Audi TT/Porsche 550: Vorschau

Porsche Cayman Audi TT

Porsche gegen Audi: Vorschau

— 28.06.2011

Kampf im Konzern

Die Stuttgarter sind künftig für sämtliche Sportwagen im VW-Konzern zuständig. Audi erhält die Federführung bei Crossover-Modellen, will aber das Heft bei den Sportlern nicht ganz aus der Hand geben.

Konkurrenz belebt das Geschäft – schwierig wird die Sache allerdings, wenn der Wettbewerb im eigenen Konzern stattfindet. Audi und Porsche, noch vor zwei Jahren erbitterte Gegner, sollen sich unter dem Dach von VW eines Tages harmonisch ergänzen. Doch der Weg dorthin ist steil und steinig. Außer dem internen Kompetenzgerangel, wer künftig für wen welche Autos entwickeln darf, gilt es die Frage zu lösen, wie beide Marken in ähnlichen Segmenten nebeneinander existieren können, ohne sich gegenseitig zu schaden. Bei den kompakten Sportwagen stehen sich Audi und Porsche schon heute mit offenem Visier gegenüber. Boxster/Cayman kontra TT heißt das Duell. Künftig treten aus Stuttgart und Ingolstadt aber auch der 356-Nachfolger 550 und der Urquattro-Erbe R5 gegeneinander an. Problem für Audi: Nach dem Willen der Wolfsburger Konzernherren soll die Entwicklungshoheit für Sportwagen im VW-Imperium künftig in Stuttgart liegen. Audi übernimmt dafür die SUV- und Crossover-Sparte oberhalb von Tiguan und Q3.

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Porsche 550: Der legitime Nachfolger des legendären 356 startet vermutlich nur mit einem Motor, einem aufgeladenen 1.6er-Boxer.

Über das Projekt des kleinen Mittelmotor-Sportlers, ursprünglich bei VW angesiedelt und dort unter dem Arbeitstitel BlueSport geführt, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Anfang 2011 wanderte die Federführung von Wolfsburg nach Weissach, um dort mit dem hausinternen 550-Programm verknüpft zu werden. Nach heutigem Wissensstand wird der Nachfahre des legendären Porsche 356 im Spätsommer 2014 und damit einige Monate vor der VW-Version auf den Markt kommen. Audi hätte schon längst auf den Mittelmotor-Zug aufspringen können, doch noch schmollt man an der Donau. Vor allem die Konservativen in der Chefetage lehnen den R5 als Kuckucksei ab. In den letzten Wochen begannen die Fronten jedoch zu bröckeln. Inzwischen haben die Bosse erkannt, dass ein sehr sportlicher R5 nicht nur neben dem TT existieren könnte, sondern sich mit Allradantrieb, S-tronic-Schaltbox und Fünfzylinder-Turbo (300 PS) sogar über dem Porsche 550 positionieren ließe. Außerdem wäre ein R5 Shooting Brake als zusätzliche Karosserievariante eine passende Ergänzung der Sportback-Familie.

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Audi A9: Möglicherweise zeigt Audi schon auf der IAA 2011 die Studie eines großen, sportlich-eleganten Coupés auf A8-Basis.

Das zweite Revier, in dem Audi und Porsche aufeinandertreffen, ist die Oberklasse. Hier konkurrieren zwei Fahrzeug-Architekturen miteinander. Sie tragen die Kürzel "MLB Evo" (Audi) und "MSB" (Porsche). MLB Evo steht für die erste Ausbaustufe des Modularen Längsbaukastens. MSB ist die Abkürzung für Modularer Standardantriebs-Baukasten – wobei die Bezeichnung "Standardantrieb" in die Irre führt, denn MSB gibt es natürlich auch mit Allrad. In seiner ultimativen Ausprägung eignet sich dieser Baukasten sogar als voll variable Basis für Frontmotor-, Mittelmotor- und Heckmotorautos. Porsche könnte mit ihm auf einen Schlag nicht nur den Panamera ersetzen und den kleineren Bruder Pajun realisieren, sondern auch die komplette Bentley-Palette sowie den Lamborghini Estoque, den Phaeton-Nachfolger, die nächste Audi-A8-Generation und den davon abgeleiteten A9 unter seine Fittiche nehmen. Doch diese potenzielle Machtfülle war den Bossen in Wolfsburg wohl unheimlich. Sie zogen daher die Notbremse und delegierten das A8/A9-Thema zurück nach Ingolstadt.

Wie reagiert Audi? Zunächst verhalten, schließlich spielt die Zeit den Herren der Ringe in die Hände. Bereits nahezu fertig sind • Gallardo-Nachfolger, 2013, • und R8-Nachfolger, 2015. Darüber hinaus darf Audi auch seine Oberklasse-Fahrzeuge auf Dauer selbst betreuen. Das betrifft den • A8-Nachfolger, 2016, • und das A9 Coupé, 2017. Die Integration von Porsche dürfte mittelfristig auch die Kräfteverhältnisse zwischen Ingolstadt und dem Lambo-Hauptsitz Sant’Agata beeinflussen. Da ein Q5-Ableger als zusätzliche Lamborghini- Baureihe gekippt wurde, sollen auf Basis des neuen Panamera nun zwei Frontmotorautos entstehen: Estoque Coupé und Limousine. Und wenn 2019 der Startschuss für die nächste Generation von Murciélago und Gallardo fällt, hat ebenfalls Porsche den Finger am Abzug.

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Porsche Pajun: Es gibt Bestrebungen, seine Entwicklung mit der eines völlig neuen, kompakteren Bentley zusammenzulegen.

Vielleicht macht es unter diesen Vorzeichen sogar Sinn, gleich eine neue Luxus- und Sportwagengruppe unter der Führung von Porsche aus der Taufe zu heben. Während Bugatti wohl auch auf Dauer in kein Schema passt, ist die Annäherung Bentleys an Porsche nämlich nur noch eine Frage der Zeit. Als nächstes Gemeinschaftsprojekt gelten die Nachfolger von Panamera und Continental GT. Beide entstehen auf der MSB-Matrix. Während der große Porsche schon Ende 2015 serienreif sein könnte, startet das Bentley-Gegenstück allerdings nicht vor 2017. Eine Klasse tiefer gibt es Bestrebungen, die Entwicklung des Porsche Pajun mit einem völlig neuen, kompakteren Bentley zusammenzulegen. Als drittes Standbein made in England könnte der Nachfolger des Mulsanne (samt Brooklands- Coupé und Azure-Cabriolet) die Synergieeffekte vervollständigen. Auch aus der SUV- und Crossover-Familie könnte es Bentley-Ableitungen geben. Hier wäre dann definitiv Ingolstadt zuständig. Mittelfristig sind dort vorerst acht Autos in der Pipeline: • Q5 und Nachfolger, • ein Q4 als Coupé-Ableger, • Q6 als viertüriges Coupé, • der Q7, dritte Generation, • Cayenne, dritte Auflage, • Cajun Fünftürer und • Cajun Dreitürer sowie • der nächste VW Touareg.

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Denkbar ist außerdem eine zweite Karosserievariante auf Cayenne-III-Basis. Der Porsche-Einfluss dürfte es für Audi nicht leichter machen, sich zu profilieren. Natürlich verfügt die Marke über starke Kernwerte wie quattro, TDI, e-tron oder Leichtbau. Doch auch Porsche hat mit 911 Hybrid und 918 Spyder bewiesen, dass man in Weissach nicht nur an der Leistungsschraube drehen, sondern auch die grüne Karte spielen kann. Audi muss sich deshalb breiter aufstellen und auch in Segmente vordringen, in denen schmalere Renditen erwirtschaftet werden. Die unter dem Namen e-tron vorgesehene Elektro-Familie dürfte erst als Plug-in- Hybrid interessant werden, weil dann das Reichweitenproblem gelöst wäre. Der Ausbau der Q- und R-Familie kann für höhere Stückzahlen sorgen. Zusätzlich müssen innovative Modelle wie A2 und Q1 neue Käuferschichten erschließen.

Natürlich kann Audi mit Nischenautos wie dem A9 weiter nach oben wachsen, doch zugleich muss die Marke eine Antwort auf die Project-i-Offensive von BMW finden. Kleine City-Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb für junge Kunden fehlen ihr bislang. Allen künftigen Kämpfen zum Trotz: Zunächst koordinieren die Kontrahenten im VW-Konzern brav ihr Motorenangebot. Audi liefert an Porsche nicht nur den 313 PS starken V6-Diesel, sondern auch einen V8-TDI für Cayenne und Panamera. Im Gegenzug kümmern sich die Stuttgarter um den neuen VMotorenbaukasten, der mit 3,0 bis 4,8 Liter Hubraum eine Spanne von 400 bis 600 PS abdeckt. Zudem entstehen im Rahmen der Turbo- Strategie vier neue Boxer, deren Einsatz in anderen Baureihen des Konzerns von Porsche wohlwollend geprüft wird.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Porsche ist die neue Sportwagen- Macht im VW-Konzern. Audi lässt sich zwar nicht unterbuttern, kümmert sich um Crossover-Modelle und um A4 bis A9. Doch die Ingolstädter müssen weitere Themen besetzen. Bei den Motoren werden beide Marken gemeinsame Sache machen, bei der Lamborghini-Zukunft eher nicht.

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