Porsche Panamera II 4S Diesel (2016): Fahrberic

Porsche Panamera II 4S Diesel (2016): Fahrbericht

— 22.08.2016

Die schnellste Diesel-Limo der Welt

Im neuen Porsche Panamera 4S Diesel steckt ein 422 PS starker Selbstzünder. AUTO BILD fuhr die schnellste Diesel-Limousine der Welt!

Video: Porsche Panamera Turbo (2016)

Der 550-PS-Panamera

Mit der zweiten Generation des Porsche Panamera ist eine bislang eher graue Diesel-Maus über Nacht zum neuen Star aufgestiegen: Der nagelneue, allradgetriebene Porsche Panamera 4S Diesel bringt es auf 422 PS und bullige 850 Nm Drehmoment – was den Sportler postwendend zur offiziell schnellsten serienmäßigen Diesel-Limousine der Welt befördert. Das maximale Drehmoment liegt schon bei 1000 Umdrehungen an, weshalb der der neue 4S Diesel insbesondere bei niedrigen und mittleren Drehzahlen imposant anschiebt. Allein am oberen Ende des Drehzahlbandes wird der Tatendrang etwas dünner.

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Wie spektakulär der Viertürer nach vorne peitscht, erlebte AUTO BILD beim Auffahren auf eine Autobahn und beim Überholvorgang von 80 auf 120 km/h auf der Landstraße. Das dauert gerade mal winzige drei Sekunden – und das Drücken des nach wie vor wie ein Fremdkörper am griffigen Lenkrad wirkenden Fahrprogrammschalters kann man sich getrost sparen.

Porsche Panamera II (2016): Vorstellung

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Die berührungsempfindlichen Schalterflächen reagieren nicht immer auf Anhieb.

Der vier Liter große V8-Diesel mit Zylinderabschaltung hält sich akustisch selbst in den beiden Sportprogrammen überraschend dezent im Hintergrund. Wer so viel Dampf in sich trägt, der darf gerade in höheren Drehzahlsphären akustisch auch mal wilder auf den Putz hauen. Es bleibt schließlich ein Porsche, der auf Wunsch 285 km/h schnell ist oder in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 spurtet. Sein Normverbrauch liegt bei 6,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Wer den optionalen 90-Liter-Tank ordert, der kann damit zumindest theoretisch fast 1500 Kilometer zurücklegen – in der schnellsten Diesel-Limousine der Welt. Anders als zu erwarten, ist der Porsche Panamera obligatorisch mit einem achtstufigen Doppelkupplungsgetriebe unterwegs. Das schnalzt unter Last prächtig in die einzelnen Gangstufen und macht auch bei lässiger Fahrt einen guten Eindruck; kommt aber gerade bei langsamer Fahrt nicht an den Komfort einer Wandlerautomatik mit ebenso vielen Schaltstufen heran.

Über zwei Tonnen Leergewicht

Das Spurtpotenzial des 422-PS-Schwaben ist beeindruckend, wobei er sein opulentes Leergewicht von über 2,1 Tonnen (trotz Hauben, Dach, Türen und Frontkotflügeln aus Aluminium) kaum überspielen kann. Daran ändern auch winzige Wankbewegungen in engen Kehren oder eine beeindruckend niedrige Untersteuerneigung im Grenzbereich wenig. Die Lenkung bietet dabei eine Mischung aus Direktheit und Komfort, wie man sich diese von einer sportlichen Luxuslimousine wünscht. Das Geräuschniveau ist auch ohne Doppelglas im Innenraum angenehm gering, wenngleich die üppig dimensionierten Außenspiegel bei höheren Autobahntempi ein störendes Liedchen singen.

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Porsche bleibt dem analogen Drehzahlmesser treu

Der mittige Drehzahlmesser ist analog, rechts und links davon informiert je ein digitales Display.

Der komplett neu gestaltete Innenraum gefällt. Die Schalterwüste an der Mittelkonsole wie in einem Flugzeugcockpit ist verschwunden und wurde durch berührungsempfindliche Schalterflächen ersetzt. Die Taster reagieren nicht immer beim ersten Versuch und hinterlassen manche Fettfinger, sehen in der Gesamtkomposition jedoch edel aus. Der große Touch-Bildschirm lässt sich nahezu perfekt bedienen und fügt sich gut ins Armaturenbrett ein. Es leuchtet jedoch wenig ein, wieso der Fahrer zwischen den beiden gut ablesbaren Displays noch auf einen analogen Drehzahlmesser blickt. So viel Retrocharme muss in einer Hightech-Limousine wie dem Porsche Panamera wirklich nicht sein. Der Sitzkomfort ist gut. Die belederten Einzelsitze bieten einen guten Reisekomfort, könnten aber durchaus noch etwas mehr Seitenhalt bieten. Das Platzangebot ist vorne wie hinten für vier Erwachsene mehr als ausreichend.

Porsche Panamera II (2016): Sitzprobe

Für fast 120.000 Euro gibt es nicht mal Vollleder serienmäßig

Der Preis des Porsche Panamera 4S Diesel verschlägt einem geradezu den Atem. Für stattliche 116.954 Euro gibt es nicht mehr als ein solides Basispaket mit Teilledersitzen, LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik und Navigation. Wer wirklichen Luxus will, der findet bei den Sonderausstattungen kein Ende und treibt den Preis mit schicken 21-Zöllern, klimatisierten Massageeinzelsitzen vorne und hinten (ca. 7300 Euro), teurem Fahrerassistenzpaket (3250 Euro) und dem schamlos gepreisten Burmester-Sound (6747 Euro) locker über die 170.000-Euro-Marke. Dafür gibt es auch schon einen BMW M760Li xDrive oder einen Mercedes-AMG S63 4Matic mit kompletter Ausstattung und fast 600 PS – aber ohne Porsche-Gene.

Porsche Panamera II 4S Diesel (2016): Fahrbericht

Panamera fahren für unter 40.000 Euro

Für deutlich weniger Geld gibt es die viertürige Porsche-Limousine gebraucht. Die günstigsten Modelle in den Online-Börsen sind ab etwa 37.000 Euro zu haben. Dafür gibt es frühe 2009er- oder 2010er-Exemplare des 300 PS starken Panamera (4) mit knapp unter 200.000 Kilometern Laufleistung vom Privatmann oder "Kieshändler". Wer mehr Leistung möchte, nimmt den Panamera S oder 4S mit 400-PS-V8. Diese Modelle sind mit gut 40.000 Euro kaum teurer in der Anschaffung. Seit 2011 bietet Porsche den Panamera auch als 250 PS starken Diesel an. Der Selbstzünder macht den Panamera zur komfortablen Reiselimousine, weshalb gebrauchte Panamera-Diesel gesucht sind. 2011er-Modelle mit gut 100.000 Kilometern auf der Uhr starten bei rund 45.000 Euro. Ebenfalls seit 2011 gibt es den Panamera S E-Hybrid, der einen Sechszylinder-Benziner mit einem Elektromotor koppelt.

Für unter 40.000 Euro bekommt man gebrauchte Porsche Panamera der ersten Generation.

Als Hybrid ist der Panamera gebraucht eher selten zu finden, und die Preise schwanken stark. Bei knapp 50.000 Euro geht es los. Wer ordentlich Leistung möchte, greift zum 500 PS starken Panamera Turbo. Hier ist die Auswahl groß. Sehr gut ausgestattete Exemplare aus frühen Baujahren mit etwa 100.000 Kilometern gibt es ab etwa 56.000 Euro. Der noch stärkere Turbo S mit 550 PS ist selten und beginnt bei etwa 69.000 Euro. Ab Mitte 2013 bekam der Panamera ein leichtes Facelift, die Optik wurde aufgefrischt, das Heck dabei etwas sanfter gestaltet und die Motoren bekamen mehr Leistung. 2014er-Facelift-Modelle kosten online mindestens 64.000 Euro. Wer einen Panamera Turbo aus 2014 (jetzt mit 520 PS) haben möchte, muss rund 86.000 Euro bereithalten. Dafür gibt es jedoch jungfräuliche Modelle mit deutlich weniger als 50.000 Kilometern Laufleistung. Probleme macht der Porsche Panamera kaum, auch die TÜV-Statistiken stimmen. Entgegen vieler Erwartungen sind die Unterhaltskosten nicht so hoch wie gedacht. Im Dauertest leistete sich der Panamera Diesel kaum Schwächen, und auch die Wartungskosten waren mit rund 400 Euro für die 30.000 Kilometer-Inspektion erfreulich niedrig. Einzig die Achtzylinder-Modelle sind sehr durstig, zudem können die Bremsen aufgrund des hohen Gewichts schnell verschleißen. Gebrauchtwagenangebote: Porsche Panamera

Autor: Stefan Grundhoff

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