Praxistest Kindersitze

Praxistest Kindersitze

— 27.06.2008

Was können die neuen Sitze?

Kindersitze im Auto sind Pflicht. Die Auswahl ist riesengroß. Wir haben die neuesten Modelle in der Praxis getestet. Dabei haben wir festgestellt, Kindersitze werden immer besser.

Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren, die kleiner als 1,50 Meter sind, dürfen im Auto nur im Kindersitz mitfahren. Und weil sich die Hersteller jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen, verliert man schnell den Überblick. Damit Sie wissen, welche Stärken und Schwächen die neuesten Kindersitze haben, mussten sie unseren Praxistest bestehen. Familien probierten die Sitze ein paar Wochen lang im Alltag aus, transportierten ihre Kinder, bauten die Sitze immer wieder ein und aus. Am Ende schrieben sie auf, was ihnen gefiel und was nicht. Fazit: Kindersitze werden immer besser und komfortabler und haben nette Extras wie Anschlüsse für MP3-Player oder eine aufklappbare Kopfstütze. Insgesamt werden sie aber auch komplizierter. Denn sie sind oft Teil sogenannter Travelsysteme aus Babyschale, Kinderwagen und Buggy. Dadurch sind die Sitze oftmals nicht einfach zu bedienen.

Welche Sitze sind erlaubt?

Travelsystem RECARO: Viel Seitenaufprall- schutz und höhenverstellbare Kopfstütze.

Die Sicherheit von Kindersitzen steht an erster Stelle. Deshalb muss jeder Hersteller für seine Kindersitze eine gesetzliche Prüfung ablegen. Europaweit ist der  Kindersitz-Crashtest nach der Norm ECE-R-44/04 vorgeschrieben. Ohne die entsprechende Prüfplakette darf bei uns kein neuer Sitz verkauft werden. Diese Plakette ist entweder eingestanzt oder als orangefarbener Aufkleber am Sitz zu sehen. Doch Vorsicht: Eine bestandene ECER- 44/04-Prüfung garantiert nicht automatisch gute Kindersitze. Die bieten nur dann Schutz, wenn sie zu Kind und Auto passen und korrekt montiert sind. Achtung: Seit April 2008 dürfen Sitze mit der Norm ECE –R-44/02 wegen veralteter Technik nicht mehr benutzt werden. Auch gebrauchte Sitze müssen deshalb die ECE-R-44/04- oder die ECER-44/03-Norm erfüllen.

Richtig anschnallen

Ein Kindersitz oder eine Babyschale kann Ihr Kind nur schützen, wenn es darin richtig angeschnallt ist. Darauf müssen Sie achten:
• Die Kinder müssen richtig sitzen. Das heißt mit dem Gesäß weit hinten auf dem Kindersitz. Es sollte möglichst kein freier Raum zwischen Kind und Sitzlehne bleiben.
• Der Beckengurt sollte knapp über dem Beckenknochen verlaufen, auf keinen Fall im Bauchraum. Der Beckengurt muss den Körper möglichst dicht "umrunden", sprich am Körper in Richtung Rückenlehne und nicht in Richtung Tür verlaufen.
• Der Diagonalgurt sollte über der Schulter in Halsnähe verlaufen, ohne jedoch den Hals zu berühren. Tipp: Viele Autos haben Gurthöhenverstellung, mit der Sie die Gurte für Kinder zusätzlich anpassen können.
• Niemals mit zu lockeren oder verdrehten Gurten fahren.
• Scharfe oder harte Gegenstände aus den Hosentaschen der Kinder nehmen. Sie könnten bei einem Unfall zwischen Gurtband und Kind geraten und so schwere Verletzungen verursachen.

Darauf müssen Sie achten

Zum Kauf immer Auto und Kind mitnehmen. Nur so können Sie sicher testen, welcher Sitz am besten passt. • Kinder, die älter als drei Jahre sind, sollten sich im Sitz selbst angurten können. Ist die Gurtführung zu eng, gelingt das häufig nicht. • Die Kinderhaltegurte müssen einfach zu verstellen sein, damit sie je nach Kleidung und Jahreszeit immer straff genug anliegen. • Achtung bei Billigsitzen vom Grabbeltisch: Fehlt die ECE-Prüfplakette, ist der Sitz in Deutschland nicht zugelassen. • Nur wenn sich das Kind in seinem Sitz wohl fühlt, wird es ihn akzeptieren. Deshalb lieber ein paar Euro mehr für einen guten und bequemen Kindersitz ausgeben. • Der Sitz sollte möglichst einfach zu montieren sein und unbedingt perfekt passen. Wichtig: Die Sicherheitsgurte hinten ausprobieren. Die sind in manchen Autos für die Babyschale zu kurz. • Der Sitzbezug sollte in der Maschine waschbar sein. • Niemals einen Kindersitz auf Zuwachs kaufen, auch dann nicht, wenn das Baby recht groß und schwer ist.

Lexikon

Gurtlose: Verschenkter Weg des Sicherheitsgurts. Sie entsteht durch die weiche Aufrollautomatik und/ oder die Kleidung und führt zu einer stärkeren Vorverlagerung.
Isofix: genormte Kindersitzbefestigung im Auto, statt der Gurte halten Metallzangen den Kindersitz in Befestigungsösen im Auto.
Seitenaufprall: Unfall, bei dem das Auto seitlich getroffen wird. Gefährlich, wenn der Sitz zu wenig Seitenaufprallschutz bietet.
Vorverlagerung: Weg, den Kind und Kindersitz zurücklegen, bevor der Gurt einrastet.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Birgit Meier

Unser Praxistest zeigt: Kindersitze werden immer besser. Das liegt vor allem an den strengen gesetzlichen Regelungen. Jeder Sitz muss einen Crashtest nach der ECE-Prüfnorm bestanden haben, bevor er auf den Markt kommt. Ohne das Siegel geht gar nichts. Aber auch ohne diese Vorschriften arbeiten die namhaften Markenhersteller ständig an Qualität, Komfort und Sicherheit ihrer Produkte. Und weil nicht jeder Sitz zu jedem Auto oder Kind passt, ist es besser, ein paar Euro mehr für einen Markensitz auszugeben und sich im Fachgeschäft gut beraten zu lassen, als unüberlegt einen Billigsitz vom Grabbeltisch zu kaufen.

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