Porsche gegen Mitsubishi und Subaru

Porsche gegen Mitsubishi und Subaru Porsche gegen Mitsubishi und Subaru

Porsche gegen Mitsubishi und Subaru

— 10.06.2002

Gleicher Spaß zum halben Preis

Geht es um Sportlichkeit, gibt es nur einen: Porsche. Aber wer hat schon 87.000 Euro für einen Carrera? Macht nichts: Zwei japanische Power-Limousinen können es fast genauso gut.

Familientaugliche Renngeräte

Wenn Sie noch nie in eine Geschwindigkeitsfalle gerauscht sind, bei Autos nur an Verbrauch und Wiederverkauf denken und beim Namen Porsche kein Kribbeln in der Magengegend verspüren, dann sollten Sie jetzt getrost weiterblättern. Denn hier geht es um nichts anderes als um diese Schmetterlinge im Bauch, wie wir sie beim ersten Kuss spürten und heute noch zur Ziehung der Lotto-Zahlen.

Oder am Steuer eines außergewöhnlichen Autos auf einer Rennstrecke. Genau da, auf der Piste von Oschersleben, bringe ich meine Schmetterlinge zum Fliegen. Für Adrenalin sorgen drei Allrad-Kracher: Porsche Carrera 4S, Subaru Impreza WRX und Mitsubishi Carisma Evo VII. Japanische Renngeräte, die sich als familienfreundliche Viertürer tarnen. Tatsächlich mischen beide seit Jahren die Rallye-Weltmeisterschaft auf. Zusammen bringen es alle drei Sportler auf 865 PS. Fahrspaß hoch drei.

Uneingeschränkt gilt das bereits für den Schwächsten im Bunde, den Subaru. Doch was heißt hier der Schwächste? 265 PS leistet der Vierzylinder-Boxer. 265 PS in einem Biedermann der Größenordnung Bora. Genauso brav benimmt er sich auch bei niedrigen Drehzahlen. Dort ist der hochgezüchtete Vierzylinder-Turbo so alltagstauglich wie ein 1,6-Liter-VW-Motor. Problemlos könnte auch Tante Inge mit dem Boliden zum Bäcker fahren. Selbst wenn der Turbo dabei mal einsetzen sollte, weil der Blockabsatz am Gaspedal hängen bleibt.

Der rechte Fuß ist zum Lenken

Ab 3000 Touren jedoch ist Schluss mit gemütlich. Dann knetet der Motor die Kolben durch und dreht spielerisch bis 7000/min. Zu viel für Tante Inge, zu wenig für den Bums, den dieser Motor hat. Selbst im sechsten Gang meldet sich noch der Begrenzer und mahnt: Es ist genug. Laut Tacho heißt das: 250 km/h. Und Subaru-Tacho gehen genau. Subjektiv könnten es auch mehr sein, der typisch raue Boxersound vermittelt eher 300 km/h. Der Weg dorthin ist mit Gelassenheit gepflastert, eine freie, trockene Piste vorausgesetzt. Der Impreza untersteuert klassisch. Das heißt, er schiebt mit dem Vorderwagen zum kurvenäußeren Fahrbahnrand, wenn eine Kurve mal zu schnell angegangen worden ist, reagiert fast gelangweilt auf Lastwechsel und bleibt in Grenzsituationen gutmütig wie ein VW Bora. Bravo! Das viel zu große Lenkrad, die nicht so direkte Lenkung und die unpräzise Schaltung seien ihm da verziehen.

Viel ehrlicher und direkter sagt mir der Carisma Evo VII, wo meine Grenzen sind. Die gleiche Kurve, wieder zu schnell, erneut vom Gas – und schon bricht das Heck aus. Trotz hochmoderner, elektronisch gesteuerter Allradtechnik, 235er-Breitreifen und sommerlicher 22 Grad habe ich das Gefühl, urplötzlich auf eine Eisbahn geraten zu sein. Für einen Moment weicht das Kribbeln in meinem Bauch einem flauen Gefühl.

Doch wie sagte schon Schwedens Rallye-Ass Stig Blomqvist: "Der linke Fuß ist zum Kuppeln, der rechte zum Lenken." Recht hat er. Wer das dosierte Spiel mit dem Gaspedal beherrscht, kann auch den Evo VII im Grenzbereich kontrollieren. Könner spielen mit dem Drang zum Übersteuern, also zum Ausbrechen des Hecks, provozieren spektakuläre Driftwinkel. Je querer, desto größer der Spaß. Dafür würden viele sogar Vergnügungssteuer zahlen.

Fahrspaß muss nicht viel kosten

Zu diesem rennmäßigen Fahrverhalten passt der Motor des Evo VII perfekt. Ein Vierzylinder-Turbo mit zwei Liter Hubraum und waffenscheinpflichtigen 280 PS. Ein Kraftpaket, das freudig dreht und auf das leiseste Zucken des Gasfußes reagiert. Vor allem bei niedrigen Drehzahlen kommt der Mitsubishi spontaner und aggressiver als der Subaru. Kurzum: ein Sportlerherz, das nur volles Pumpen, aber keine schwachen Schläge kennt. Dazu passend: Schalensitze, konsequent straffe Federung – und das kriegerische Äußere. Aber muss dieser riesige Heckspoiler wirklich sein?

Porsche hat derlei Heckmeck nicht nötig. Ein Carrera fährt den Heckspoiler aus, wenn er ihn braucht. Und gibt sich auch sonst ganz anders: Leder-Interieur, vergleichsweise viel Fahrkomfort, Standardsitze, eine präzise und leichtgängige Schaltung sowie ein leiser Motor bei normaler Fahrt. Der Porsche Carrera – ein Familiencoupé? So jedenfalls kommt er einem vor nach dem Ritt auf den japanischen Kanonenkugeln. Bauen die in Zuffenhausen jetzt etwa Cruiser?

Von wegen. Der Sechszylinder-Boxer faucht und bellt bei höherer Drehzahl, wie es eben nur ein Porsche kann. 320 PS im Heck kennen nur ein Motto: Vorwärts! Und das möglichst schnell. Das Ganze mit geringem fahrerischem Einsatz. Unterm Strich ist er der Gentleman unter den dreien. Entsprechend der Preis: 87.000 Euro sind angesagt. Porsche eben. Die beiden Japaner können da nicht mithalten. Sie kosten lediglich die Hälfte. Und weniger. Bieten aber den gleichen Spaß.

Technische Daten

Im Mitsubishi und im Subaru werkelt ein Vierzylinder-Turbo mit 280 beziehungsweise 265 PS unter der Haube. Im Porsche sorgt ein Sechszylinder (320 PS) für den Antrieb.

Preise und Kosten

Beim Preis hat der Porsche 911 Carrera S4 gegenüber der japanischen Konkurrenz ganz klar die Nase vorn. Satte 87.000 Euro sind für den Sportwagen aus Zuffenhausen fällig.

Drei Redakteure, drei Meinungen

Jürgen von Gosen: "Wer einmal einen Elfer genossen hat, kommt davon nicht mehr los. Kein anderer Motor hängt so gierig am Gas, keine Bremse beißt so bissig zu. Mit ihm kann ich wirklich entspannt schnell fahren. Dazu die totale Alltagstauglichkeit und das klassenlose Image. All das hat leider seinen Preis."

Manfred Kolbe: "Ich war bereits vom Carisma Evo VI begeistert. Von der Kraft, dem Handling und davon, wie locker man mit ihm langsam und schnell fahren kann. Das alles finde ich auch im Evo VII wieder. Dazu kommt die weiterentwickelte Allradtechnik mit elektronisch gesteuertem Mittendifferenzial und variabler Sperrwirkung."

Peter Oberndorfer: "Der Mix macht’s. Der Subaru Impreza taugt als Familienauto genauso wie als Spaßmobil für ein paar schnelle Runden am Sonntagmorgen auf dem Nürburgring. Ein Vergnügen ohne Reue, denn der Impreza besitzt unglaubliche Sicherheitsreserven. Faszinierend, wie er Fahrfehler ausbügelt."

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