Praktische Kleinwagen im Vergleich

Wird der neue Colt ein Treffer? Wird der neue Colt ein Treffer?

Praktische Kleinwagen im Vergleich

— 18.06.2004

Wird der neue Colt ein Treffer?

Variabler als der Honda Jazz, solider als der Opel Corsa? Mit dem Colt will Mitsubishi bei den Kleinwagen die Karten neu mischen.

Der Colt soll es richten

Autobauer nennen die Klasse "B-Segment", wobei das B nicht für "beliebt" steht, sondern schlicht eine Einordnung der Größe bedeutet. Heißt: Autos so um die 3,80 Meter. Wie Punto, Polo, Fiesta, Clio, 206+ und so weiter. Fast jeder Hersteller hat da ein Modell im Programm.

Seit knapp zwei Wochen auch Mitsubishi, die alle Hoffnungen auf ihren neuen Colt setzen (müssen). Der kleine Fünftürer ist ein Gemeinschaftsprojekt mit DaimlerChrysler. Auf gleicher Basis steht der Smart forfour. Beide laufen im niederländischen Born bei NedCar vom Band. Kann der Colt die Erfolgsgeschichte seines Vorgängers (seit 1978 fast 300.000 Stück) fortschreiben? Schaut man auf die Zulassungszahlen des vergangenen Jahres, kann es mit dem Neuen nur besser werden. Denn lediglich 3218 Stück fanden einen Käufer – der Colt tauchte damit nicht einmal unter den ersten 100 Modellen der Zulassungsliste auf.

Besser erging es Honda mit dem Jazz. Sein pfiffiges Innenraumkonzept spricht sich rum. Platz 57 mit 12.439 Einheiten. Zahlen, die die Rüsselsheimer für ihren Mini nicht fürchten müssen: Der Opel Corsa verkaufte sich 2003 bei uns 72.177-mal, was Platz zehn bei den Neuzulassungen bedeutet.

Technische Daten

Alle drei treten nun gegeneinander an. Jeweils mit Benzinern von knapp 1,4 Liter Größe. Die geringste Leistung holt Honda aus dem Vierzylinder. Klar, dass er mit seinen 83 PS in der Beschleunigung sowie der Höchstgeschwindigkeit das Nachsehen hat. Aber was zählt das im Alltag? Viel wichtiger: Der Jazz liefert die beste Elastizität im fünften Gang, ist der Leiseste bei 130 km/h und verbraucht im Testmix mit 6,7 Litern am wenigsten. Auch der Corsa überzeugt durch einen vibrationsarmen Motor (90 PS), der sich angenehm elastisch fahren lässt, leider aber bei politisch korrektem Autobahntempo 130 etwas mehr Lärm als seine Kontrahenten macht.

Im Neuzugang Colt werkeln 95 PS. Damit setzt sich der Mitsubishi fahrdynamisch an die Spitze des Trios. Bis auf die Elastizität im fünften. Hier hält der Colt aufgrund seiner längeren Übersetzung nicht den Anschluss, wirkt träger und muss eher geschaltet werden. Was unangenehm auffällt, ist die Lautstärke im Wagen. Gerade im Stadtverkehr beim häufigen Beschleunigen tritt der Motor akustisch zu sehr in den Vordergrund. Eine aufwändigere Schalldämmung wäre wünschenswert. Die fünf Gänge lassen sich ruck, zuck durchschalten. Ähnlich locker flutscht der Hebel im Corsa durch die Gassen. Einzig der Jazz kann's noch besser: kurz, leicht und knackig. Mehr Spaß kann Schalten kaum machen.

Variables Sitzkonzept im Jazz

Doch Kleinwagen müssen keine Sportskanonen sein. Ihr Alltag ist der Weg zur Arbeit, zum Supermarkt, die Kinder zur Schule fahren und gelegentlich ein paar Freizeitsachen transportieren. Auch in dieser Disziplin macht dem Jazz keiner etwas vor. Sein variables Sitzkonzept ist einfach unschlagbar. Nichts muss ausgebaut werden, innerhalb von 20 Sekunden liegt hinten alles flach, ist topfeben und ohne störende Stufe im Ladeboden. Das funktioniert sogar mit einer Einkaufstüte im Arm. Selbst zwei Mountainbikes (Vorderräder ausgebaut) passen hinten in den Jazz.

Opels Entwickler bieten dagegen eine fast schon lustlose Konstruktion. Nicht einmal der Ladeboden lässt sich in voller Länge nutzen, weil die umgeklappten Sitzlehnen eine hohe Stufe bilden. Aber das Auto ist ja auch schon vier Jahre alt, und da herrschten in dieser Klasse andere Ansprüche. Kritik, die Mitsubishi im Colt von vornherein vermeiden will. Sie gingen einen moderneren Weg – den des Vans. Die Rücksitze sind nicht nur getrennt längs verschiebbar (was in der Tabelle den Punktgewinn bringt), klapp- und hochstellbar, sondern können auch ausgebaut werden. Wirklich hilfreich allerdings nur für jene, die zu Hause eine Garage oder einen Lagerraum haben.

Müssen statt Gepäck Personen mit, so reisen diese am besten im Jazz. Sein Platzangebot übertrifft die Erwartungen an einen 3,83-Meter-Kleinwagen bei weitem. Auch hinter dem Lenkrad keine Spur der Enge. Die hohe Fahrgastzelle liefert ein sehr gutes Raumgefühl. Ähnlich fühlt sich der Mitsubishi an, nur geht es hinten eine Idee enger zu. Die Knie drücken eher gegen die Vorderlehnen. Dieses großzügige Raumgefühl kann der Corsa nicht bieten. Er ist, obwohl in der Länge zwischen Jazz und Colt, einfach mehr klassischer Kleinwagen. Wer hier mehr Variabilität und Platz benötigt, sollte zum größeren Meriva greifen und hat damit das Beste in dieser Klasse.

Kosten und Ausstattungen

Was der Corsa an Raum verliert, gewinnt er im Fahrkomfort. Er rollt am leisesten ab, federt und dämpft am besten. Der Colt braucht noch Feinarbeit. Besonders auf schlechtem Belag tendiert das Fahrwerk zum Poltern, die Abrollgeräusche sind hoch. Der Jazz hat zwar bereits eine Überarbeitung hinter sich, ist jedoch immer noch straff. Querfugen mag er nicht.

Mit 14.390 Euro ist der Honda der Teuerste im Vergleich, bietet dafür aber auch eine sehr gute Komfortausstattung, die sogar eine Klimaanlage einschließt. Die Materialien im Cockpit wirken technisch geprägt und jugendlich, fühlen sich gut an. Beim Colt lässt sich der Rotstift bei der Auswahl der Kunststoffe förmlich erfühlen, vor allem im sichtbaren Bereich von Mittelkonsole und Türen. Trotz 12.990 Euro für die Basisversion, der Kunde darf heute mehr erwarten. Auch im Corsa für 13.210 Euro, der einen ähnlichen Hartplastikeindruck hinterlässt. Oder steht heute das B-Segment für billig?

Fazit und Wertung

Fazit Schade, Mitsubishi hätte mit dem neuen Colt die Chance gehabt, neue Maßstäbe in der Kleinwagenklasse zu setzen. Doch herausragende Qualitäten sind nicht zu erkennen. Daran können auch die ausbau- und verschiebbaren Rücksitze nichts ändern. Der Corsa ist ein ausgereiftes Auto mit geringen Unterhaltskosten, aber ohne Highlights. Ein reiner Vernunftkauf ohne Emotionen. Beim Platzangebot und in der Variabilität kann er schon aufgrund seines Alters und seiner Größe nicht mithalten. Wer hier mehr braucht, sollte den Meriva ins Visier nehmen. Der Jazz fährt in diesem Vergleich verdient an die Spitze. Auf seinen 3,83 Metern bietet er das beste und überzeugendste Raumkonzept. Nur das immer noch recht straffe Fahrwerk trübt die Freude.

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