Portrait Erich Bitter

Porträt Erich Bitter Porträt Erich Bitter

Portrait Erich Bitter

— 13.03.2003

Neuer Versuch

Auf dem Genfer Salon debütiert mal wieder ein Bitter: formvollendet, elegant und mit GM-Technik unter dem Blech. Genau wie vor 30 Jahren, als Erich Bitter den inzwischen legendären CD präsentierte. Wer – und vor allem wie – ist der Mann, der es einfach nicht lassen kann?

Der Marathon-Mann macht wieder Meilen

Solide steht er da. Antik, massiv, quadratisch, mit seinen vier Beinen fest auf dem Boden. Dieser Tisch hat viel erlebt. Wie der Mann, der dahinter sitzt. Auch wenn er jetzt gerade wieder aufspringt. Unruhe ist sein Geschäftsgeheimnis.

"Mit dem Tisch bin ich seit 40 Jahren unterwegs, der war überall dabei", sagt Erich Bitter. Und das will was heißen. Um dieses Leben auszubreiten, braucht es schon einen sehr großen Tisch. Bitter war Kaufmann, Radprofi, Autorennfahrer, Firmengründer, Kfz-Importeur, Fahrzeughersteller, Vorausentwickler. In Schwelm, Beverly Hills und Braunschweig. Stationen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, genug für zwei Rennsport- und mehrere Unternehmer-Karrieren, genau richtig für Erich Bitter, der trocken meint: "So ist es halt, ich habe immer mehr gemacht als andere."

Wie letzte Woche, als der Marathon-Mann Bitter mal wieder richtig Meilen machte. "Montagmorgen nach Frankfurt, von dort aus erst nach New York, dann nach Detroit, diverse Treffen mit diversen Partnern. Zwei Tage dageblieben, über New York nach Frankfurt und sofort mit dem Auto runter nach Turin, da steht der neue Prototyp. Dann ins Altmühltal zu einem Entwickler und erst am Samstag wieder nach Hause." Das größte Problem dabei: "Der Rückreiseverkehr aus den Winterferien. Das schlaucht, ich bin schließlich keine 50 mehr", lacht Bitter.

Bitter IS back – auf Holden-Basis

Seit bald 20 Jahren ist Bitter nicht mehr 50, auch wenn er immer noch so aussieht. Der Mann, der Mitte der achtziger Jahre einmal Deutschlands achtgrößter Autobauer war, wird im August 70. Gefeiert wird jetzt schon. Motto: Bitter is back, auf dem Genfer Salon, zweiter Stock von Halle 2, seinem Stammplatz seit 20 Jahren. Dort steht er, der neue Bitter, das Auto, wohlgemerkt. Auf Holden-Basis, geduckt und kraftvoll, mit amerikanischen Achtzylinder-Anlagen, also fast wie vor 30 Jahren, als in Frankfurt der Bitter CD debütierte.

Angefangen hatte alles mit dem Intermeccanica Indra, mit dem Bitter ins Autogeschäft eingestiegen war. "Der hatte zwar solide Opel-Technik, war aber katastrophal verarbeitet. Da musste ich oft nach Turin fahren und die Schrauben richtig anziehen." Bob Lutz, seinerzeit Verkaufsvorstand bei Opel, sagte ihm Hilfe zu, Ferry Porsche gab ihm den entscheidenden Tipp: "Baue ein gutes Auto und schreibe Bitter dran. Porsche klingt auch nicht besser", sagte der alte Herr Porsche zum jungen Herrn Bitter.

Ein anderer großer Österreicher, der in Wien geborene Wahl-Italiener Carlo Abarth, hätte das vermutlich anders gesehen. Für den PS-Zauberer verkaufte Bitter nicht nur Autos, sondern fuhr auch im Werksteam – eine Kombination, die für ordentlich Feuer unterm Boxendach sorgte: "Ich habe oft das schlechtere Auto bekommen, damit seine hoch bezahlten Stars auch ja gewannen. Dann habe ich sie eben mit meinem Privat-Wagen überholt – da tobte Abarth." Eine wahre Zeitmaschine ist es, die hier anspringt, allerdings ohne die Gegenwart aus den hellblauen Augen zu verlieren. Bob Lutz, Ferry Porsche, Carlo Abarth – alles gehört zusammen.

Ein neues Auto, aus Begeisterung geboren

Der Beginn der Radrenn-Karriere mit 15 Jahren in Kassel mit dem 1-Gang-Tourenrad und dem zweiten Platz. Mit den Renneinsätzen auf NSU Prinz II zehn Jahre danach. Bitter: "In zwölfeinhalb Minuten um die alte Nordschleife – mit nur 33 PS im Heck!" Und der Prinz fuhr um die Wette mit den Königen: Striezel Stuck, Willi Kauhsen, Vic Elford, Rolf Stommelen, Gerard Larrousse, Jo Siffert, Huschke von Hanstein – sie alle waren seine Gegner. Die er nebenbei mit Kleidung und Ausrüstung aus seinem Rallye-Laden versorgte – und einigen von ihnen damit das Leben rettete. Heute hängen ihre Konterfeis auf dem langen Flur, der zu Bitters Büro auf dem ehemaligen Büssing- Gelände in Braunschweig führt.

Seit drei Jahren geht es hier wieder einmal um die Zukunft. 52 Mitarbeiter forschen daran, ohne dass der Chef die Vergangenheit in Schwelm ad acta legen wollte. "Da komme ich her, da wohne ich, deswegen ist der Firmensitz noch immer in meiner Heimat. Aber hier sind wir näher bei VW, für die wir Vorausentwicklung betreiben. Mehr darf ich aber nicht verraten."

Lieber redet Bitter über das jüngste Projekt, das seinen Namen trägt: "Vor zwei Jahren hat mich Peter Hanenberger angesprochen. Der war früher bei Opel, ist heute Chef bei Holden in Australien. Die bauen da gute Autos", sagt Bitter. Dralle Coupés, Bigbanger mit Kraft und Saft aus sechs oder acht Zylindern in V-Form. Wie damals, 1973. Und wie damals ist es GM-Chef Bob Lutz, der 30 Jahre später erneut grünes Licht gibt. "Da mussten wir uns schon ranhalten." Ein neues Auto, eine tolle Idee, aus Begeisterung geboren. Ab 2004 soll eine Kleinserie von 100 Stück pro Jahr produziert werden.

Bestes vom Besten im neuen Bitter

Stets sind Rationalität und Emotionalität, die Grundtöne im Leben und Konstruieren des Erich Bitter, die sich im neuen Projekt verbinden sollen. "Um Gottes willen, an der Basis des Holden Monaro wollte ich nie etwas ändern. Das Abenteuer, den Senator-Motor damals aufzupusten, hat mir gereicht. Was für eine Wahnsinns-Entwicklungsarbeit, was für Kosten ... Aber die Amerikaner wollten eben mehr." Dieses Mal gibt’s von Anfang an genug: 340 PS aus 5,7 Litern sollten reichen.

Doch die Hülle über dem Holden bleibt Chefsache, so war es schon immer. "Alles, was ich brauche, sind ein Stift und ein Blatt Papier. Daraus wird dann ein neues Auto", sagt Erich Bitter. Den Rest erledigt ein alter Freund aus GM-Zeiten: George Gallion, ehemals Designchef bei Opel, kümmert sich als Pensionär um die Feinheiten. "Ich muss alles anpacken", ruft Bitter, schon wieder auf dem Sprung.

Aus einem Schrank holt er ein dickes, schwarzes Stück Leder. "Das Beste vom Besten, sündhaft teuer, hat sonst keiner. Daraus werden die Bezüge im neuen Bitter." Dann setzt er sich wieder hin. "Beweisen muss ich mir nichts mehr, das macht nur noch Spaß", sagt Erich Bitter und legt sein Leder auf seinen Tisch. Beide werden auch in der Zukunft noch viel zu sehen bekommen.

Lebenslauf und Datenblatt Bitter Coupé 2003

Erich Bitter Am 11. August 1933 in Schwelm geboren, 1949 beginnt er eine Lehre im Fahrradhandel der Eltern. 1953 wird er jüngster Radprofi Deutschlands. 1959 startet Bitter seine Motorsport-Karriere, fährt für NSU, Abarth und Opel. Nach einem schweren Unfall beendet Bitter seine aktive Laufbahn und konzentriert sich auf seine Motorsport-Zubehör-Firma "Rallye Bitter". 1969 beginnt seine Konstrukteurskarriere.

Bitter Coupé 2003 Technische Daten: V8, vorn längs • Hubraum 5665 cm3 • Leistung 250 kW (340 PS) bei 5200/min • max. Drehmoment 460 Nm bei 4400/min • Sechsgangschaltgetriebe, wahlweise Vierstufenautomatik • Hinterradantrieb • rundum Einzelradaufhängung mit Stabis • rundum belüftete Scheibenbremsen • Länge/Breite/ Höhe 4945/1893/1397 mm • Radstand 2788 mm • Leergewicht 1665 kg • 0–100 km/h in 5,5 s • Spitze 254 km/h • Preis vermutlich um 100.000 Euro

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