Porsche GT2 RS/Ruf Rt 12 S/Corvette ZR1: Vergleich

— 13.08.2010

Im Reich der Giganten

Mit dem neuen GT2 RS macht Porsche nicht nur seiner eigenen Rundstrecken-Rakete GT3 RS Konkurrenz. Die Stuttgarter feiern auch ihr Comeback im elitären Über-600-PS-Zirkel, wo sie auf Corvette ZR1 und Ruf Rt 12 S treffen.



Freude bereitet es ihm nicht, das Pflichtprogramm mitten im Nirgendwo. Der Porsche GT2 RS rollt widerwillig im fünften Gang durch eine Tempo-60-Baustelle, protestiert mit laut schepperndem Einmassenschwungrad gegen die naturwidrige Handhabung seiner Technik und gibt dem Fahrer selbst auf kleinsten Unebenheiten klar zu verstehen, dass seine knochentrockene Feder-Dämpfer-Abstimmung keineswegs für provisorische Buckelpisten gedacht ist. Gott sei Dank ist das Martyrium kurz darauf vorbei. Ein Schild kündigt die Aufhebung des Limits an. Dahinter erstreckt sich eine lange Linkskurve mit anschließender Geraden und – zum Höhepunkt – eine schnelle Links-rechts-Kombination.

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Während die extrem kurzwegige und knackig einrastende Schaltung die zweite Welle an den Antriebsstrang koppelt, der Boxer unter einem Zwischengasstoß befreit aufatmet und das Laderduo zum Frontalangriff auf die sechs Brennräume anstimmt, muss sich auch das StVO-Engelchen auf der Schulter mächtig festkrallen. Im nächsten Moment sticht der sehnige Leistungssportler in den Linksbogen – und das Zusammenspiel von Längs- und Fliehkraft erfährt just in diesem Augenblick eine neue Bedeutung. Scheinbar unbeeindruckt von der anliegenden Querbeschleunigung, rammt der Porsche seine 325 Millimeter breiten Hinterwalzen unnachgiebig in den Asphalt, sichert gleichzeitig mit innig haftender Vorderachse den gewählten Kurvenradius und lässt sich selbst von Fahrbahnverwerfungen nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen. Auf der Geraden schlägt die 700 Newtonmeter schwere Drehmomentkeule dann vollends zu. Auch im nächsten Gang zieht der auf 500 Exemplare limitierte RS seinem Fahrer noch die Arme lang.

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Legendär: Der amerikanische Sportwagen schlechthin ist die Corvette.

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Die Tachonadel fliegt über die Skala, den Endrohren entweicht ein Erfurcht gebietender Donnerhall. Kurz anbremsen, dann fliegen Mensch und Maschine mit irrem Tempo in die Wechselkurve. Beim Umsetzen drückt das Heck leicht. Von Haftungsverlust kann aber noch lange keine Rede sein. Nach vierzig Sekunden droht das nächste Limit. Fuß vom Gas, zurück zur StVO-Konformität. Gesittet rollt das rote Geschoss die letzten Meter zum vereinbarten Treffpunkt. Dort stehen bereits Corvette ZR1, Ruf Rt 12 S und … eine Polizeistreife – upps! Glücklicherweise nehmen die Beamten die weithin hörbare Vorstellung gelassen – widmen sich stattdessen lieber dem Neuankömmling sowie dessen sportlichem Beiwerk. Und entdecken dabei zahlreiche Details, die auf einen hervorragenden Body-Mass-Index hinweisen: Sichtkarbon, Titanabgasanlage, geschwundene Dämmmaterialien und vom Porsche Carrera GT entliehene Schalensitze. Optional sorgen Karbonkotflügel und eine Lithium-Ionen-Batterie für weitere Gewichtsersparnis.

Komfortextras wie Klimaanlage und Radio verbaut Porsche erst auf ausdrücklichen Wunsch. Dafür liegen jedem GT2 RS ein Sechspunktgurt und ein Feuerlöscher bei. Und auch sonst zielt das RS-Modell konsequent in Richtung Motorsport. Mittels optimierter Aerodynamik konnte der Gesamtabtrieb im Vergleich zum Serien-GT2 um 60 Prozent erhöht werden. Eine Ladedruckerhöhung auf 1,6 Bar und optimierte Ladeluftkühler pressen aus dem 3,6 Liter großen Boxer-Sechszylinder schließlich gewaltige 620 PS. Deren 685 sind es beim Ruf Rt 12 S – was das allradgetriebene Monster aber keineswegs profan zur Schau stellt. Stattdessen gibt er sich erst auf den zweiten Blick als Besonderheit zu erkennen. Etwa am eigens entwickelten Heckflügel, der wesentlicher Bestandteil des hauseigenen Highspeed-Set-ups ist.

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Understatement aus Deutschland: Dem Ruf Rt 12 S sieht man seine 685 PS kaum an.

Understatement aus Deutschland: Dem Ruf Rt 12 S sieht man seine 685 PS kaum an.

Oder an den geänderten Kühleröffnungen im Heckbereich, deren Form ebenfalls aerodynamische Einflüsse erkennen lässt. Optische Spielereien ohne tieferen Sinn sucht man an einem Ruf vergebens. Selbst die dominante Vierrohr-Abgasanlage ist eine strömungsoptimierte Eigenlösung. Der serienmäßige Überrollkäfig versteckt sich hingegen gekonnt unter der edlen Innenraumverkleidung. Eine klassische Ruf-Spezialität sitzt im Heck des Allradlers. Basierend auf dem Porsche-964-Turbo-Motorblock, hat der Veredler mit Herstellerstatus ein Rennsporttriebwerk vom Feinsten kreiert und dieses mit zwei traditionellen KKK-Turboladern garniert. Trotz recht altmodischer Turbinen versetzt der auf 3,75 Liter aufgebohrte Boxer selbst ausgewiesene Gourmets ins Schwärmen. Denn das Hochleistungsaggregat zeigt auf Wunsch höchst kultivierte Umgangsformen, surft souverän durch tiefste Drehzahlniederungen und portioniert seinen Ladedruck unter Teillast sehr gleichmäßig.

Weitere Details zu Porsche GT2 RS, Ruf Rt 12 S und Chevrolet Corvette ZR1 gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten* Corvette ZR1 Porsche GT2 RS Ruf RT 12 S
Motor V8, Kompressor B6, Biturbo B6, Biturbo
Einbaulage vorn längs hinten längs hinten längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 6162 cm³ 3600 cm³ 3746 cm³
kW (PS) bei 1/min 476 (647) / 6500 456 (620) / 6500 504 (685) / 7000
Literleistung 105 PS/l 172 PS/l 183 PS/l
Nm bei 1/min 819 / 3800 700 / 2250–5500 880 /3500–4000
Antriebsart Hinterrad Hinterrad Allrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 394 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 380 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn – hinten 10 x 19 – 12 x 20 9 x 19 – 12 x 19 8,5 x 19 – 11 x 19
Reifen vorn / hinten 285/30 R 19 – 335/25 R 20 245/35 R 19 – 325/30 R 19 235/35 R 19 – 325/30 R 19
Reifentyp Michelin Pilot Sport 2 (ZP) Michelin Pilot Sport Cup (N1) Michelin Pilot Sport 2 (N1)
Länge/Breite/Höhe 4476/1929/1236 mm 4469/1852/1285 mm 4467/1868/1300 mm
Radstand 2685 mm 2350 mm 2350 mm
Leergewicht/Zuladung 1512/243 kg 1370/310 kg 1620/385 kg
Leistungsgewicht 2,3 kg/PS 2,2 kg/PS 2,4 kg/PS
Tankvolumen 68 l 90 l 64 l
ECE-Normverbrauch Ø auf 100 km 14,5 l Super Plus 11,9 l Super Plus 14,2 l Super Plus
Beschleunigung
von 0–100 km/h 3,4 s 3,5 s 3,4 s
von 0–200 km/h 10,3 s 9,8 s 9,8 s
Vmax 330 km/h 330 km/h 360 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 136.990 Euro 237.578 Euro 315.350 Euro
*Herstellerangaben
Autor:

M. Iglisch

Fazit

Der Porsche GT2 RS ist eine Präzisionswaffe vom Feinsten. Kompromisslos, stark, dennoch äußerst sensibel in der Handhabung. Anders der Ruf RT 12 S mit höchster Ausgewogenheit in der fahrdynamischen Stratosphäre. Die Corvette ZR1 indes ist eine Urgewalt, die bezwungen werden will!

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