Praxistest Kindersitze

Praxistest Kindersitze: Mercedes-Benz Topsafe Praxistest Kindersitze: Mercedes-Benz Topsafe

Praxistest Kindersitze

— 01.11.2004

"Mangelhaft" für den Teuersten

Nachwuchs gehört in den Kindersitz – oft leichter gesagt als getan. AUTO BILD hat 14 neue Sitze getestet. Taugen sie für den Alltag?

Sechs von zehn Sitzen falsch montiert

Erschreckend: Bei Autounfällen wurde mehr als ein Drittel der mitfahrenden Kinder schwer und fast jedes zweite mittelschwer verletzt – obwohl die Kleinen in Kindersitzen angeschnallt waren. Ursache, so das Münchener Institut für Fahrzeugsicherheit (ISM): Sechs von zehn Sitzen waren falsch im Auto montiert. Grund genug für AUTO BILD, in diesem Jahr die neuesten Babyschalen und Kindersitze auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. Schließlich sind sie Hauptdarsteller im mobilen Familienalltag. Täglich chauffieren Mütter die lieben Kleinen wie Taxifahrer zum Kindergarten, Arzt oder in die Musikschule. Alles meist unter Zeitdruck.

Gerade deshalb hat uns ein Hersteller enttäuscht, der sonst als Symbol für Qualität, Sicherheit, Komfort und bis ins letzte Detail praxisgerechte Lösungen steht: Mercedes-Benz. Der Topsafe ist alles, was ein alltagstauglicher Sitz nicht sein soll: sperrig und mit 14 Kilogramm extrem schwer. Vor allem aber: Ohne langwieriges Studium der Bedienungsanleitung ist der korrekte Einbau nahezu unmöglich. Zudem: Die einsetzbare Babyschale ist sehr klein und kann nur befestigt werden, nachdem die Y-Gurte umständlich durch winzige Schlitze und Ösen gefädelt wurden. Auch wenn dieser Sitz eine Meisterleistung der Ingenieure in Sachen Crash-Sicherheit sein soll: 550 Euro hat selbst die durchschnittliche Mercedes-Familie für einen unpraktischen Kindersitz vermutlich nicht übrig.

Daß es besser geht, zeigt Gruppen-Konkurrent Concord. Dessen Ultimax bietet zwar kein Isofix, läßt sich jedoch mit ein wenig Übung relativ einfach in Autos ein- oder ausbauen und an die Kinder anpassen. Ein logischer Farbcode kennzeichnet die unterschiedlichen Gurtführungen für die Autogurte.

Gruppe 0 (Alter: bis 15 Monate)

Grundsätzlich mußten im Praxistest alle geprüften Sitze im Familienalltag bestehen, also leicht in verschiedene Autos ein- und ausgebaut, auf andere Kinder eingestellt oder in andere Sitzpositionen gebracht werden. Dabei wurden die Sitze innerhalb der für sie geltenden Gruppeneinteilung verglichen: • Gruppe 0 (Babyschalen): für Kinder bis etwa dreizehn Kilogramm • Gruppe 0/I (kombinierte Babyschale/Sitze für Kleinkinder): bis 18 Kilogramm • Gruppe I (Kindersitze): von neun bis 18 Kilogramm • Gruppe I/II/III (Kindersitze): für Kinder von neun bis 36 Kilogramm Körpergewicht • Gruppe II/III (Kindersitze/Sitzerhöher): für Kinder von 15 bis 36 Kilogramm.

Gruppe 0/I (Alter: bis vier Jahre)

Bei den Babyschalen fielen uns und den Testfamilien schnell große Unterschiede auf. Die Montage im Auto war in der Regel einfach. Ausnahme: Bébé Confort Créatis. Bei dem Sitz müssen die Autogurte auf der Unterseite der Schale durch enge Ösen gefädelt werden. Ohne Baby kein Problem, mit Baby aber nur etwas für Fingerakrobaten. Vorteil dieser Methode: Die komplizierte Unterführung spart viel Gurt, der bei vielen Autos auf der Rückbank recht knapp bemessen ist. Besser schneidet jedoch der HTS BeSafe ab, bei dem der Gurt mit nur einem Handgriff eingefädelt werden kann. Nachteil jeder Babyschale: Nach spätestens neun Monaten sind die Kinder herausgewachsen, obwohl sie vom Gewicht her noch hineinpassen würden.

Weil aber Kinder möglichst lange entgegen der Fahrtrichtung mitreisen sollten (Genickbruchgefahr), braucht man Sitze, die über die Babyschale hinaus entgegen der Fahrtrichtung montiert werden können. Wie die Sitze der Gruppe 0/I, zu denen der Concord Ultimax, der Mercedes-Benz Topsafe und der Wavo Fix gehören.

Gruppe I (Alter: bis fünf Jahre

In den Sitzen der nächsten Gruppe (Gruppe I) müssen die Kinder zwar relativ früh in Fahrtrichtung sitzen, dafür können diese Systeme einfach und fest im Auto angeschnallt werden. Der Preis: bis zu 175 Euro. Viel Geld, wenn man bedenkt, daß die Kinder hier nach dem vierten Geburtstag meist wieder aussteigen müssen.

Gruppe I/II/III (Alter: bis zwölf Jahre)

Im Verhältnis sind sogenannte mitwachsende Sitze (Gruppe I/II/III) deshalb preisgünstiger. Kinder können darin von neun Monaten bis zum Ende der Kindersitzpflicht mit zwölf Jahren mitfahren. Leider sind diese Sitze meist Kompromisse. Beispiel: Recaro schnallt ganz kleine Kinder mit Hilfe eines Fangkörpers und des Dreipunktgurts an. Das engt Kinder unnötig ein, Quengeln ist programmiert. Für große Kinder reicht laut Gesetz ein Sitzerhöher mit Hörnchen für die Gurtführung. Komfort und Seitenhalt gibt es aber nur mit höhenverstellbaren Rückenlehnen und Kopfstützen, wie bei den drei Testsitzen dieser Gruppe. ´

Gruppe II/III (Alter: bis zwölf Jahre)

Probleme im Alltag bereiten diese Sitze selten, meist schnallen sich die Kinder allein an. Doch auch hier gilt: Die Sitze können nur schützen, wenn sie richtig im Auto eingebaut werden, und die Kinderhaltegurte korrekt angelegt wurden. Heißt: Alle Gurte sind straff gezogen und nicht verdreht.

Deshalb sollten Eltern folgende Regeln beachten: • Vor dem ersten Einsatz des Sitzes die Bedienungsanleitung genau lesen, alle Funktionen außerhalb des Autos durchspielen. • Vor der ersten Fahrt mit der Babyschale sollte das Anschnallen im Auto zuerst ohne, dann mit Baby geübt werden. Das hilft, wenn es später mal schnell gehen muß. • Bei Sitzen der Gruppe I sollte die Funktion der Haltegurte außerhalb des Autos ausprobiert werden, damit es später auf der engen Rückbank klappt. Auch das Ein- und Ausbauen des Sitzes verlangt Übung. • Fährt Ihr Kind häufiger bei Freunden oder Verwandten mit, sollten Sie denen erklären, wie der Sitz im Auto eingebaut und das Kind darin angeschnallt wird. Nur so können Montagefehler vermieden werden.

So schnallen Sie ihr Kind richtig an

Wenn Eltern Kindersitze einbauen und sich dabei nicht strikt an die Bedienungsanleitung halten, können sie Fehler machen, die bei Unfällen zu schweren Verletzungen führen. So werden die schlimmsten Fehler vermieden.

• Oberste Anschnallpflicht: Der Kindersitz muß bombenfest mit dem Auto verbunden sein. Ist das Auto nicht mit einem Isofix-System ausgestattet, den Kindersitz tief ins Polster drücken und dann mit dem Autogurt anschnallen. Danach zur Sicherheit noch einmal kräftig festziehen.

• Die Gurte dürfen auf keinen Fall verdreht sein (Foto). Grund: Verdrehte Gurtbänder verhindern rechtzeitiges Einrasten des Automatikgurtes vom Auto. Der Kindersitz dreht sich im schlimmsten Fall bei einem Crash sogar aus dem Gurt heraus, die Schutzwirkung ist hinüber.

• Die Gurte, mit denen das Kind selbst angeschnallt wird, müssen fest am Körper anliegen, dürfen nicht verdreht sein. Mehr als eine flache Hand sollte nicht zwischen Gurt und Kind passen. Deshalb das Kind im Winter nicht allzu dick anziehen, besser mit der Jacke oder einer Decke zudecken. Ist es sehr kalt, können Sie den Sitz auch mit einer Wärmflasche vorheizen.

• Ebenfalls wichtig: Babyschale oder Kindersitz dürfen nicht zu klein sein. Grund: Ragt der Kopf des Kindes über den Sitz hinaus, schlägt dieser bei einem Unfall eventuell gegen die Oberkante des kleinen Sitzes. Schwere Verletzungen wären die Folge.

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