Porsche Cayman GT4 im Test

Porsche Cayman GT4: Test

— 06.05.2015

Das muss kesseln!

So einen Cayman gab es noch nie. Der GT4 leiht sich Motor und Fahrwerk von seinen großen Brüdern 911 Carrera S und GT3. Ausfahrt im porschigsten aller Porsche.

War Werner seiner Zeit voraus? Klingt komisch, is' aber so. Die kultige Comicfigur verkündete schon 1996: Das muss kesseln! Und nahm damit den Porsche Cayman GT4 vorweg, der bei uns jetzt sein Testdebüt feiert. Glauben Sie nicht? Beweisen wir Ihnen! Dazu ein kleines Zitat aus dem Titelsong: "Das muss kesseln in den Ohr'n/Das muss drücken im Gesicht/Das muss schebbern unnerm Schädel/Denn sons', sons' taucht das nix!" Besser lässt sich die Wirkung des GT4 nun wirklich nicht beschreiben.

Das starke Herz hat der Cayman von seinem großen Bruder

Video: Porsche Cayman GT4 (2015)

Leistung rein, Luxus raus

Wer das bezweifelt, möge einfach nur den Motor starten. Natürlich ein Sechszylinder-Boxer. Hier allerdings 3,8 Liter groß und 385 PS stark – eine Leihgabe des großen Bruders Carrera S, für den wegen anderer Atemwege aber 400 PS bereitstehen. Ein kurzes, böses Brüllen soll Anfänger und Angeber abschrecken, dann fällt der GT4 in ein nervöses Hecheln. Klack! Ersten Gang der ultrapräzisen und nicht abwählbaren Handschaltung rein, Sinne sammeln. Und los. Grollend fetzt der Super-Cayman aus der Startaufstellung und bügelt uns ein erstes Grinsen ins Gesicht. Das sich zu einem irren Lachen steigert, sobald die Nadel des Drehzahlmessers über die Vier gerauscht ist. Der GT4 stürmt so entfesselt voran, als hätte dem Boxer jemand eine Ladung Lachgas spendiert. Noch bevor die Sorge um die laut wimmernden Sportreifen im Format 295/30 ZR 20 uns wirklich erreicht, also nach schlappen 13,7 Sekunden, fegen wir mit Tempo 200 über die Gegengerade.

Ein Tritt auf die Bremse treibt die Augen aus ihren Höhlen

Anker: Mit der extrem bissigen Keramik-Bremsanlage steht der Cayman aus Tempo 100 nach 33,1 Metern.

Auch ohne dem Sportauspuff per Tastendruck die Lizenz zum Lärmen erteilt zu haben, steigert sich der Boxer bei Annäherung an die 8000-Touren-Marke in ein infernalisches Schreien. Ja, im Expressmodus auf der Autobahn empfiehlt sich bei Distanzen über 50 Kilometer ein Gehörschutz. Auf der Rennstrecke oder in Tunneln genießen wir einfach. Genug philosophiert. Wir fliegen auf die nächste Rechts zu und werden tollkühn. So spät bremsen? Selbst für stärkere Sportwagen eine Herausforderung, für den GT4 eher eine Bewährungsprobe. Auch dank der extrem bissigen Keramikstopper für herzhafte 7318,50 Euro ankert dieser Porsche, als lägen überall Fanghaken für ihn herum. Aus 100 km/h reichen 33,1 Meter, aus Tempo 200 kommt er nach 123,2 Metern zum Stillstand. Eigentlich gehört da ein Aufkleber drauf: "Vorsicht! Vollbremsen kann Ihnen und Ihrer Umwelt heftige Überraschungen bereiten!"

Mittlerweile haben wir uns dem Kurveneingang schon auf Schlagdistanz genähert. Also Bremse lösen, Ideallinie fixieren und durch. Als sei der Lenkung das Streckenprofil des Contidrom bei Hannover einprogrammiert, führt sie uns mühelos ums Eck. Übersetzung, Lenkkraft, Rückmeldung – alles passt perfekt. Immer schneller scheuchen wir den Cayman durch die Schikanen. Und werden dabei natürlich übermütig. Sie wissen ja: "Das muss kesseln ...!"

Auch mit Drifteinlagen hat der stärkste Cayman kein Problem

Querverkehr: Wenn man ihn von der elektronischen Leine lässt, kann man mit dem GT4 herrlich driften.

Tut es auch. Die heutzutage selbst in so einem Spaßgerät unverzichtbaren Assistenzsysteme wie Burn-out-Blocker und ESP haben wir natürlich schon längst in die Pause geschickt. So, wie es schon Comicfigur Werner wollte, obwohl die Autos damals noch keine rasenden Rechner waren: "Wir fah'n nich' mit Computer in das Digi-Tal/Sonne Plastikschüssel lässt uns echt kalt/Hau wech, Hightech, wir geben Kitt/Bis dassas knallt!“ Okay, den Knall haben wir uns und Porsche dann doch erspart. Und haben es einfach genossen, dass ein Hersteller heute noch ein solches Spaßgerät auf die Räder stellt. Also ran an die lang gezogene Linkskurve, einlenken und dann Vollgas. Wie auf Bestellung schiebt sich der fulminante Flügel seitlich ins Bild, im Gleichklang des Gegenlenkens röhrt der GT4 im Drift durch die Kulisse. Natürlich ein kindisches Spektakel, das jede Rundenzeit versaut und nicht unbedingt unter reifenschonende Fahrweise fällt. Aber erstens macht es Spaß. Zweitens sieht es gut aus. Und drittens liefert es tatsächlich Erkenntnisse über das Auto. Zum Beispiel die, dass der GT4 selbst im Grenzbereich absolut nicht tückisch oder bösartig reagiert. Im Gegenteil. Wer die Fahrt mit Blick durch die Seitenscheibe schon mal geübt hat, unterschreibt mit dicken schwarzen Strichen und ohne feuchte Hände den Haftungsausschluss.

Auf der Rennstecke spielt der GT4 seine Stärken aus

Wahnsinn: Mit einer 1:31,43 Minuten lässt der Cayman auf dem Contidrom viele potente Gegner hinter sich.

Für die Rundenzeit mussten wir uns dann noch mal gaaanz doll am Riemen reißen und sind ein paar Runden ohne Querverkehr gefahren. Und waren ziemlich überrascht. Obwohl wir am Contidrom auch schon ganz andere Kaliber bewegt haben, liegt der GT4 ziemlich weit vorn. Exakt 1:31,43 Minuten spuckte unser GPS-Messsystem aus. Hammer! Angesichts dieser Performance relativiert sich sogar der Preis des Ober-Cayman. Ab 85.776 Euro steht der GT4 in der Preisliste. Mit all den Leckereien, die unseren Testwagen erst so richtig heiß machen, stehen sogar 106.333 Euro und 25 Cent auf der Rechnung. Auch das kesselt gewaltig. Doch für so viel Geld fährt auch ein ganz besonderes Auto vor. Eines, das den Begriff Sportwagen noch richtig ernst nimmt und seinen Fahrer mit schier endlosem Spaß belohnt. Und eines, das wir künftig so wohl nicht mehr oft antreffen werden. Hubraum statt Turbo, kein Bling-Bling, Fahrspaß über alles – suchen Sie mal nach vergleichbaren Neuerscheinungen ...

Deshalb sagen wir an dieser Stelle einfach mal Danke. Danke, Porsche. Danke für diesen großartigen Genuss. Und danke, Werner. Für den Titel.

Faszination: Porsche Cayman GT4

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgendem Modell: Porsche Cayman GT4 (Test).

Veröffentlicht:

24.04.2015

Preis:

2,00 €


Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Auf dem Contidrom knapp zwei Zehntel schneller als die 466 PS starke Corvette, nur sieben Zehntel langsamer als ein Nissan GT-R mit 550 PS – allein diese Einordnung macht klar, wie groß das Potenzial des Cayman GT4 ist. Mit dieser faszinierenden Leistung bereitet der kompakte Porsche-Kracher einen Mordsspaß.

Stichworte:

Sportwagen

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