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Porsche Macan Porsche Macan Turbo, Innenraum Porsche Macan

Porsche Macan: Kaufberatung

— 06.05.2014

Großer Sport

Der neue Porsche Macan erbt zwar die Plattform des Audi Q5, greift ansonsten aber weitestgehend auf Zuffenhausener Technik zurück und mausert sich damit ad hoc zum Chef-Dynamiker der Klasse. Was hat er sonst noch zu bieten?

Wie funktioniert Konzernpolitik à la VW noch einmal? Richtig! Man nehme eine Plattform, reichere sie mit modernster Einheitstechnik an, streue in den Untiefen elektronischer Kennfelder etwas Charakter und garniere das eigens abgeschmeckte Baukasten-Erzeugnis mit Form und Farbe in individueller Ausprägung beziehungsweise unterschiedlichen Qualitäts-Schattierungen. Fertig ist zum Beispiel ein neuer Seat Leon, der im Prinzip nichts großartig anderes ist als ein legerer Golf, der seinerseits einen nicht ganz so hochwertigen, dafür günstigeren A3 repräsentiert, welcher sich wiederum zwar chic und erfolgsorientiert gibt, am Ende aber wesentlich unpraktischer ist als ein Skoda Octavia, der technisch auch ein Seat Leon sein könnte ... Doch genug im Kreis gedreht! Geht es um die Markenidentität von Porsche, so reichen Garderobe samt Aufmachung nämlich längst nicht aus, um sich innerhalb des Konzerns zu differenzieren. Heißt im Klartext: Den neuen Macan hätte es ohne die Existenz eines Audi Q5 vielleicht nie gegeben; doch das allein heißt noch lange nicht, dass er auch so aufbauen muss. Und so betreibt Porsche Synergie im kleinen Stil, nimmt einzig die Plattform und reichert sie mit Karosserie, Interieur, Fahrwerk, Antrieb und Elektronik aus eigenem Hause an.

Video: Porsche Macan Turbo

Wie sportlich ist der Porsche Macan?

Entsprechend präsentiert das Cockpit Porsche-Architektur vom Feinsten: ansteigende Mittelkonsole mit weitflächig gestreutem Tasten-Aufgebot, davor ein Sieben-Zoll-Monitor, dessen Touchscreen-Menü sich weitaus logischer gliedert als die flankierenden Knöpfchen. Serienmäßiges Sportgestühl platziert die Passagiere so tief wie komfortabel, das steil stehende Multifunktionslenkrad zitiert den 918 Spyder; drei Rundinstrumente mit zentralem Drehzahlmesser, Zündschloss zur Linken, während sich das serienmäßige Klavierlack-Panorama (Macan Turbo: gebürstetes Aluminium) um entsprechende Materialästhetik bemüht. Praktisch ist der Macan ebenfalls, nur vom Raum her sollte man besser keine Wunder erwarten. Reihe eins schneidert Porsche prinzipiell auf Taille, der Fond lässt höchstens einen Hauch mehr Luft zur Breite. Die Kopffreiheit zwingt dagegen selbst hochragende Passagiere nie zur Demutshaltung. Zumal es der Macan – ganz nach Vorbild des Cayenne – vorzüglich versteht, gegen (teils heftigen) Aufpreis ein Ambiente der absoluten Extraklasse aufzufahren. Vollleder, Carbon, Holz, Alcantara, dreizonig klimatisiert, surround beschallt, gläsern gekuppelt – erlaubt ist, was der finanzielle Rahmen hergibt.

Virtuose Querdynamik und hoher Fahrkomfort in Kombination

Video: Porsche Macan vs. BMW X4

Die neuen SUVs im Vergleich

Doch ehe man den Gegenwert eines kompletten Polos ins Ambiente zimmert, sollte man sich vorab erst einmal Gedanken übers technische Rüstzeug machen. Zur Wahl stehen drei Motoren, drei Fahrwerkskombinationen, Radsätze in 18 bis 21 Zoll sowie die variable Antriebsmomentenverteilung an den Hinterrädern für das letzte Quäntchen Zusatz-Dynamik. Den Einstieg ins Macan-Universum markiert jedoch weniger das Herz, sondern in Form des audistämmigen Dreiliter-Diesels eher der Verstand. Dank überarbeiteter Peripherie leistet das Triebwerk 258 PS bei 580 Nm Maximaldrehmoment. Den Antrieb übernimmt – wie in allen Macan-Modellen – ein Doppelkupplungsgetriebe mit angehängter Lamellenkupplung (Magna Powertrain). Verkuppelt wird mittels serienmäßiger Siebengang-PDK, die den Diesel in Tateinheit mit dem optionalen Sport Chrono-Paket erstmals an eine Launch-Control hängt und null auf 100 km/h damit in 6,1 Sekunden zeitet. Klingt höchst sportlich, schürt in gewisser Weise aber auch falsche Erwartungen. Denn der Diesel ist kein Sprinter mit Luft bis in die ganz hohen Lagen, sondern eher souverän-erhabener Ausdauer-Athlet. Er läuft leise und kultiviert, drückt wesentlich überzeugender, als er dreht, und ist ganz nebenbei das einzige Aggregat, das auch in der Praxis mit weniger als zehn Liter auf 100 Kilometer auskommt.
Preise Porsche Macan
Macan S Macan Turbo Macan S Diesel
ab 57.930 Euro ab 79.826 Euro ab 57.930 Euro

Die Rennstrecke dürfte ein privat geführter Macan ebenso selten sehen wie die Kiesgrube. Doch er könnte beides sehr gut.

Serienmäßig spannt ein konventionelles Fahrwerk mit Stahlfederung die Brücke zwischen Komfort und Dynamik. Vielseitiger und nochmals agiler fährt sich der Macan mit optionalem Adaptivfahrwerk. Im Comfort-Modus federt es – eine zivile Radgröße vorausgesetzt – mindestens so aufmerksam wie das Audi-Geflecht, während der Sportmodus die Dämpfer derart zünftig spannt, dass es mit kaum wahrnehmbarer Seitenneigung ums Eck geht. Eine aktive Wankstabilisierung kommt im Macan übrigens nicht zum Einsatz. So minimiert sich Seitenneigung auch in Kombination mit dem optionalen Luftfahrwerk allein über gesunde Härte, was jedoch nicht bedeutet, dass die sportlichste aller Fahrwerksoptionen gleichzeitig die kompromissloseste ist. Im Gegenteil: Das luftige Vergnügen können wir nicht nur Performance-Orientierten, sondern vor allem Offroad-Gängern empfehlen. Das Top-Fahrwerk geht mit einer dreistufigen Höhenverstellung einher, welche die Bodenfreiheit zwischen 180 und 230 Millimetern reguliert. Im Normalniveau liegt der Macan 15 Millimeter tiefer als mit konventioneller Stahlfederung, im Sportmodus deren 25. Im Geländemodus pumpt er sich dagegen auf eine Höhe von 1649 Millimeter, was ihm Klassenbestwerte in Sachen Bodenfreiheit und theoretischer Steigfähigkeit beschert. Ebenfalls Gelände-zuträglich: das feinnervige Zusammenspiel der einzelnen Fahrhilfen, die so sensibel regeln wie nirgends sonst in diesem Segment.

Der kleine V6 ist ein irritierend zahmes Porsche-Gewächs

Wer die 400 PS und 550 Nm des Macan Turbo will, muss satte 21.896 Euro Zuschlag akzeptieren.

Doch bevor wir uns mit Lobeshymnen nun gänzlich überschlagen, kommen wir lieber noch zum berühmten Haar in der Suppe, das streng genommen zwar eher modellstrategischer Schönheitsfehler denn echter Fauxpas ist, irgendwie aber doch irritiert, da es eine Porsche-eigene Kernkompetenz betrifft: Der 340 PS und 460 Nm starke Biturbo-V6 geht als zivilerer Ableger aus dem 3,6 Liter großen Toptriebwerk hervor, darf also getrost als lupenreines Porsche-Gewächs betrachtet werden und scheitert an genau jenen Erwartungen, die man damit verknüpft. Rein objektiv gibt sich das Triebwerk natürlich keine Blöße: 5,4 Sekunden auf 100, Durchzug ab Standgas, eine Kraftentfaltung so homogen wie linear und Druck bis 254 km/h. Doch zum waschechten Sportmotor fehlt es dem kleinen V6 nicht nur an Klang, der etwas hohl ums Endrohr-Quartett wabert, sondern vor allem an Drehfreude und Aggressivität im Ansprechverhalten. Er kostet exakt so viel wie der Diesel, bietet objektiv wesentlich bessere Fahrleistungen (bei wesentlich höherem Verbrauch) und hinterlässt dennoch einen leicht zwiespältigen Eindruck. Wenn Benziner, dann also in Form des 400 PS und 550 Nm starken Macan Turbo. Der tritt deutlich herzhafter zu, kann die schier übermächtige Querdynamik als einziger mit entsprechender Längsdynamik kontern und klingt ganz nebenbei auch so, wie seine vier Endrohre es verheißen. Allerdings positioniert sich der Top-Macan auch deutlich über den Basistriebwerken. Satte 21.896 Euro beträgt der Zuschlag, 13.590 Euro entfallen allein auf die Ausstattung. Die vernünftigste Wahl bleibt also der Diesel, der seinerseits zwar rund 7000 Euro über einem vergleichbaren Audi Q5 rangiert, dafür aber das wesentlich facettenreichere Gesamtpaket bietet.

Weitere Infos zum Macan und seinen Konkurrenten finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

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Porsche Macan Porsche Macan Porsche Macan Turbo, Innenraum

Kaufberatung: Porsche Macan

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Porsche Macan

Veröffentlicht:

24.03.2014

Preis:

2,00 €

Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Dass Porsche einen neuen Dynamik-Maßstab setzen würde, war von vorneherein klar. Dass sich der Macan allerdings auch offroad bewährt, zudem ein sehr hohes Komfort-Niveau erreicht und seinen Preis überdies mit gehobener Ausstattung mehr als nur rechtfertigt, war in diesem Ausmaß nicht zu erwarten. Sorry Audi, hier kommt der bessere Q5!

Stichworte:

SUV

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