Porsche Cayenne Turbo im Test

Porsche Cayenne Turbo: Test

Cayenne: Schnellstes SUV am Sachsenring

Porsche schickt seinen neuen Cayenne Turbo ins Rennen um die SUV-Krone am Sachsenring – gespickt mit allen erdenklichen Performance-Extras.
Transformers – Sie wissen schon, der Kino-Blockbuster, wo sich harmlose Autos in außerirdische Kampfroboter verwandeln. So in etwa dürfte die Verwandlung dieses Porsche Cayenne Turbo vom Alltags-SUV zum Streckentool abgelaufen sein. Von außen noch eine hoch aufragende SUV-Kutsche, die optisch eher fürs Gelände oder zum Flanieren taugt. Hat man aber einmal Platz genommen, den Drehregler am Lenkrad auf Sport Plus gestellt, dann wird aus dem Cayenne ein Elfer mit fünf Sitzplätzen. Nein, das stammt nicht aus einer Werbebroschüre, das haben wir wahrhaftig mit diesem weißen Kraftprotz erfahren. Und das, obwohl wir AUTO BILD SPORTSCARS heißen und den modischen Hochsitzern eher skeptisch gegenüberstehen.

Aus weniger Hubraum holen zwei Turbos mehr Leistung

Video: Porsche Cayenne Turbo (2017)

Turbo-SUV mit 911er-Genen

Doch die Welt der hochbeinigen Kraxler hat sich ordentlich verschoben. Immer mehr werden die Allradler auf Asphalt- statt auf Offroad-Performance getrimmt. 38er-Rundenzeiten am Sachsenring mit über zwei Tonnen Gewicht, klingt schon ziemlich bizarr. Doch das ist die Realität, die aktuellen Power-SUVs fahren sich ähnlich agil wie gestandene Coupés und sportliche Kompakte. Auch der Cayenne Turbo der letzten Generation gehörte dazu. Und jetzt kommt ist der Neue da: Was hat Porsche gegenüber dem Vorgänger-Cayenne verändert und verbessert? Wenn wir uns die Pressemappe anschauen, dann haben sie in Zuffenhausen das komplette Auto umgekrempelt. Der V8-Biturbo stammt aus dem Panamera Turbo, kommt im Vergleich zum Vorgänger mit 4,0 statt 4,8 Liter Hubraum aus. Das Downsizing bringt unlogischerweise mehr Power mit sich – 550 statt bisher 520 PS. Wie kommt’s? Zum Beispiel mit neuen gegenläufig drehenden Twinscroll-Turboladern, die nun im Zylinder-V eingebettet sind. Die so verkürzten Abgaswege sollen zudem das Ansprechverhalten verbessern.

Optisch kommt der Cayenne nun etwas schlanker daher

Neuer Look: Die Cayenne-Karosserie wurde runder und flacher, mit gewaltigen Lufteinlässen in der Front.

Auch bei der Achtstufen-Tiptronic wurde Hand angelegt. Die Schaltzeiten liegen nun subjektiv auf dem Niveau der Doppelkupplungsautomaten. Beim Gewicht haben sie zwar an allen Ecken was abgefeilt, auf unserer Waage ist der Unterschied zum Vorgänger bei ähnlicher Ausstattung aber nicht der Rede wert. Die Achsen fallen durch den Einsatz von Alu etwas leichter aus, die Dämpfer stehen nun fast senkrecht im Radhaus. Erstmals kommt beim Cayenne Turbo eine Mischbereifung zum Einsatz, dazu wie beim 911 eine Hinterachslenkung und der elektrische Wankausgleich. Die Karosserie wurde runder und flacher, mit gewaltigen Lufteinlässen in der Front; das Heck zeigt Ähnlichkeiten mit dem des Panamera samt breitem Leuchtenband. Oben am Dach sitzt ein aktiver Spoiler, der sich je nach Fahrmodus in verschiedene Winkel positioniert und sogar eine Airbrake-Funktion wie beim McLaren aufweist: Bei starker Verzögerung zwischen 170 und 270 km/h stellt sich das Brett um 28 Grad auf. Natürlich kann man den Cayenne Turbo auch noch ab Werk tunen lassen, so wie unser Testwagen S-GO 561.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Der hat neben der bereits erwähnten Hinterachslenkung und aktivem Luftfahrwerk auch die Keramikbremse an Bord sowie die Hinterachssperre und einen Satz Pirelli P Zero Corsa-Sportreifen. Richtig gelesen – Semislicks auf einem SUV! Ja, das hat auch uns überrascht, wer rechnet schon in dieser Fahrzeugklasse mit derartigen Pattex-Gummis … Porsche hat also für den Kampf um die SUV-Krone alle Register gezogen.

Längsdynamisch ist das SUV ein Supersportler

Raketenstart: In 3,7 Sekunden beschleunigt der Porsche seine 2,2 Tonnen von 0 auf Tempo 100.

Zuerst müssen längsydynamisch die Karten auf den Tisch gelegt werden. Im Vergleich zum zuletzt gemessenen Porsche Cayenne Turbo S herrschen ähnliche Gewichtsverhältnisse, aber der S ist 20 PS und 30 Newtonmeter stärker. Und der BMW X5M ist fast 100 Kilo schwerer. Beim Sprint kann man nichts falsch machen: Sport Plus-Modus, Bremse treten, Vollgas und los. So ist es auch Ungeübten möglich, die werksmäßig versprochenen 3,9 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h zu erreichen. Das Triebwerk pumpt sich auf, das Heck geht in die Knie, die Front setzt zum Sprung an. Und dann kommt dieser unglaubliche Transformer-Effekt: In nur 3,7 Sekunden beamt sich dieser 2,2-Tonner auf Tempo 100, zehn Sekunden später liegen schon 200 km/h an. Die neuen Lader machen sich im Vergleich zum letzten Cayenne also bezahlt. Beim Vorgänger herrschte in unteren Drehzahlen und beim Schalten Ladedruckflaute. Der neue Cayenne Turbo knallt nun Gang für Gang durch, ohne einmal Luft zu holen. Und unterbietet sogar die 200er-Werksangabe um fast eine Sekunde. Schneller als der alte Turbo S? Natürlich! Bremsen? Mit den klebrigen Pirelli Corsa und der Keramikanlage steht der Cayenne rekordverdächtig nach 31 respektive 129 Metern aus 100 und 200 km/h. Trotz der Brachialität und der Fabelwerte – der neue Cayenne kann auch Alltag. Einfach das Fahrprogramm auf Normal und die Dämpfer weich stellen. Schon gleitet man wie in einer Luxuslimousine dahin.

Auf dem Sachsenring zeigt der Cayenne sein Potenzial

Konkurrenzlos: Bei einer Zeit von 1:37,15 Minuten haben andere SUVs keine Chance gegen den Cayenne.

Die Automatik schaltet so fein und schnell, dass man nur per Ganganzeige weiß, in welcher Fahrstufe man sich gerade befindet. Auch die schnelle Autobahntour kann er, am liebsten im Sport-Modus. Das Fahrwerk ist dabei nicht zu hart, Topspeed 286 km/h ist ein Klacks. Nur akustisch ist der Cayenne Turbo eine Enttäuschung. Mehr als ein leichtes Grollen ist nicht auszumachen. Hoffentlich bekommt der Turbo S etwas mehr Stimme. Nun die alles entscheidende Frage nach der Rundenzeit am Sachsenring. Die BMW-Zeit 1:39 hoch, bisher schnellste Cayenne-Zeit 1:40 tief im 570 PS starken Turbo S von 2015 bei leicht feuchten Bedingungen. Am Rekordtag 2016 fuhr Porsche- Werksfahrer Lars Kern mit demselben Auto bei besseren Streckenverhältnissen eine 1:38 Minuten, mehr war also nicht drin. Gelingt auf Sportreifen mit neuer Technik eine bessere Zeit? Schon in Kurve 1 biegt das SUV ein wie ein Elfer. Null Unter- oder Übersteuern auch im Omega. Das Getriebe schaltet so schnell und konsequent wie in bisher keinem SUV. Fahrwerk und Lenkung sind ein Genuss, die Bremsen kommen nie ans Limit. In Runde 2 ist sogar noch eine Steigerung drin. Mit 1:37,15 Minuten nimmt er dem bisherigen Rekordhalter GLC 63 S sieben Zehntel, dem X5M gar 2,7 Sekunden ab. Und nur eine Sekunde fehlt ihm auf den Panamera Turbo S E-Hybrid.

Fahrzeugdaten Porsche
Modell Cayenne Turbo
Motorbauart V8
Aufladung/Ladedruck Biturbo/1,3 bar
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 3996 cm³
Bohrung x Hub 86,0 x 86,0 mm
Verdichtung 10,1:1
kW (PS) b. 1/min 404 (550)/5750-6000
Literleistung 138 PS/l
Nm b. 1/min 770/1960-4500
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad
Bremse vorn 440 mm innenbel./gelocht
Bremse hinten 410 mm innenbel./gelocht
Bremsscheibenmaterial Carbon-Keramik
Radgröße vorn – hinten 9,5 x 21 – 11 x 21
Reifengröße vorn 285/40 R 21
Reifengröße hinten 315/35 R 21
Reifentyp Pirelli P Zero Corsa (N0)
Länge/Breite/Höhe 4926/1983/1673 mm
Radstand 2895 mm
Tank-/Kofferraumvolumen 90/745-1680 l
Testwagenpreis 153.353 Euro

Messwerte Porsche
Beschleunigung
0- 50 km/h 1,5 s
0-100 km/h 3,7 s
0-130 km/h 5,8 s
0-160 km/h 8,6 s
0-200 km/h 13,9 s
0-402,34 m (1/4-Meile) 11,98 s
Vmax 286 km/h
Elastizität
60-100 km/h (4./5. Gang) 3,4/4,8 s
80-120 km/h (5./6. Gang) 4,3/5,9 s
80-120 km/h (7./8. Gang) 9,1 s/nicht messbar
Rundenzeit
Sachsenring 1:37,15 min
Bremsweg
100-0 km/h kalt 30,9 m
100-0 km/h warm 31,0 m
200-0 km/h warm 129,1 m
Verbrauch
Ø auf 100 km 15,5 l Super Plus
Reichweite 580 km
Gewichte
Leergewicht/Zuladung 2229/706 kg
Balance VA / HA 53/47 %
Leistungsgewicht 4,1 kg/PS

Guido Naumann

Fazit

Glückwunsch nach Zuffenhausen! Was der neue Porsche Cayenne Turbo fahrdynamisch abliefert, ist eine echte Sensation. Die 37er-Runde, die 3,7 auf 100, hätten Sie das von einem hochbeinigen 2,2-Tonner erwartet? Wir auch nicht. Der Porsche Cayenne Turbo setzt in allen Disziplinen neue Maßstäbe, in der Kurve wie auf der Bremse. Nur beim Sound dürften sie ruhig noch etwas nachlegen.

Stichworte:

SUV

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