Porsche Cayenne Turbo

Porsche Cayenne Turbo Porsche Cayenne Turbo

Porsche Cayenne Turbo

— 03.02.2003

Das Schärfste auf Rädern?

Porsche juckt der Pfeffer. Der Cayenne soll Sport- und Geländewagen in einem sein. Kann er wirklich feurigen Fahrspaß bereiten?

Cayenne – ein Porsche, der alles können soll

Jetzt heißt es stark sein. Bisher konnten wir links an uns vorbeidonnernde Porsche immer noch moralisch ausbremsen. In unseren Pampers-Bomber gehüllt, wussten wir Platz für Familie und Freizeit auf unserer Seite. Da konnten Porsche-Piloten noch so viel Gas geben – bei Urlaub oder Umzug mussten die schnellen Schwaben passen.

Doch jetzt wird alles anders. Mit der dritten Baureihe entdecken die Stuttgarter nämlich den Praxiswert. Hausmänner und Mütter werden künftig in hochbeinigen Porsche vorfahren, um Kinder oder Klaviere einzuladen. Möglich machen dieses Schauspiel vier Türen und eine Heckklappe, auf der Cayenne Turbo prangt. Ein Porsche, der alles können soll.

Ein Versprechen, das wir dem mannshohen (1,70 Meter) und ehebettbreiten (1,93 Meter) Bodybuilder jederzeit abnehmen. Scheinwerfer wie beim Elfer, darunter riesige Luft-Luken, die Kleintiere locker zu fressen scheinen. Wer das Maul so aufreißt, muss ja einiges draufhaben.

Im Heck lauern 540 bis 1770 Liter Stauraum

Also nichts wie rein. Und erstaunt festgestellt, dass wir einen Porsche erstmals besteigen, statt hineinzufallen. In den Radhäusern bleibt trotz 20-Zoll-Räder (1717 Euro extra) tatsächlich noch genug Platz für zwei bis drei Reifengrößen mehr.

Üppige Weite empfängt uns auch innen. In diesem Großraum-Geschoss reist eine ganze Eishockey-Mannschaft samt Ausrüstung noch bequem. Was vor allem daran liegt, dass im Heck kein Boxer lauert, sondern 540 bis 1770 Liter Stauraum. Also, bitte umdenken. Und bei Bedarf die Fondbank falten, das Trennnetz einhaken oder das Gepäckrollo zuziehen. Ein Porsche als Packesel – unglaublich.

Wenigstens sitzt das Zündschloss immer noch links – willkommen zu Hause. Jedenfalls bis der Blick weiter nach rechts wandert. Hier folgen wie beim Elfer fünf verschachtelte Rundinstrumente, der Blick fällt in der Mitte aber auf eine Multifunktionsanzeige. Also Durchschnittsverbrauch statt Drehzahl. Eine Aussicht, die uns ebenso wenig begeistert wie die klobige Mittelkonsole und die zum Teil enttäuschend einfachen Kunststoffe. Auch wenn der Turbo ansonsten nicht mit Leder, Alu und Luxus geizt, erwarten wir in der 100.000-Euro-Klasse doch mehr.

Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks

Kaum noch steigerbar scheint dagegen die Fahrvorstellung des Cayenne. Egal auf welchem Untergrund: Dank permanentem Allrad, Bremsendifferenzial, Untersetzung und Längssperre kommt dieser Porsche auch da noch weiter, wo der Pfeffer wächst. Dabei gelangen im Normalfall 62 Prozent der Kraft nach hinten, bei Bedarf geht die ganze Kraft an eine Achse. Mit seinen fetten Y-Reifen (bis 300 km/h) dürfte er im Matsch aber früh baden gehen.

Onroad droht solche Schmach kaum. Selbst auf dem Rennkurs bleibt der Turbo neutral, zeigt keinerlei Tücke – auch ohne PSM. Der Spaßfaktor liegt dabei höher als bei jedem anderen SUV. Trotz seltsam hoher Sitzposition fliegt der Cayenne mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks um die Ecken, verlässt die meisten Fahrer der Mut, lange bevor der Porsche sein Limit auch nur streift. Klar, ein Elfer lenkt direkter und leichter ein, der Cayenne verdient als Offroader aber das Sportabzeichen in Gold.

Dafür sorgt schon allein der 4,5-Liter-V8 im Bug. Mit unbegreiflicher Leichtigkeit katapultiert der 450-PS-Biturbo den 2,5-Tonnen-Koloss aus den Startblöcken. Im perfekten Zusammenspiel mit der Sechsstufentiptronic schießt der Cayenne in gut 20 Sekunden auf Tempo 200, werden wir selbst darüber noch in die tollen Sitze gedrückt, endet der vehemente Vorwärtsdrang erst bei 266 km/h. Der gedämpft grollende V8 hat gegen die Windgeräusche dann längst verloren – und Kollege Computer den Cayenne in zwei Stufen um 38 Millimeter tiefer gelegt. Eigentlich clever, nur verfällt der ohnehin sportlich ausgelegte Turbo bei dieser Absenkung in eine lästig harte Gangart.

Technische Daten im Überblick

Auf schlechten Strecken nervt der Cayenne unangemessen mit nervösem Nicken. Woran die Walzen im Format 275/40 R 20 natürlich nicht ganz unschuldig sind. Schade, denn wer die elektronische Dämpferverstellung PASM auf Comfort lässt, reist im Cayenne meist knackig-komfortabel. Also, bitte Sport-Modus streichen, dafür Extra-Komfort programmieren – schon passt's.

Ganz anders der Verbrauch des Porsche-Panzers: 24,2 Liter auf 100 Kilometer passen in unsere Zeit wie gesalzene Gehaltsforderungen in die Konjunkturkrise. Vollgasfahrten dürften die Reichweite des Turbo-Trumms auf unter 200 Kilometer drücken. Was uns Normalos dann nicht nur moralisch, sondern auch ganz real auf die Überholspur bringt.

Kosten und Ausstattungen

Die Ausstattung des Porsche Cayenne Turbo lässt kaum Wünsche offen. Das hat aber auch seinen Preis. Satte 99.876 Euro verlangen die Zuffenhausener für ihren Gelände-Koloss.

Fazit und Wertung

Fazit Der Cayenne kann viel mehr, als die meisten Käufer je erfahren werden. Nur: Er liefert die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Zugegeben, Porsche belegt eindrucksvoll, dass sie einen Rennwagen fürs Gelände bauen können. Doch wer braucht das? Zumal diese Überlegenheit teuer erkauft wird: Er ist zu schwer, zu hart und viel zu durstig. Auch wenn Cayenne-Käufer der Verbrauch von 24,2 Litern sicher nicht ruiniert, bleibt die Frage, ob die Schwaben sich ein derartig unzeitgemäßes Monster leisten können. Mit alten Porsche-Tugenden vom intelligenten Leichtbau hat der Cayenne jedenfalls wenig zu tun.

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