Porsche Cayman: Fahrbericht

— 09.02.2013

So fährt der neue Porsche Cayman

Von wegen Elfer für Arme: Mit dem neuen Cayman setzt Porsche ganz auf seine Kerntugenden. Wir waren mit dem bissigen Sportler unterwegs.

Stärker und schneller, leichter und sparsamer, etwas geräumiger und trotzdem noch schnittiger gezeichnet – so schickt Porsche jetzt die dritte Generation des Cayman ins Rennen. Das Mittelmotor-Coupé, das mehr ein kleiner Elfer als ein Boxster mit Dach sein will, kommt am 2. März 2013 in den Handel und ist mit einem Grundpreis von 51.385 Euro die vielleicht billigste Art, echte Porsche-Gefühle in geschlossenen Sportwagen zu erleben. Denn die Zeiten, in denen der Cayman nur als Elfer für Arme galt und von Carrera-Fahrern milde belächelt wurde, sind mit der Neuauflage endgültig vorbei.

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Leichtfüßiger Querdynamiker: Wie von selbst tänzelt der Cayman mühelos auf der Ideallinie.

Kein anderer Porsche diesseits der puristischen Rennversionen fühlt sich so direkt und unvermittelt an, keiner giert so sehr nach Drehzahlen und keiner gibt sich auf einer gewundenen Landstraße so agil und leichtfüßig wie der kleine Kurvenkünstler. Und die Musik dazu spielt der Boxermotor hinter den Sitzen, der im Sportmodus so dreckig brüllt wie Mick Jagger in seinen besten Jahren. Gierig und giftig war der Cayman schon immer. Aber dank sechs Zentimetern mehr Radstand und einer breiteren Spur wirkt er nun so spürbar ruhiger und gelassener. Das Auto liegt satter auf der Straße, bleibt bei hohen Geschwindigkeiten stabiler und in Kurven näher an der Ideallinie. Das verdankt er auch der neuen elektrischen Servolenkung, die scharf und präzise ist wie ein frisch geschliffenes Küchenmesser, und dem neu entwickelten Torque Vectoring System.

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Wuchtig: Die Mittelkonsole im Stil des Panamera hat nun auch im Cayman Einzug gehalten.

Als Kombination aus der mechanischen Hinterachs-Quersperre, Bremseingriff und Stabilitätskontrolle bringt es den Wagen noch schneller um die Ecken, weil es bereits beim Einschlagen des Lenkrades das innere Hinterrad leicht abbremst. So läuft das äußere schneller und dreht den Boxster wie von selbst in die Kurve. Bei aller Agilität ist der Zweisitzer aber kein Heißsporn, der nur mühsam unter Kontrolle zu halten ist. Er macht es seinem Fahrer leicht und bleibt bis in die Vollgasphasen hinein mühelos beherrschbar. Wie der eng verwandte Roadster steht auch das Coupé auf einer neuen Plattform, die mit sechs Zentimetern mehr Radstand innen jetzt spürbar mehr Platz bietet. Den spendiert Porsche aber nicht nur den Passagieren, sondern nutzt ihn auch für die wuchtige Mittelkonsole im Stil des Panamera, die damit nun auch in der letzten Baureihe Einzug gehalten hat.

Designchef Michael Mauer hat die Proportionen des Cayman gründlich zurechtgerückt: Die Überhänge hat er gekürzt, die Frontscheibe nach vorn gerückt, das Dach nach unten geholt, alle Linien sparsam und präzise gesetzt und jede Kanten wie mit dem Messer gezogen – so sieht der Cayman schon im Stand schärfer und schneller aus als je zuvor. Aber auch im Rückspiegel macht der Cayman jetzt eine bessere Figur, weil ihn die nach außen wachsenden Nüstern frecher und fordernder erscheinen lassen. Und wenn der Zweisitzer an einem vorbeigezogen ist, erfreut man sich an einem kurzen und knackigen Heck, das jetzt von einer umlaufenden Kante geprägt ist, die selbst vor den LED-Rückleuchten nicht Halt macht.

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Diätprogramm: Der Cayman hat beim Modellwechsel abgespeckt und ist bis zu 30 Kilo leichter als früher.

Wie jeder neue Porsche der letzten Jahre hat auch der Cayman beim Modellwechsel abgespeckt und ist deshalb bis zu 30 Kilo leichter als früher. Weil zudem neue Motoren und optimierte Getriebe zum Einsatz kommen, Start-Stopp zur Serie gehört und der Sportler im Leerlauf zum Segler wird, geht der Verbrauch deshalb um bis zu 15 Prozent zurück. Worauf es selbst beim kleinsten Sportwagen im Porsche-Programm tatsächlich ankommt, das sind die Fahrleistungen. Und die sind natürlich auch wieder besser geworden – selbst wenn der Basis-Boxer sogar um 0,2 Liter schrumpft. Jetzt nur noch 2,7 Liter groß, kommt der Sechszylinder auf 275 statt 265 PS und ist entsprechend flott bei der Sache. Wahlweise mit Sechsgangschaltung oder Doppelkupplung bestückt und auf Wunsch natürlich auch mit dem Sport-Chrono-Paket lieferbar, schafft er bei maximal 290 Nm den Sprint auf Tempo 100 im besten Fall in 5,4 Sekunden und stürmt danach weiter bis auf 266 km/h. Trotzdem ist der Motor in der günstigsten Kombination künftig auf dem Prüfstand mit nur 7,7 Litern zufrieden.

Wie immer bringt Porsche zum Start für gute 10.000 Euro Aufpreis auch gleich ein S-Modell. Dort hat der Sechszylinder-Boxer hinter den Sitzen dann wie bisher 3,4 Liter Hubraum und legt nur fünf PS zu. Deshalb stehen jetzt 325 PS und 370 Nm im Datenblatt. Das reicht für Sprintwerte von 4,7 Sekunden und ein Spitzentempo von 283 km/h. Und auch hier liegt der Verbrauch mit bestenfalls 8,0 Litern auf einem Niveau, das bis vor kurzem schon einer Mittelklasse-Limousine zur Ehre gereicht hätte.

Konkurrenz musste Porsche für den Cayman schon bislang kaum fürchten. Denn außer dem mittlerweile arg angestaubten Audi TT vielleicht noch dem Nissan 370Z und demnächst dem Jaguar F-Type gibt es in dieser Klasse nicht viele Autos, die mit dem Coupé mitfahren können. Doch dafür  machen sich die Schwaben mit der dritten Auflage jetzt selbst das Leben schwer. Denn so gut, wie der neue Cayman geraten ist, wirkt plötzlich selbst der 911 gefährlich überflüssig. Vor allem, wenn man die rund 25.000 Euro Aufpreis berücksichtigt.

Autor: Thomas Geiger

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