Power-Limousinen im Vergleich

— 21.10.2010

Der BMW M3 macht alle nass

Potente Limousinen der Mittelklasse gibt es reichlich. Doch welcher Viertürer bringt Sportsgeist und Alltagstauglichkeit am gelungensten in Einklang? Fünf Modelle treffen sich zum Showdown.



Shampoo und Conditioner, Wasch und Wachs, Diät-Cola – das Leben ist voller fauler Kompromisse. Sportwagen und alltagstaugliche Mittelklasse in einem, das klingt ähnlich verzichtbehaftet. Beide Gattungen finden jedoch seit 25 Jahren erfolgreich zueinander – im BMW M3. Mit siebengängigem Doppelkupplungsgetriebe und den breiteren, spurweitenden 19-Zöllern, 10 Millimeter Tieferlegung und spezieller Abstimmung der elektronischen Dämpfereinstellung des Competition-Pakets gibt sich der 420-PS-Bolide ambitionierter denn je. Wohl auch aus Selbstschutz, denn die Konkurrenz ist mächtig.

Überblick: Alle News und Tests zu Lexus

Kleinserienhersteller Alpina blickt ebenfalls auf eine lange Tradition starker Mittelklässler zurück. In seiner jüngsten Fassung hält das Allgäuer Pendant zum M3 kaum mehr als Respektabstand. 400 PS leistet der kürzlich erstarkte B3 S Biturbo mit Hilfe einer optimierten Abgasanlage und neuer Motorelektronik. Gegenüber seinem Vorfahren AMG 190 E 3.2 mit 234 PS von 1987 hat sich die Leistung des Mercedes C 63 AMG fast verdoppelt – mit Performance Package Plus sogar mehr. Neben Karbon-Heckdeckel, Verbundbremsanlage für die Vorderachse und einem mit Alcantara bespannten Sportlenkrad treiben Schmiedekolben aus dem SLS, andere Pleuel und eine erleichterte Kurbelwelle die Leistung um 30 PS in die Höhe – 487 Pferde fallen über die Hinterachse her. Um beim spaßigen Treiben der deutschen Konkurrenz nicht länger nur zuschauender Zaungast zu sein, präsentierte Lexus 2008 den achtzylindrigen IS-F. Kritik über mangelnde Traktion entgegneten die Japaner im letzten Jahr mit einem mechanischen Sperrdifferenzial – und rechnen sich damit gegen die etablierten Platzhirsche nun noch bessere Chancen aus.

Überblick: Alle News und Tests zum Cadillac

Was viele nicht wissen: Wo Lexus jetzt ist, war Cadillac schon. Der erste CTS-V rückte in den USA vor sechs Jahren an. 400 PS stark, aber auch mit reichlich ungehobelt trampelndem Antriebsstrang rockte er über amerikanische Highways. Aus den Fehlern hat GM gelernt. Butterweich rückt die Kupplung des neuen Modells ein, dazu gleiten die Gänge sämig durch die eng gestuften Gassen. Als einziger Anbieter in der oberen Mittelklasse leistet sich Cadillac den Luxus eines Handschaltgetriebes. Warum der Zweitonner dann an einem Mittelklasse-Vergleich teilnimmt? Weil sein Preis dazu passt. 74.950 Euro – dafür gibt es absolute Vollausstattung und 564 Kompressor-PS. Auf 250 km/h ist keiner schneller, erst bei unlimitierten 308 km/h siegen die Fahrwiderstände. Selbst dann vermittelt der CTS-V, abgesehen von der stark flatternden Motorhaube, noch Vertrauen. Der Lexus bewältigt seine Aufgaben nicht ganz so souverän. Zwar agiert auch seine Lenkung mit homogenem Kraftaufwand, arbeitet allerdings bei langsamen Geschwindigkeiten sehr indifferent. Mehr Laune bereitet die Antriebseinheit, auch wenn sie im Vergleich am schwächsten wirkt und ihre Werksangaben klar verfehlt. Ab 3800 Touren gibt der zusammen mit Yamaha entwickelte, kultiviert laufende Motor ein kraftvolles, durch Auspuffklappen verstärktes Knurren von sich.

News und Tests zum BMW

Mercedes gibt eine eher kernige Interpretation der Fahrbahnoberfläche an die Insassen weiter, springt aber nicht wie der Lexus. Sein großvolumiger V8 liefert besonders gehaltvollen Sound, garniert von Spratzeln und Bollern. Gierig nimmt er sich Landstraßen zur Brust, lenkt straff und zackig ein und untersteuert kaum. Er ist handlicher als der formatbedingt ausladendere CTS-V und verwächst viel mehr mit dem Fahrer als der Lexus. Der BMW M3 gibt sich dank effektiv funktionierender Launch-Control-Unterstützung des DKG kaum kapriziös. Erst über 200 km/h ziehen Benz und Cadillac nennenswert davon. Den Dampfhammer-Auftritt und liebenswerten Hooligan-Charakter des AMG beantwortet er mit Drehzahl-Feingeist. Bei kaltem Motor rasselt er im Leerlauf, dreht mit markiger Tourenwagen-Stimme bis 8300, nach rasanter Fahrt knistern die abkühlenden Compound-Bremsen – die Motorsport-Seele lebt. Sein optionales Doppelkupplungsgetriebe kommt dem Optimum am nächsten.

Überblick: Alle News und Tests zu Alpina

Vor dem Alpina ist er trotzdem nicht sicher. Echte 300 km/h rennt der dezente Gentleman aus dem Allgäu, klebt dem M3 mit gleichwertiger Beschleunigung wie Kaugummi am Heck, düpiert ihn gar beim Zwischenspurt, weil sein Wandler bei Kickdown nicht leistungsreduzierend auf sorgsam sortierende Doppelkupplungen Rücksicht nehmen muss. Auch bei hohem Tempo wirkt das komfortable Fahrwerk weniger souverän als das von BMW, Cadillac und Mercedes, in Autobahnkurven pendelt die Lenkung bei Bodenwellen leicht auf. Das lässt für die Rennstrecke nichts Besonderes erwarten. Vom hohen Vmax-Luftdruck befreit, läuft der Alpina B3 S dennoch zur Hochform auf. Da seine vom 335i übernommene Bremse überraschend klaglos mitspielt und die optionale Hinterachssperre zeitraubenden Radschlupf verhindert, liegt er nur drei Zehntel hinter dem M3. Überraschung zwei: der CTS-V. Zwar schafft er nicht den Sprung in die 1:40er, folgt aber brav jeder Lenkbewegung, während die speziell abgestimmten Michelin-Pneus mit TPC-Spec-Kennung viel Grip aufbauen. Der wie der Alpina vom hohen Luftdruck befreite IS-F sortiert sich knapp hinter dem Amerikaner ein. Seine nervös wirkende Lenkung und das auf Kerbs allergisch reagierende Fahrwerk kosten mit den etwas schlechteren Fahrleistungen die entscheidenden Zehntel.

Überblick: Alle News und Tests zu Mercedes-Benz

Die dickste Enttäuschung bereitet aber zunächst der Mercedes. Mit ansteigender Reifentemperatur verliert seine nuanciert agierende Lenkung ihr Feingefühl, das ABS stößt an seine Grenze, Dosierbarkeit und Wirkung der Verbundbremse leiden. Dazu beherrscht heftiges Untersteuern das Geschehen – trotz der optionalen Sperre. Kurzerhand wechseln wir die Räder: Die serienmäßigen 18-Zöller ersetzen den optionalen 19-Zoll-Radsatz, ContiSportContact 5P MO kommen nun statt der Yokohama Advan Sport MO zum Einsatz. Jetzt übersteuert der AMG biestiger, nimmt aber aggressives Einlenken nicht krumm, klebt in den Kurven an der Ideallinie. Lohn der Umrüstung: 1:40,07 Minuten und damit 2,41 Sekunden schneller als zuvor – und Schnellster des Tages.
Technische Daten Alpina B3 S BMW M3 Comp. Cadillac CTS-V
Motor R6, Biturbo V8 V8, Kompressor
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Hubraum 2979 cm³ 3999 cm³ 6162 cm³
kW (PS) bei 1/min 294 (400)/6000 309 (420)/8300 415 (564)/6100
Literleistung 134 PS/l 105 PS/l 92 PS/l
Nm bei 1/min 540/4500 400/3900 747/3800
Antriebsart Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Stufen-Automatik 7-Gang-Doppelkupplung 6-Gang manuell
Messwerte
0 bis 100 4,5 s 4,5 s 4,6 s
Viertelmeile 12,68 s 12,67 s 12,59 s
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h 250 (280) km/h 308 km/h
Leergewicht 1637 kg 1670 kg 1964 kg
Leistungsgewicht 4,1 kg/PS 4,0 kg/PS 3,5 kg/PS
Preis 61.200 Euro 66.400 Euro 74.950 Euro
Lexus IS-F Mercedes C 63 AMG
Motor V8 V8
Einbaulage vorn längs vorn längs
Hubraum 4969 cm³ 6208 cm³
kW (PS) bei 1/min 311 (423)/6600 358 (487)/6800
Literleistung 85 PS/l 78 PS/
Nm bei 1/min 505/5200 600/500
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 8-Stufen-Automatik 7-Stufen-Automatik
Messwerte
0–100 km/h 5,1 s 4,4 s
Viertelmeile 13,19 s 12,54 s
Höchstgeschwindigkeit 270 km/h (abgeregelt) 250 (280) km/h
Leergewicht 1717 kg 1795 kg
Leistungsgewicht 4,1 kg/PS 3,7 kg/PS
Preis 70.600 Euro 69.972 Euro
Frank Wiesmann

Frank Wiesmann

Fazit

Ein Vierteljahrhundert Reife verhilft dem M3 zum Sieg. Alltagstauglich ausgewogen und dennoch messerscharf, bietet er den besten Kompromiss unter den Sportlimousinen. Brachialer, fahrdynamisch ähnlich talentiert, aber auch kostspieliger – Spritdurst und Preis verhindern den Affalterbacher Triumph. So muss sich der C 63 Platz zwei mit dem zahmen und komfortablen Alpina teilen, der in sämtlichen Messdisziplinen die starken Achtzylinder im Blick behält. Dünnes Händlernetz und knapperes Platzangebot sind die größten Nachteile von Cadillac und Lexus. Der CTS-V bietet jedoch viel mehr Dampf und trotz deutlichem Mehrgewicht das präzisere Handling. Bleibt der IS-F, der für sich genommen gut, aber im Vergleich zu unausgewogen auftritt.

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