Porsche Panamera Diesel/BMW 730d: Test — 01.09.2011
So spart der Chef
Nein, die Luxusklasse wird nicht bescheiden, wenn Sechszylinder-Selbstzünder für den Vortrieb sorgen. Und nein, Diesel im Panamera ist nicht der Untergang der Porsche-Potenz. Ein Vergleich mit dem BMW 730d.
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Video: Panamera Diesel vs. BMW 730d
Sparsame Luxus-Limousinen
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Auf Start-Stopp verzichtet der kurzhubige Dreiliter-Reihensechser im 730d, ansonsten fährt auch BMW die aktuelle Motormode auf: Common Rail (1800 Bar Einspritzdruck), Piezo-Injektoren, variable Turbinenschaufeln. Also keine großen Unterschiede – theoretisch. Auch bei den Fahrleistungen liegen die beiden Kontrahenten eng zusammen. In Beschleunigung und Zwischenspurts nur um ein paar unerhebliche Zehntel schneller, fühlt sich der Panamera aber immer kraftvoller und energischer an. Das liegt weniger am kleinen Vorteil bei Leistung und Drehmoment als viel mehr am Getriebe: Die Aisin-Box schaltet schnell und treffsicher durch ihre acht Stufen, mutet dem V6 selten hohe Drehzahlen zu, verlässt sich lieber aufs stämmige Drehmoment. Dagegen wählt der BMW-Automat nicht immer glücklich aus nur sechs Stufen, lässt den Motor schon mal unnötig hoch drehen, mal lang im Drehzahlkeller dümpeln. Das ist aber Jammern auf höchstem Niveau, denn insgesamt verwöhnen beide mit ausgeprägtem Antriebskomfort. Und das bei erstaunlich niedrigem Konsum. So zapft sich der Porsche alle 100 km nur 7,3 Liter Diesel aus dem Tank, der BMW liegt 0,4 Liter darüber – beides hervorragende Werte für zwei Tonnen schwere und gut 240 km/h schnelle Limousinen.Was allerdings nicht die Frage beantwortet, ob ein Dieselmotor zum Charakter der beiden passt. Im Fall des BMW ohne Zweifel schon deshalb, weil er nicht so sportlich ist wie er gern wäre. Und vielleicht ist das hier der richtige Zeitpunkt, um ein Geheimnis zu verraten: Verstellmöglichkeiten im Auto für Lenkung, Dämpfer, Federung, Gaspedal- und ESP-Kennlinie – das kann nur schiefgehen. Vor ein paar Jahren hat BMW beim M5 damit angefangen, es dem Fahrer zu überlassen, sich das Auto passend abzustimmen. Bis dahin hatte BMW das noch für den Kunden mit großer Kompetenz übernommen. Warum sollte es der Fahrer besser können? Nun gibt es eine neue Eskalationsstufe, den Fahrerlebnisschalter bei BMW. Der heißt wirklich so, wofür wir uns für BMW sehr fremdschämen. Wie unnötig er ist, belegt schon die Tatsache, dass die Limousine im Normal-Modus am ausgewogensten fährt, strammer als im wogigen Comfort-Programm, aber beflissen federnd.
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Wer den Schalter auf Sport oder Sport+ drückt, erlebt im 730d nur die Imitation von Sportlichkeit: Die adaptiven Dämpfer arbeiten nun unkomfortabel, ohne dass sich der BMW dynamischer führe. Kurvenkratzereien sind nichts für den 730d. Trotz der präzisen Aktivlenkung kann er die große Strecke viel besser. Da umschmeichelt er die Passagiere mit niedrigen Geräuschen, bietet Raumfülle und bequeme Sitze. Im zehn Zentimeter kürzeren Porsche reisen vier nicht ganz so geräumig, dafür komfortabler und viel dynamischer. Auch bei ihm können optional über Adaptivdämpfer und die Luftfederung Abstimmungen verändert werden. Die hohe Qualität des Panamera-Fahrwerks zeigt sich aber bereits im Standard-Set-up: Seine feinsinnige Lenkung führt ihn exakt um Kurven, lässt den trummigen Porsche leichter und kompakter wirken, als er ist. Der Diesel schiebt noch kultiverter voran als der BMW, klingt nie sportlich, wirkt aber immer energisch.Das Wichtigste: Er fühlt sich tatsächlich nach Porsche an, dieser Panamera Diesel. Den Vergleich gewinnt dennoch der ausgeglichenere BMW. Egal, denn der wichtigste Unterschied zwischen den beiden liegt im Charakter: BMW 730d fährt man, um schnell und sparsam anzukommen. Porsche Panamera, um schnell und sparsam unterwegs zu sein.
Hintergrund: So testet AUTO BILD
| Fahrzeugdaten | BMW | Porsche |
|---|---|---|
| Motor | Sechszylinder, Turbo, vorn längs | V6, Turbo, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
| Hubraum | 2993 cm³ | 2967 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 180 (245)/4000 | 184 (250)/3800 |
| Nm bei 1/min | 540/1750 | 550/1750 |
| Vmax | 245 km/h | 242 km/h |
| Getriebe | Sechsstufen-Automatikgetriebe | Achtstufen-Automatikgetriebe |
| Antrieb | Hinterradantrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 245/45 – 275/40 ZR 19 Y | 255/45– 285/40 ZR 19 Y |
| Radgröße | 8,5 – 9,5 x 19" | 9 – 10 x 19" |
| Abgas CO2 | 178 g/km | 172 g/km |
| Verbrauch* | 9,0/5,5/6,8 l | 8,1/5,6/6,5 l |
| Tankinhalt | 80 l/Diesel | 80 l/Diesel |
| Vorbeifahrgeräusch | 72 dB (A) | 74 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg | 2200/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 500 l | 445–1263 l |
| Preis (wird bewertet) | 80.820 Euro** | 89.668 Euro*** |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** inkl. Dynamic Drive 2670 €, Integral-Aktivlenkung 1950 € und 19-Zoll-Mischbereifung für 2600 € ; *** inkl. Luftfederung 3499 €, Servotronic 262 €, Sport Chrono Paket Plus 797 €, Navigationssystem 3142 € und 19-Zoll-Mischbereifung für 1785 € | ||
| Messwerte | BMW | Porsche |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0–50 km/h | 2,3 s | 2,5 s |
| 0–100 km/h | 7,1 s | 6,8 s |
| 0–130 km/h | 11,2 s | 10,8 s |
| 0–160 km/h | 17,3 s | 16,6 s |
| 0–200 km/h | 30,7 s | 29,2 s |
| Zwischenspurt | ||
| 60–100 km/h | 3,9 s | 3,7 s |
| 80– 120 km/h | 4,9 s | 4,4 s |
| Leergewicht/Zuladung | 1994/511 kg | 1938/562 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 51/49 % | 53/47 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,8/11,9 m | 12,1/12,1 m |
| Bremsweg | ||
| aus 100 km/h kalt | 34,8 m | 35,3 m |
| aus 100 km/h warm | 35,3 m | 34,8 m |
| Innengeräusch | ||
| bei 50 km/h | 58 dB (A) | 59 dB (A) |
| bei 100 km/h | 65 dB (A) | 66 dB (A) |
| bei 130 km/h | 69 dB (A) | 70 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 7,7 l D – 203 g/km | 7,3 l D – 193 g/km |
| Reichweite | 1030 km | 1090 km |
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Kommentare zum Artikel (39)
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@Apodis
Eine riesen Frechheit von Porsche, nicht erst Deinen Segen einzuholen und einfach so Motorisierungen anzubieten die Dir nicht passen.
"das Auto mit dem besten Federungs-, Sitz-, Geräusch- und Klimatisierungskomfort"
Nur das dieses Auto nicht mehr die S-Klasse sondern der Audi A8 ist wie z.B. neulich die AZ feststellte
http://www.autozeitung.de/auto-vergleichstest/audi-a8-bmw-7er-mercedes-s-klasse-zwoelfzylinder-langversionen-test
Die S-Klasse mag ein gutes Auto sein, kommt aber an den A8 nicht ganz heran.
Der 7er wird vom A8 geradezu deklassiert.
Und der Panamera? Der ist anders und hebt sich aus der Masse ab, dennoch schlägt er hier den 7er in allen wichtigen Disziplinen.
@unter mir: Wer von einer S-Klasse in einen Panamera umsteigt dem fällt ja wohl als erstes auf, dass er das Auto mit dem besten Federungs-, Sitz-, Geräusch- und Klimatisierungskomfort gegen ein anderes Auto getauscht hat.
Einen Panamera sehe ich eher als Konkurent eines 5er oder E-Klasse. 7er und S sind schlicht zu groß und luxuriös.
btw: Bitte VW, gebt Porsche wieder frei! Was soll den eine schwere Limousine mit Dieselmotor. Sowas hunzt ihr doch im Skoda, Seat, Audi und Volkswagen genug hin!
finds klasse das leute, großteils von ahnungslosigkeit und neid getrieben, sich erdreisten einen "kompetenten" beitrag zu leisten :D ihr seid doch fast alle noch nie einen panamera gefahren. wenn man vorher eine s klasse hatte und jetzt auf einen panamera umsteigt fällt einfach auf das es ein unterschied ist wie er kaum zu erwarten sein könnte. auch als großer mercedes und bmw fan muss man sagen das die fahreigenschaften eines panamera einfach weitaus beeindruckender sind.
@Marcus: Na ja, derselbe Motor wäre dann nur minmal leistungsgesteigert.
Das würde vielleicht beim Standardsprint bestenfalls ein paar Zehntel bringen aber dennoch würde der Porsche am Ende wieder deutlich vorne liegen.
Ansonsten muss man sagen, dass der Motor/Antrieb im Porsche einfach besser ist, laufruhiger, elastischer, sparsamer.