Porsche dominiert VW

Porsche dominiert VW

— 24.07.2008

EU erlaubt Übernahme

Die EU-Kommission hat grünes Licht für die geplante Übernahme des Wolfsburger Autobauers Volkswagen durch Porsche gegeben. Der Zusammenschluss werde den Wettbewerb nach Ansicht der Behörde nicht behindern.

Die Europäische Kommission erlaubt dem Porsche-Konzern die Übernahme der Volkswagen AG. Der geplante Zusammenschluss der beiden Autobauer werde den wirksamen Wettbewerb in Europa nicht wesentlich beeinträchtigen, erklärte die Brüsseler Behörde nach der Prüfung des Falls. Die Untersuchung habe ergeben, dass Überschneidungen zwischen Volkswagen und Porsche begrenzt sein werden und es auf allen betroffenen Teilmärkten weiterhin starke Konkurrenten mit erheblichen Marktanteilen geben wird. Dies teilte die EU-Kommission mit. Auch für Herstellung und den Vertrieb von Ersatzteilen erwarte man keine negativen Auswirkungen.

Langjährige Zusammenarbeit wiegt schwer

Mit der Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbshüter steht der Auto-Ehe aus Kommissionssicht "nichts mehr im Wege". Die Behörde betonte, dass beide Unternehmen seit vielen Jahren zusammenarbeiteten. Unter anderem hätten sie gemeinsam geländegängige Sportwagen entwickelt. "Mit diesem Rechtsgeschäft erwirbt Porsche faktisch die Kontrolle über Volkswagen", erklärte die Kommission. Da die Wettbewerbsaufsicht dies jetzt genehmigt hat, braucht Porsche für die angekündigte Aufstockung seines VW-Anteils auf mehr als 50 Prozent keine weitere Erlaubnis der Kommission mehr.

Porsche ist bereits der größte VW-Aktionär. Im Juni 2008 schloss Porsche einen Vertrag über den Kauf von Aktien, mit denen das Unternehmen weitere 4,92 Prozent des stimmberechtigten Kapitals von Volkswagen übernehmen wird. Deshalb prüfte Brüssel die Folgen des Plans. Porsche hatte eine Übernahme der Kontrolle von VW in Brüssel bereits angemeldet, als der Anteil sich noch auf 30,6 Prozent belief.

Die Machtverhältnisse bei VW

Porsche hält derzeit 30,55 Prozent der VW-Stammaktien. Über weitere 4,92 Prozent hat der Sportwagenbauer bereits verbindliche Kaufverträge geschlossen. Die Frist, die Papiere tatsächlich zu kaufen, läuft am 2. September 2008 ab. Daneben hat sich Porsche eigenen Angaben zufolge weitere Optionen auf den Kauf von VW-Aktien gesichert. Zahlen wurden aber nicht genannt. Bis Herbst will Porsche bei VW die Mehrheit übernehmen.

Das Land Niedersachsen hält 20,25 Prozent. Das sichert dem Land ein Veto-Recht in der VW-Hauptversammlung, weil es dort für wichtige Entscheidungen eine Sperrminorität von 20 Prozent gibt. Erst im Juni hatte das Land 500000 Stammaktien gekauft, um seinen Anteil über dieser wichtigen Schwelle zu halten. Grund war die Ausgabe neuer Mitarbeiteraktien, durch die der Anteil auf unter 20 Prozent zu rutschen drohte. Weitere Zukäufe sind nach Angaben der Landesregierung aber nicht geplant. Bei Ausübung aller noch fälligen Optionen läge der Anteil des Landes bei 20,0 Prozent. Auch der Porsche-Anteil würde auf 30,2 Prozent sinken.

Die restlichen VW-Anteile sind in Streubesitz. Einziger weiterer Anteilseigner mit einem meldepflichtigen Anteil von über drei Prozent war bis Ende Mai 2008 die Schweizer Großbank UBS. Am 1. Mai war deren Anteil kurzzeitig auf 5,92 Prozent gestiegen. Am 30. Mai reduzierte die Bank ihren VW-Anteil aber wieder auf unter drei Prozent.

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