Porsche Turbo gegen Lamborghini Gallardo

Porsche Turbo gegen Lamborghini Gallardo

— 12.01.2004

Ein Stier sieht rot

Wenn der Lamborghini Gallardo das Haupt zum Angriff senkt, bleibt den meisten Konkurrenten nur die Kapitulation. Kann der Porsche Turbo die Marke mit dem Stier einbremsen?

Wie ein Hai am Badestrand

Nach Luft schlrfende Einlsse am Frontspoiler, gierig saugende Kiemen fr die Ladeluftkhler an der Seite und ein aufragender Flgel am Heck der Porsche Turbo wirkt im normalen Straenverkehr so Respekt einflend wie ein Hai am Badestrand.

Star-Rummel, adieu: Wenn der neue Lamborghini Gallardo zum Schaulaufen auf unsere Straen rollt, verblasst der Porsche zum Kulissenschieber. Gegen die kompromisslos, ebenso leicht wie brachial gezeichnete Autoskulptur wirkt selbst der 911 kaum spektakulrer als ein VW Kfer. Das gilt auch fr die Technik des Heckmotor-Autos, das auf relativ rohe Art auf Supersportwagen-Niveau gedopt wird: Seine 420 PS schafft der 3,6 Liter-Boxer nur mit Hilfe von zwei Turbos.

Der neue Lamborghini prsentiert dagegen die ganz Palette kreativer Ingenieurskunst: Fnf Liter Hubraum, Zehn-Zylinder-Mittelmotor in V-Anordnung, insgesamt vier oben liegende Nockenwellen und 40 Ventile. Leistung: 500 PS bei 7800 U/min.

Finger weg vom Stabilittsprogramm!

Das Kraftpaket kauert hinter den beiden Sitzpltzen, festgeschraubt an einem Aluminium-Space-Frame-Rahmen, Lamborghini-Eigentmer Audi lsst gren. Auch bei dem Allradantrieb mit Viscokupplung ist die Handschrift der Ingolstdter zu erkennen. Eine Konstruktion, mit der auch der Porsche um mehr Traktion ringt. Aber nur mit Teilerfolg.

Zwar bringt er seine Leistung sicher auf die Strae. Aber das andere Allrad-Anliegen, neutrales Fahrverhalten, verfehlt er. Mit dem relativ bersichtlichen, insgesamt unproblematisch zu handhabenden Turbo zum Einkaufen fahren? Und danach ber einen schnellen Alpenpass? Kein Problem.

Doch im Grenzbereich muss man das Heck im Auge behalten wie ein Gefngnisaufseher schwere Jungs. Einmal ausgebrochen, bekommen nur noch Profis die Situation unter Kontrolle. Oder das serienmige Stabilittsprogramm PSM, das besser immer eingeschaltet bleiben sollte. Sicher ist sicher.

Tiefes Grollen, frhliches Trompeten

Mit dieser Lektion in den Knochen besteigt man umso nervser den Gallardo. Mittelmotor-Autos gelten als genauso zickig wie eine Hollywood-Diva. Erst recht ein Lamborghini. Das schwarze Cockpit verschluckt einen frmlich. Und wo der Porsche dem Beifahrer-Knie brav den Airbag entgegenwlbt, holt das rampenfrmige Gallardo-Cockpit zu seiner herrischen Geste aus um von der fast liegenden Frontscheibe erst auf Radhhe wieder eingebremst zu werden. Es scheint, als erhebe der Gallardo Anspruch auf zwei Fahrspuren. Der Start des grollenden Motors beruhigt erwartungsgem wenig: Sein unruhiger Leerlauf erinnert an einen nervsen Boxer, der gleich zum Schlag ausholt.

Ein Tritt auf das Gaspedal gengt, und der V10 geht an die Decke. Das E-Gear des Testwagens haut den ersten Gang rein, und der Italiener legt los. Dabei ist es zunchst nicht die Wucht der Beschleunigung, die Eindruck macht der Motor inszeniert ein Konzert, dass es wert wre, in der Mailnder Scala aufgefhrt zu werden: Das tiefe Grollen verliert sich bei mittlerer Drehzahl schnell in frhlichem Trompeten mal hell, mal dunkel, je nach Last. Der Fahrer fhlt sich fast als Musikant.

Der wie zugestopft klingende Porsche Turbo kommt da so wenig heran wie ein Leierkastenmann an eine italienische Oper. Dafr prgt er trotz seines Leistungs-Defizits von 80 PS ein gewaltigeres Beschleunigungserlebnis. Der Turbo-Boxer tritt brutal zu, strmt an die Drehzahlgrenze, schlgt nach dem Gangwechsel kaum geschwcht wieder zu.

Gallardo nimmt 911er zwei Sekunden ab

Die Wucht von Turbos ist eben kaum zu berbieten: Der Porsche stemmt sein maximales Drehmoment bei 2700 U/min. Und nicht erst bei 4500 U/min wie der Gallardo. Der verteilt seine Leistung so gleichmig ber die Drehzahlleiter wie eine italienische Mama die Spaghetti. Tacho 200 erreicht er schon nach 13,8 Sekunden. Der Porsche hlt gut mit: 15 Sekunden.

Auf der Rennstrecke hat der strrische Turbo aber keine Chance. In 1,47 Minuten will er in Oschersleben um die Strecke gezwungen werden. Der Lambo schafft das zwei Sekunden schneller. Und das ohne Lenkakrobatik. Fahrer wie Auto pflgen gelassen durch den Grenzbereich. Die Sportsitze geben selbst in schnellen Kurven ihren Halt nicht auf. Welche Fliehkrfte hier am Werk sind, merkt man erst nach vielen Runden wenn die Halsmuskulatur zu schmerzen beginnt.

Wer im Porsche hnliche Untersttzung genieen will, muss fr Extra-Geld Sport- oder Schalensitze ordern. Die Basis-Sitze bieten nicht mehr Seitenhalt als die in einem VW Golf. An Innenausstattung bietet der Porsche aber etwas, was bei Lamborghini weder fr Geld noch gute Worte zu haben ist: zwei Notsitze im Fond. Nicht nur das macht den Zuffenhausener im Alltag bekmmlicher. Er ist sparsamer, bersichtlicher, leiser, weniger hart gefedert und problemloser einzuparken. Gibt es etwas Demtigenderes, das man ber einen Supersportwagen sagen kann?

Fazit und Technische Daten

Fazit Der Lamborghini fhrt den Porsche in fast jeder Hinsicht vor. In seiner Mitte bebt der faszinierendere Motor, in seinen Radksten das schnellere Fahrwerk. Italienisches Feuer, verbunden mit germanischer Perfektion: Eine grere Gefahr hat es fr den 911 nie gegeben.

Porsche oder Lamborghini Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr Porsche 911 Turbo und Lamborghini Gallardo. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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