste Fahrtests zeigen, warum.

Porsche-Auftragsbücher sind voll

Wenn Porsches sportlicher Geländewagen Cayenne am 7. Dezember bei den deutschen Händlern steht, müssen sich viele Kunden erst einmal gedulden. Denn von den 25.000 vorgesehenen Fahrzeugen pro Jahr werden nur etwa zehn Prozent nach Deutschland gehen. Allein 50 Prozent sind für den nordamerikanischen Markt vorgesehen.

Ähnlich wie bei der Einführung des Porsche Boxster 1996 könnte es zu Engpässen kommen. "Wir haben den größten Auftragbestand aller Zeiten", sagte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking bei der Präsentation des Cayenne im spanischen Jerez de la Frontera. "Ich hoffe, dass nicht schon zur Einführung alles verkauft sein wird."

Wiedeking hatte kürzlich bei der Einweihung des Porsche-Werks in Leipzig, in dem der Cayenne montiert wird, von mehr als 100.000 konkreten Kundenanfragen gesprochen. Der Autohersteller kann die Produktion nicht beliebig hochfahren, weil er stark von Zulieferern abhängig ist. Während Porsche bei seinen anderen Baureihen (911, Boxster) mit einer eigenen Fertigungstiefe von nur rund 19 Prozent im Vergleich zu anderen Herstellern bereits viele Komponenten zukauft, liegt der Wert beim Cayenne sogar nur bei zehn Prozent.

Sportwagenbauer mit Leib und Seele

Der neue Geländewagen ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit VW. Die Wolfsburger bauen auf der im VW-Werk Bratislava gefertigten Karosserie-Grundlage den Touareg - eine Kooperation, die beiden Konzernen viel Geld spart, aber mit Blick auf Porsche auch für Kritik sorgte. So prophezeite Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Studies, die Anziehungskraft des Cayenne werde wegen der fehlenden Exklusivität nachlassen. Wiedeking bezeichnete die Zusammenarbeit mit VW als sehr gut und betonte, Porsche habe bei dem Projekt die Entwicklungsführerschaft gehabt. "Beide Fahrzeuge werden ihren Weg machen", sagte der Vorstandschef. "Der Markt ist zu erobern, und wir werden das gemeinschaftlich tun."

Mit dem Cayenne, der in der 450 PS starken Spitzenversion in 5,6 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer beschleunigt und extrem gute Klettereigenschaften im Gelände aufweist, will Porsche vor allem BMW und Mercedes Kunden abjagen. Marktforschungen hätten laut Wiedeking ergeben, dass Porsche-Kunden neben ihrem Sportwagen meist noch zwei weitere Autos in der Garage stehen hätten – darunter besonders in den USA häufig ein so genanntes SUV. Der solle künftig das Markenzeichen des Sportwagenbauers aus Stuttgart-Zuffenhausen tragen.

Während VW seinen Touareg mit einem bärenstarken V10-TDI-Dieselmotor (313 PS) ins Rennen schickt, erteilte Wiedeking allen Forderungen nach einem Dieselantrieb eine Absage: "Unsere Studien besagen, dass das keinen Sinn macht." Zudem stehe Porsche für leichte, agile Fahrzeuge mit hohem Spaßfaktor – ein Diesel passe da einfach nicht. Der Cayenne, der ab rund 60.000 Euro zu haben ist – der günstigste Touareg kostet rund 20.000 Euro weniger –, soll Porsche bei Umsatz und Gewinn zu weiteren Höhenflügen verhelfen und den Absatz von zuletzt rund 55.000 Fahrzeugen auf rund 80.000 steigern. Das Unternehmen arbeitet laut Wiedeking "mit Hochdruck an neuen Modellen".

Angriff auf Mercedes-Benz und BMW

Im Herbst 2003 kommt als nächste Neuheit der Carrera GT. Wiedeking: "Die Kunden warten gierig auf eine Probefahrt." Porsche werde trotz des Engagements im Geländewagenbereich seine Wurzeln nicht vergessen: "Wir sind Sportwagenbauer mit Leib und Seele." Das Verhältnis zwischen sportlichen und Off-Road-Fahrzeugen soll in vier Jahren ungefähr eins zu eins betragen. Porsches Auftragsbücher seien voll. Wiedeking: "Geld ist vorhanden, man muss es nur locken." Der Sportwagenhersteller hatte im vergangenen Geschäftsjahr seinen Jahresüberschuss um fast 71 Prozent auf 462 Millionen Euro gesteigert.

Mit dem Cayenne zielt Porsche vor allem auf die beiden Platzhirsche der süddeutschen Konkurrenz, den BMW X5 und den Mercedes-Benz ML 500. Und der neue Porsche ist dabei nicht nur so sportlich wie kein anderer, er kommt auch zu einem Kampfpreis auf den Markt. Zwar sind 60.204 Euro (mit Handschaltung ab Ende 2003 verfügbar) für die schwächere S-Version mit 340 PS aus dem neuentwickelten 4,5-Liter-V8-Motor kein Pappenstiel. Doch ein etwa gleichstarker BMW X5 4.6is mit 347 PS aus acht Zylindern kostet in der Basisversion bereits 78.200 Euro. Die M-Klasse als ML 55 AMG leistet genauso viel und liegt mit 74.240 Euro ebenfalls deutlich über dem Porsche-Angebot. Fürs selbe Geld bieten die Münchener nur den X5 4.4i mit 286 PS, die Stuttgarter den ML 500 mit 292 PS an.

Konkurrenz derzeit ohne Gegenmittel

Gegen die Urgewalt des großen Cayenne Turbo mit 450 PS (99.867 Euro) hat die Konkurrenz derzeit gar kein Gegenmittel parat. Die Kraft des Achtzylinders mit zwei Abgasturboladern und Ladeluftkühlung wird über einen permanenten Allradantrieb auf die Straße oder ins Gelände gebracht. Dabei entfallen im Normalbetrieb 62 Prozent der Antriebsleistung auf die Hinter- und 38 Prozent auf die Vorderräder. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 266 Stundenkilometern. Der große X5 schafft 240, der ML 55 AMG 235 km/h – da ist auch der kleine Cayenne mit 242 km/h noch schneller.

Und auch andere Zahlen und Werte belegen eine leichte Überlegenheit des ersten Porsche im Feld der Sport Utility Vehicles. So ist das Kofferraumvolumen mit maximal 1770 Liter deutlich größer (ML 500: 1061, X5: 1550) ausgefallen, weil der Cayenne mit 1,92 Meter Breite (ML 500: 1,89, X5: 1,87) und 4,78 Meter Länge (ML 500: 4,63, X5: 4,66) neue Dimensionen markiert. Samt Passagieren und Gepäck dürfen so satte drei Tonnen durchs Gelände fliegen – die Konkurrenz liegt mit 2,7 bzw. 2,9 Tonnen daunter. Jährlich will Porsche 25.000 Exemplare weltweit absetzen. Damit würden die Verkaufszahlen der Zuffenhausener in den nächsten Jahren um rund 50 Prozent wachsen.

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