Porsches Historie in Le Mans

Porsche in Le Mans

Porsche-Piloten gewinnen Sportwagen-WM

— 23.11.2015

Webber & Co. feiern Weltmeistertitel

Zittern bis zum Schluss: Mark Webber hat mit seinen Kollegen Timo Bernhard und Brendon Hartley für Porsche den Fahrertitel in der Sportwagen-WM geholt.

Die Porsche-Werksfahrer Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber haben sich bei der Langstrecken-WM für Sportwagen den Titel geholt. Dem Trio reichte beim WEC-Saisonfinale in Bahrain im Porsche 919 Hybrid der fünfte Platz für den Gesamterfolg. "Dass wir die Fahrer-Weltmeisterschaft gewonnen haben, ist ein außergewöhnlicher Moment für mich", sagte der 34 Jahre alte Bernhard aus Bruchmühlbach-Miesau. Bernhard, der Neuseeländer Hartley und der ehemalige Formel-1-Pilot Webber aus Australien profitierten beim Sechs-Stunden-Rennen in Sakhir aber auch von der Schützenhilfe ihrer Markenkollegen, nachdem sie selbst durch einen Schaden früh viel Zeit verloren hatten.
24 Stunden von Le Mans 2015: Doppel-Triumph für Porsche

Audi-Trio fehlen fünf Punkte

Grenzenloser Jubel: Bei Webber (Mitte) und seinen Teamkollegen brachen im Ziel alle Dämme

Marc Lieb (Ludwigsburg), Romain Dumas (Frankreich) und Neel Jani (Schweiz) setzten sich in einem weiteren Porsche 919 Hybrid nach 199 Runden auf dem Wüstenkurs mit 1:25,310 Minuten Vorsprung vor André Lotterer (Duisburg), Marcel Fässler (Schweiz) und Benoit Tréluyer (Frankreich) in einem Audi R18 e-tron quattro durch. Das Audi-Trio verpasste dadurch auch knapp den Titelgewinn. Bernhard/Hartley/Webber lagen mit 166 Punkten fünf Zähler vor Lotterer/Tréluyer/Fässler (161). Der dienstälteste Porsche-Werksfahrer Bernhard hat nun bei allen großen Langstrecken-Entscheidungen gewonnen. "Es war klasse, das Team in Le Mans siegen zu sehen und mit unserem Auto den Doppelsieg perfekt zu machen. Ein weiteres Highlight war natürlich der Gewinn der Marken-Weltmeisterschaft mit Porsche", sagte er.

Die Schaltzentrale des Porsche 919 Hybrid

"Gemeinsam mit Mark und Brendon die Fahrer-Weltmeisterschaft erobert zu haben, ist für mich persönlich das i-Tüpfelchen", freute sich Bernhard. Noch größer war der Jubel aber bei Teamkollege Webber, der trotz seiner eindrucksvollen und langen Karriere im Motorsport nun zum ersten Mal überhaupt einen großen Titel gewonnen hat. Fünf Jahre nachdem er im Finalrennen der Formel 1 2010 in Abu Dhabi letztmals WM-Chancen hatte und damals Red-Bull-Teamkollege Sebastian Vettel unterlag, sollte es für Webber auch in Bahrain zu einer echten Nervenprobe werden - denn fast sah es so aus, als würde sein Traum wieder kurz vor der Zielflagge platzen. Dementsprechend zeigte sich der Australier nach dem diesmal glücklicheren Ende emotional: "Das ist ein massiver Moment für mich!"

Webber bedankt sich bei 'Genie'

Nicht ohne Probleme: Der Fahrer-Titel für Porsches Trio hing beim Finale in Bahrain am seidenen Faden

"Wir hatten große Sorgen beim letzten Boxenstopp. Wir haben fünf oder sechs Runden lang nur besprochen, wie wir den Stopp machen", so Webber. Am Porsche 919 Hybrid war zuvor ein Aktuator zu Schaden gekommen, was dafür sorgte, dass die Gaspedalbefehle nicht mehr korrekt umgesetzt wurden. Das Problem wurde im Laufe des Rennens immer schlimmer. Doch Porsche hatte einen Plan, der aufgehen sollte. "Ich weiß nicht, wer die Idee hatte, aber er ist ein Genie und ihm werde ich an der Bar heute Abend einiges ausgeben", jubelte Webber später. "Wir haben in der Boxengasse alles mit dem Elektromotor gemacht, das war eine sensationelle Idee!" Das einzige Problem bestand darin, den Verbrennungsmotor wieder zum Laufen zu bekommen - in der WEC muss der Motor beim Nachtanken abgestellt werden.

Porsches Historie in Le Mans

Der 919 ruckelte, zitterte und schnaufte, doch schließlich sprang der V4 an und Webber konnte wieder mit über 1.000 PS beschleunigen. Für die Zuschauer ist dies nur der letzte einer Reihe von dramatischen Momenten gewesen, die die Startnummer 17 heimgesucht haben. Zweimal musste das Fahrzeug mit dem Aktuator-Problem an die Box, mehrfach blieb der Bolide auf offener Strecke stehen und fuhr wieder los. Porsche-Fans bekamen einen Herzkasper nach dem nächsten serviert. Auch für Webber war es eine Zitterpartie: "Ich habe gegen Ende mit dem Auto geredet: 'Komm schon, du schaffst das!' Aber man konnte hören, dass diese Lady nicht sehr glücklich war."

Zittern bis zur letzten Runde

Erfolg auf ganzer Linie im Jahr 2015: Porsche gewann nach dem Herstellertitel auch bei den Fahrern

Zu allen Aktuator-Problemen gesellte sich auch noch ein Problem mit dem Hybridantrieb. "Auf der Auslaufrunde ist das Auto ohne Saft in der Batterie stehen geblieben", atmete Webber durch. Doch damit nicht genug: Der defekte Aktuator bedeutete, dass das Gas unregelmäßig angenommen wurde. "Ein Alptraum im Verkehr", bemerkte der 39-Jährige. "Und ich musste pushen ohne Ende, um wieder Zeit aufzuholen. Aber dann sagten sie mir, es sei genug und ich begann das Auto zu schonen." Webber hielt sich fortan von den Randsteinen fern, fuhr Zeiten, die fünf Sekunden langsamer als normal waren und trug das weidwunde Fahrzeug über die Ziellinie, was bei Porsche alle Dämme brechen ließ. Der Schongang tat gut, wie er selber wusste. "Ich habe gesehen, wie sie das Problem behoben hatten, das war kein Porsche-Qualitätsservice", lachte Webber nach seiem allerersten Automobil-Titel. (fh/dpa/mst)
Fotos: Picture-Alliance

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