Porsche kauft ein Fünftel von VW

Porsche kauft ein Fünftel von VW Porsche kauft ein Fünftel von VW

Porsche kauft ein Fünftel von VW

— 26.09.2005

Ein dickes Stück Volkstorte

Porsche will drei Milliarden Euro in ein Volkswagen-Aktienpaket investieren. Die 20prozentige Beteiligung soll VW vor Übernahmen schützen – und Porsches Pläne in Sachen Kooperation absichern.

Bei 30 Prozent wird's eine Übernahme

Porsche steigt bei Volkswagen ein. Die Stuttgarter wollen 20 Prozent der Stammaktien an Europas größtem Automobilkonzern erwerben. "Wir wollen durch dieses Engagement sowohl die Geschäftsbeziehungen zu VW als auch einen wesentlichen Teil unserer Zukunftsplanungen langfristig absichern", sagte der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking. Das Aktienpaket kostet Porsche nach derzeitigem Kurs rund drei Milliarden Euro. Der Erwerb des Pakets soll "zügig" angegangen werden, hieß es weiter.

In den vergangenen zehn Tagen war der VW-Kurs durch Spekulationen über einen neuen Großinvestor um rund 20 Prozent gestiegen. Dabei blieb unklar, wie viele Aktien der Sportwagenhersteller bislang über die Börse erworben hat. Man liege "noch unter fünf Prozent", sagte ein Porsche-Sprecher. in Expertenkreisen wird angesichts der Umsätze der VW-Aktie in den vergangenen Tagen jedoch über einen Anteil von gut zehn Prozent spekuliert.

Die Schwelle von 30 Prozent, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müßte, soll die Beteiligung aber auf keinen Fall erreichen. Dem Vernehmen nach erwägen die Stuttgarter bereits seit längerem den Kauf eines größeren Aktienpakets von VW. Volkswagen ist für Porsche ein wichtiger Entwicklungspartner. Die beiden Unternehmen arbeiten bei den Modellen Porsche Cayenne und VW Touareg zusammen und entwickeln gemeinsam einen Hybridantrieb. VW ist für Porsche zudem "zu einem bedeutenden Lieferanten für etwa 30 Prozent des Absatzvolumens geworden".

Mit dem geplanten Einstieg soll erreicht werden, daß es auch nach dem Fall des VW-Gesetzes durch ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes nicht zu einer feindlichen Übernahme von VW durch Investoren kommen kann. Würden etwa Hedge-Fonds bei VW einsteigen, den Konzern zerschlagen und an verschiedene Hersteller verkaufen, wären die Kooperationsprojekte zwischen VW und Porsche möglicherweise gefährdet.

Gemeinsam mit einer zu 20 Prozent beteiligten Porsche AG kämen VW (13,1 Prozent) und das Land Niedersachsen (18,2 Prozent) auf eine solide Mehrheit von 51,3 Prozent des stimmberechtigten Kapitals. "Unser Investment ist die strategische Antwort auf dieses Risiko", sagte Wiedeking. Laut des VW-Gesetzes aus dem Jahre 1960 darf kein einzelner Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben, egal, wie viele Aktien er besitzt. Branchenexperten rechnen damit, daß das umstrittene VW-Gesetz 2006 oder spätestens 2007 fällt.

Die neue Macht des Herrn Piëch

Die Börsianer hatten in den vergangenen Tagen mit vielem gerechnet, um die Kursrallye der VW-Aktie zu erklären. Daß aber ausgerechnet der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche als "weißer Ritter" und künftiger Großaktionär auftauchen würde, hatte keiner erwartet.

Ferdinand Piëch vermutlich schon. Fast versonnen lächelnd stand der VW-Aufsichtsratsvorsitzende während der Präsentation des neuen VW Cabrios mit dem Namen Eos auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt seitlich hinter VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard.

Eines ist sicher: Ferdinand Piëch muß von den Plänen des Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking gewußt haben. Einerseits sitzt Piëch im Aufsichtsrat von Porsche. Zum anderen kontrollieren die Familien Piëch und Porsche den Sportwagenhersteller. Die Familie Piëch hält 46,3 Prozent der Stammaktien und die Familie Porsche 53,7 Prozent des stimmberechtigten Kapitals. Ferdinand Piëch allein soll etwa zehn Prozent halten.

Daß dies zu Interessenkonflikten führen könnte, wird bei Porsche nicht so gesehen. Doch könnte Piëch tatsächlich in die Verlegenheit kommen, mit über eine Dividende bei VW zu entscheiden, die ihm als Aktionär von Porsche zugute kommen würde.

Kommentar: Echte Win-Win-Situation

Von Marco Dalan Die Übernahme des 20-Prozent-Anteils an VW durch Porsche ist kein Kampf. Vielmehr treten Wolfsburg und Stuttgart gemeinsam an. Bei diesem Geschäft wird am Ende keiner auf der Strecke bleiben. Was nun angegangen wird, ist ein weiteres, aber sehr wichtiges Kapitel einer langen gemeinsamen Geschichte.

Volkswagen und Porsche arbeiten bereits seit 1948 zusammen. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen den Porsche Cayenne und das Schwestermodell VW Touareg entwickelt. Zuletzt begannen die beiden Autohersteller mit dem Bau eines Hybrid-Antriebs. Kooperationen dieser Art werden künftig ausgebaut werden, was unter anderem Entwicklungskosten spart.

Eben weil aber Volkswagen und Porsche schon so lange Zeit miteinander verbunden sind, ist es wichtig, Gerüchten über aktuelle Interessenkonflikte von Beginn an jeden Anhaltspunkt zu nehmen. Darum sollte eine Regelung für Ferdinand Piëch gefunden werden: Er ist VW-Aufsichtsratsvorsitzender, Aufsichtsrat bei Porsche und auch Miteigner des Sportwagenherstellers.

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