Porsche Cayenne GTS, Audi SQ5 TDI, Range Rover Evoque Coupé
— 20.02.2013Schriller SUV-Vergleich
Es ist die Nachfrage, die die Artenvielfalt der mobilen Welt erschafft. Nur manchmal gibt es Ausnahmen, die sich kaum begründen lassen. Doch SQ5, Cayenne GTS und Evoque Coupé zeigen, dass Träume auch mal schmutzig sein dürfen.
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So bemessen, wäre der Porsche ein bisschen wie Einbrechen ins Lehrerzimmer. Völlig bekloppt, nicht gerade das, worauf Mamis abfahren, aber eben recht nahe am ultimativen Kick. Schon reguläre Cayenne sind querdynamisch schwer zu begreifen, ein GTS jedoch bringt dich schon beim Erklären in Not. Vielleicht liegt sein Geheimnis in den aktiven Stabis des PDCC, die ihn hydraulisch in der Waagerechten verspannen; vielleicht im Allradsystem, das die Kraft zwischen Front und Heck sowie entlang der Hinterachse jongliert; vielleicht liegt es in den 20 Millimeter Tieferlegung gegenüber den luftgefederten Standardmodellen, vielleicht im Zusammenspiel aller. Egal wie sie lautet, die Antithese zur Massenphysik, der GTS beweist, dass es sie gibt. Er trägt sich wie Moonboots und fühlt sich dennoch nach barfuß an. Man sitzt wie angegossen, das Einstell-Fahrwerk schubbert einem den Straßenbelag bei Bedarf haargenau übers Hinterteil, während es die Lenkungselektronik versteht, Leichtfüßigkeit zu vermitteln, ohne die Rückmeldung auszulöschen. Er klettet sich fest an die Handflächen, rutscht nie ins Untersteuern, selbst wenn man ihn jäh in Ecken reißt. Sind sie schon mal Elfer gefahren? Genau so, nur dass einem der Cayenne ein bisschen den Maßstab verrutscht. 9,5 Quadratmeter, erster Stock, geräumiger Abstellraum, möbliertes Wohnzimmer – so was steht anderswo als Studentenbude im Immobilenmarkt, diese Fünf-Mann-Bleibe aber rennt Tacho 280.
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Der Weg dorthin zieht sich jedoch. Nicht dass er schlaff rüberkäm, der 4.8 mit seiner dumpfen Ansaugakustik und der sehnigen Leistungsentfaltung. Gemessen am modellathletischen Kurvenverhalten kommt er einem geradeaus aber deutlich untersetzter vor. Sogar der Diesel des SQ5 verkauft die Nummer mit dem Sportler glaubhafter. Nach kurzem Einatmen stapft er wuchtiger aus dem Drehzahlkeller, zieht zünftiger hoch. Auf der Uhr? Ein paar Zehntel hin oder her, die Hunderter-Medaille holt der Audi, dann presst sich der Cayenne vorbei. Alles nicht der Rede wert, zumal sich ein Kräftemessen ohnehin in der Kurve entschiede. Hier offenbart sich die vergleichsweise starre Kraftverteilung des Q5, ebenso wie die Tatsache, dass Audi die Sportbehandlung eher oberflächlich vollzieht. Statt Wanken zu regulieren oder mit dem bewährten Sportdiff hinterachsseitig nachzuwürzen, muss das nachgehärtete Fahrwerk samt 20-Zöllern genügen, um das S-Versprechen einzulösen. Wort gehalten? Ein klares Jein. Zwar strafft sich der SQ5 enger an Kurs und Fahrbahnbelag als die schwappigeren Standardfassungen, die Trockenheit des Porsche geht ihm jedoch ebenso ab wie dessen glasklares Lenkgefühl. Dafür passt die Athmo. Das Standgaswummern, das sich mit der Drehzahl zu rauchigem Röhren steigert, entsteht zwar künstlich und kann übers Drive-Select ausgefadet werden, lässt den Sechszylinder-TDI aber um einiges deutlicher nach V8 klingen als all die S6, S7 und S8, die es faktisch sind.| Daten und Fakten | |||
|---|---|---|---|
| Audi | Range Rover | Porsche | |
| Motor | V6, Biturbo | R4 Turbo | V8 |
| Hubraum | 2967 ccm | 1999 ccm | 4806 ccm |
| Leistung (kW/PS) | 230/313 | 177/240 | 309/420 |
| Drehmoment (Nm) | 650 | 340 | 515 |
| Antrieb | Allrad | Allrad | Allrad |
| Getriebe | 8-Stufen-Automatik | 6-Stufen-Automatik | 8-Stufen-Automatik |
| Länge/Breite/Höhe (mm) | 4644/1911/1624 | 4355/1965/1605 | 4846/1954/1685 |
| Leergewicht (kg) | 1920 | 1640 | 2010 |
| ECE-Normverbrauch (l/100 km) | 6,8 (Diesel) | 8,7 (Super) | 10,7 (Super Plus) |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 5,1 s | 7,6 s | 5,7 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 217 km/h | 261 km/h |
| Grundpreis (Euro) | 58.500 | 41.300 | 90.774 |
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Auch der Allrad selbst könnte weit mehr, als er muss. Regulär turbolädt er 90 Prozent seiner 340 Newtonmeter direkt auf die Vorderachse, falls nötig verteilt er sie brüderlich zwischen Front und Heck. Die sportlichste Abstimmung ist das nicht, dafür eine, die ihn auch dann noch eifrig durch die verschneite Sandgrube wurstelt, wenn die anderen beiden vor lauter Dynamik am glitschigen Hang versauern. Und genau das ist der Unterschied zwischen natürlicher und automobiler Welt. Erstere belässt es irgendwann einfach beim Grottenolm, während die andere ihre Schnapsideen immer weiter ad absurdum führt. Audi etwa schiebt dem SQ5 noch dieses Jahr einen RS nach, Range Rover droht mit einem Evoque als Cabrio; fehlt eigentlich nur noch der Cayenne GT3. Was auch immer, die Evolution wird schon wissen, was sie treibt.
Ein Artikel aus AUTO TEST
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Kommentare zum Artikel (4)
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Sport, Sport, Sport.. ich kann das gar nicht mehr hören. Coupés und SUV (auch wenn das S Sport heisst) sind auf öffentlichen Strassen völlig daneben. Ausser in Deutschland kann man gar nirgends schnell fahren und so sind die PS Zahlen vieler Autos völlig überrissen. Es sei denn man wolle immer und überall überholen, auch wenn's knallt. Ich denke das S bei SUV bezieht sich mehr auf den Golfsack, das Surfbrett oder die sonstigen Sportutensilien, die der heutige Freizeitmensch zu benötigen scheint.
Ich habe den Test jetzt 2 mal durchgelesen aber nirgens stand das dies "Sportwagen" sein sollen lediglich sportliche Autos und das natürlich im Rahmen ihres Segments. Also wo liegt das Problem ?
Ich fahre gern schnelle SUVs. Obwohl einige mit ihren Supermotoren sehr schnell sind, sind es immer noch keine Sportwagen. Wie einer einmal schrieb: Rollstuhl mit Biturbo ist dann auch ein Sportwagen?
Ein Porsche Cayenne GTS ist ein Sportler? Aber nur in eurer Welt!