Porsche Panamera GTS/Audi RS 4 Avant: Test

— 03.09.2012

Die lassen es richtig krachen!

Wer baut die sportlichsten Autos im VW-Konzern? Audi und Porsche geben darauf zwei herrlich unmoderne Antworten: RS 4 Avant und Panamera GTS.



Nein, diese beiden sind nichts für Spritsparer und Öko-Aktivisten. Ganz im Gegenteil. Hybrid-Fahrer, die ihrem Autochen jeden Zehntelliter Kraftstoff abknausern, werden sich sicher vom neuen RS 4 und dem Panamera provoziert fühlen. Und die wenigen Fahrer eines Elektroautos werden nicht mehr als ein paar verächtliche Blicke für Porsche und Audi übrig haben. Aber alle anderen sollten für einen Moment alles vergessen, was sie über CO2-Emissionen und die Endlichkeit fossiler Rohstoffe gelernt haben. Ihren Kontostand kurz ausblenden und den Klang der hochdrehenden Achtzylinder genießen. Schließlich sind Panamera GTS und Audi RS 4 vermutlich die Letzten ihrer Art. Denn ihre Nachfolger werden elektrifiziert und mit kleinen, aufgeladenen Motoren auf Effizienz getrimmt. Alles zum Glück (noch) Zukunftsmusik.

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Video: Porsche Panamera GTS vs. Audi RS 4

Die lassen's noch krachen

Hier und heute geht es nicht darum, Antworten auf die Fragen der zukünftigen Mobilität zu finden, sondern schlicht um Fahrspaß. Porsche und Audi lassen es noch mal richtig krachen. Auf dem Papier haben die Konzernbrüder eine Menge gemeinsam: fetter V8 ohne Aufladung, aber mit mehr als 400 PS, Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe und Platz für vier Passagiere plus Gepäck. Doch während Audi seinen A4 durch die hauseigene quattro GmbH aufrüsten lässt, hat Porsche den Panamera ganz ohne Kompromisse und Rücksicht auf bestehende Plattformen konstruiert. Und das merkt man dem Dicken aus Zuffenhausen schon beim Einsteigen an: Satt fällt die schwere Tür ins Schloss, der Fahrer sitzt angenehm tief auf kleinen, sportlich konturierten Sitzen. Fast automatisch fallen die Hände auf das kleine, mit Alcantara bezogene Lenkrad. Wäre da nicht die enorme Breite des Panamera, könnte der Fahrer meinen, in einem Elfer zu sitzen. Auch das Ambiente des Porsche entspricht der gehobenen Preisklasse: Der Armaturenträger ist (gegen Aufpreis) fein beledert, Nähte wie mit dem Lineal gezogen, selbst bei genauem Hinschauen wirkt alles mit viel Liebe zum Detail gefertigt. Manufakturqualität.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi RS 4

Ein Sportler, der mit Platz punktet: Der Audi RS 4 Avant verpackt bis zu 1430 Litern Ladevolumen.

Porsche zeigt – zumindest in diesem Vergleich – dem Haptik-Weltmeister Audi, wie hochwertige Innenräume gebaut werden. Selbst wenn es beim RS 4 nur wenig zu beanstanden gibt, ist ihm mit seinem höheren Plastikanteil und einfacherer Anmutung die bürgerliche Abstammung anzumerken. Auch beim Platzangebot kann der Audi nicht mithalten, der Kombi ist eine Nummer kleiner als der Porsche. Vor allem im Fond des Panamera sitzt es sich auf ausgeformten Einzelsitzen mit reichlich Platz für Kopf und Beine wie in der Businessklasse eines Langstreckenfliegers. Der Audi hingegen kontert mit fünf Sitzplätzen und bis zu 1430 Liter großem, variablem Laderaum. Platzangebot? Kofferraum? Nicht wirklich wichtig, es geht hier um Spaß. Also Motor an. Der Porsche erwacht mit einem heiseren Schrei, der die Nachbarn aus dem Bett fallen lässt. Der RS 4 hingegen gibt sich dezenter, klingt nicht ganz so aufdringlich wie der GTS – und ist musikalisch trotzdem talentiert. Audi hat den richtigen Ton getroffen.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Wahlhebel auf D, los geht’s. Schon auf den ersten Metern fällt auf, wie heftig Audi den RS 4 abgestimmt hat. Der Testwagen ist mit dem "Sportfahrwerk plus" ausgestattet, das die Wahl lässt zwischen hart, ganz hart – und der völligen Verweigerung zu federn. Selbst Strecken, die von der letzten Fahrt mit einem anderen Auto als topfeben in Erinnerung blieben, schütteln die Insassen des RS4 durch. Solche halbstarken Manieren hat der Porsche nicht nötig. Trotz der 20-Zoll-Bereifung des Testwagens (1589 Euro) bietet der Panamera einen brauchbaren Komfort – selbst in der härtesten Stufe ist er angenehm zu fahren. Auf der Autobahn hingegen nähern sich Porsche und Audi an. Während sich die Luftfederung des Panamera verhärtet, fängt der Audi bei höheren Geschwindigkeiten an, etwas verbindlicher zu federn. Trotzdem ist der Ingolstädter auch hier im Nachteil.

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Ruhe vor dem Sturm: Zum finalen Schlagabtausch müssen Panamera GTS und RS 4 auf die Rennstrecke.

Während der GTS selbst in schnell gefahrenen Kurven sogar durch fiese Bodenwellen kaum aus der Ruhe zu bringen ist und stur dem eingeschlagenen Weg folgt, wirkt der Audi unruhig. Wo der Panamera völlig unbeeindruckt bleibt, wird im RS 4 das Heck leicht, und das – toll abgestimmte – ESP muss ihn auf Kurs halten. Lange Strecken? Im Porsche kein Problem, im Audi eher anstrengend. Dazu trägt auch die Akustik bei. Der im Stadtverkehr zu aufdringliche Motor des GTS tritt bei hohen Geschwindigkeiten in den Hintergrund, während sich der Audi mit seinem hämmernden V8-Sound zwar nach einem alten DTM-Auto anhört und bis 8500/min (!) dreht – aber auch schnell nervig wird. Extremer Audi und verbindlicher Porsche? Verkehrte Welt. Auch wenn es die Verantwortlichen nicht gern zugeben: Bei jedem Duell zwischen Porsche und Audi geht es auch darum, wer die sportlichsten Autos im VW-Konzern baut. Um darauf eine Antwort geben zu können, reicht es natürlich nicht, Panamera und RS 4 auf öffentlichen Straßen zu bewegen.

Wie sich die beiden Kontrahenten auf der Rennstrecke geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi Porsche
Motor V8, vorn längs V8, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 4163 cm³ 4806 cm³
kW (PS) bei 1/min 331 (450)/8250 316 (430)/6700
Nm bei 1/min 430/4000 520/3500
Vmax 280 km/h 288 km/h
Getriebe Siebengang-S-tronic Siebengang-PDK
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 265/30 R 20 Y 255/40–295/35 R 20
Reifentyp Pirelli P Zero Michelin Pilot Super Sport
Radgröße 9 x 20" 9,5–11,5 x 20"
Abgas CO2 249 g/km 256 g/km
Verbrauch* 14,6/8,5/10,7 l 16,1/8,0/10,9 l
Tankinhalt 61 l/Super plus 100 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 74 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine 2200/750 kg
Kofferraumvolumen 490–1430 l 445–1263 l
Länge/Breite/Höhe 4719/1850/1416 mm 4970/1931/1408 mm
Preis (wird bewertet) 92.650 Euro** 134.716 Euro***
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inklusive Abregelung bei 280 km/h 1500 €, Dynamiklenkung 1000 €, quattro mit Sportdifferenzial 950 €, Keramikbremse 6000 €, Schalensitze vorn 2800 €, Sportfahrwerk plus mit DRC 1950 €, belederte Armauflagen 250 € und 20-Zoll-Bereifung 1600 €; ***inklusive Keramikbremse 9187 €, Wankausgleich (PDCC) 4701 €, Dämmglas 1333 € und 20-Zoll-Mischbereifung 1589 €
Messwerte Audi Porsche
Beschleunigung
0–50 km/h 1,8 s 1,5 s
0–100 km/h 4,7 s 4,5 s
0–130 km/h 7,2 s 7,2 s
0–160km/h 10,4 s 10,9 s
0–200 km/h 16,1 s 17,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,3 s 2,5 s
80–120 km/h 2,8 s 3,1 s
Leergewicht/Zuladung 1850/515 kg 1944/536 kg
Gewichtsverteilung v./h. 56/44 % 53/47 %
Wendekreis links/rechts 11,5/12,1 m 11,6/11,9 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,5 m 34,1 m
aus 100 km/h warm 34,2 m 33,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 60 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 66 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 11,8 l SP – 280 g/km 12,8 l SP – 304 g/km
Reichweite 510 km 780 km

Die lassen's nochmal krachen

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Audi RS 4, Porsche Panamera GTS

Veröffentlicht:

24.08.2012

Preis:

1,00 €

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Wer ein vernünftiges Auto sucht, ist hier fehl am Platz. Porsche und Audi setzen sich mit Panamera GTS und RS 4 über jede Umweltdiskussion hinweg – erobern dafür aber alle sportlichen Herzen. Porsche baut unterm Strich das deutlich bessere Auto, fein austariert und mit ausgeprägtem Talent für Rennpisten. Der Audi ist härter abgestimmt und enger, bietet aber einen variablen Kofferraum und fünf Sitzplätze. Das reicht nicht, um die Eigenschaftswertung zu gewinnen. Einzig der niedrigere Preis rettet seinen knappen Testsieg.

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