Praxistest Opel Zafira

Fahrbericht Opel Zafira Fahrbericht Opel Zafira

Praxistest Opel Zafira

— 31.05.2005

Liebling Zafira

Wer könnte den neuen Zafira besser beurteilen als eine langjährige Fahrerin des Kompaktvans? Bühne frei für Eleonora Cucina (39). Die AUTO BILD-Fotoredakteurin hat für uns den Rüsselsheimer Van getestet. Ein Gastspiel mit interessanten Einsichten.

"Wir haben den Kauf keinen Tag bereut"

Groß und bequem soll er sein. Flott, handlich und möglichst mit Lufträdern. Aber selbst zusammengeklappt ist der Kinderwagen verdammt groß. Frühjahr 1999: Ich war im siebten Monat schwanger, und ein neues Auto mußte her. Der Kofferraum meines Peugeot 205 war zu klein. Erst dachten wir an einen Kombi. Viel Platz, hübsch und damit genau richtig für unsere neue Familie. Doch dann elektrisierte uns ein Trend: der Kompaktvan. Das junge Fahrzeugkonzept lockte mit viel Flexibilität.

Ich arbeitete damals noch nicht bei AUTO BILD und besprach meine Pläne mit jenen selbsternannten Autoexperten, die alles wissen – vor allem besser –, wenn im Bekanntenkreis die Sprache auf vier Räder kommt. Ihr Rat: "Kauft den Zafira. Der ist richtig für euch. Jede Menge Stauraum, trotzdem kurz, günstig und mit sieben Sitzen." Danke, Jungs! Euer Tip war goldrichtig.

Ein Zafira 1.8 Elegance wurde unser viertes, geliebtes Familienmitglied. Wir haben den Kauf keinen Tag bereut. Nun sitze ich im brandneuen Nachfolger, soll ihn fahren, beurteilen, kritisieren. Unsere Chefredaktion meint, daß ich als eingefleischte Zafira-Fahrerin die ideale Expertin bin. Neben mir sitzt als technisches Gewissen Testredakteur Jörg Maltzan, der wissen will, was mir wichtig ist. Und das ist eine ganze Menge.

Cockpit ist heller, schicker, aufgeräumter

Entscheidend für mich am Opel Zafira war (und ist) die kompakte Bauform. Er ist kürzer als ein Kombi und paßt in fast jede Parklücke vor unserer Wohnung in der Hamburger Altstadt. Der Neue ist zwar 15 Zentimeter länger und sechs Zentimeter breiter als bisher, sehen oder spüren kann ich das allerdings nicht. Alles ist vertraut: der geniale Klappmechanismus für die dritte Reihe, das tolle Raumgefühl, die großen Türen.

Viel schöner ist das neue Cockpit. Die chromumrandeten Instrumente zum Beispiel. Im Nachfolger ist alles heller, schicker, aufgeräumter, einfach eine andere Liga. Bei ausführlicher Musterung entdecke ich witzige Details. Der Aschenbecher sieht aus wie ein Kaffeebecher. Er steht lose zwischen den Sitzen. Bei mir würde er gleich rausfliegen. Ich bin Nichtraucherin.

Wo ist das Zündschloß? "Gibt keins. Gestartet wird per Knopfdruck", erklärt Kollege Maltzan und zeigt auf die Taste rechts vom Lenkrad. Zum Glück sitzt ein Mann neben mir, der alles (besser) weiß. Ich muß grinsen, auch über den folgenden Dialog. Mein Urteil zum Startmechanismus: "Sehr gewöhnungsbedürftig." Maltzan: "Kostet Aufpreis." Ich: "Nettes Spielzeug. Brauch' ich nicht." Maltzan: "Ist doch toll. Der Schlüssel kann in der Tasche bleiben. Das Auto erkennt ihn, und die Türen öffnen per Handgriff." Erwartungsfroh sieht er mich an. Ich: "Brauch' ich trotzdem nicht." Jetzt guckt er aus dem Fenster. Beleidigt?

Gelungenes Außendesign, solide Qualität

Der Handbremshebel ist immer noch zwischen den Sitzen, sieht jetzt aber riesig aus und erinnert mich an den Schubregler in einem Flugzeug. Gefällt mir. So bleibt Platz für Kleinkram, der gut erreichbar unter dem Hebel liegt. Das Sitzgefühl ist irgendwie anders, niedriger, normaler geworden. Auch von außen hat er sich verändert. Besonders hinten. Große, mit Chrom verzierte Rückleuchten, die Heckscheibe, der Grill, die Türgriffe – all das ähnelt mehr einem Astra.

Maltzan: "Wie gefällt dir das Design?" Als Italienerin unterstellt er mir eine angeborene Kompetenz in Designfragen. Und durch meinen Job ist mein Umgang mit Autos hauptsächlich visueller Natur. Ich: "Gelungen. Die Linienführung ist akzentuierter, er ähnelt mehr einem SUV. Mein alter Zafira wirkt daneben wie ein Kastenwagen." Maltzan: "Und die Qualität?" Ich: "Wirkt solide." Maltzan: "Hat aber schlimme Spaltmaße. Hoffentlich ist das nur ein Vorserienmodell." Ich: "Wäre mir nie aufgefallen."

Dann erklärt er, daß wir im 200-PS-Topmodell fahren. Unser Testwagen protzt mit vielen Extras, die meiner nicht hat. Das verfälscht den Eindruck und macht es schwer, beide Modelle eins zu eins miteinander zu vergleichen. Meistens reicht mir mein kleiner Motor. Den Supermotor aus dem Testwagen hätte ich gern auf meinen langen Touren. Nach Rom zum Beispiel. Mehr PS machen mehr Spaß, und man reist entspannter.

Das neue Modell liegt besser, fährt sanfter

Bremse und Lenkung funktionieren so einwandfrei wie in meinem Zafira. Der Schaltknüppel liegt höher, ist deshalb griffiger und hat sechs Gänge. Wenn ich aufs Gas drücke, zieht er souverän und leise an allen vorbei. Im Vergleich zu meinem Zafira fühlt er sich komfortabler an. In "meiner" Kopfsteinpflasterstraße hüpft, hoppelt und klappert er immer ein bißchen nervös über die Piste. Das neue Modell liegt besser, fährt sanfter, macht einen stabileren Eindruck.

Beim Sitzkonzept hat Opel alles beim alten belassen. Nur im Kofferraum entdecke ich eine Änderung. An den Seitenwänden sind Schienen angebracht, in denen verstellbare Trennvorrichtungen fixiert werden. Rechts gibt es zusätzlich ein kleines Gepäcknetz.

Mir ist das alles viel zu fummelig. Das sollte Opel sich sparen. Zumal die Gurte für die dritte Sitzreihe jetzt vor Benutzung in einer Metallöse am Boden fixiert werden müssen. Das gefährdet Fingernägel und ist kein Fortschritt. Da ist mein alter Zafira besser. Die Sitze sechs und sieben werden bei uns öfter benutzt, als ich gedacht habe. Immer wenn wir mit mehreren Kindern unterwegs sind, streiten sich die Kids. Alle wollen immer die Plätze ganz hinten.

Technische Daten und Preis

Dabei fällt mir ein: Kinder krümeln gern. Kekse, Kuchen und Kleinkram werden von den vielen Ritzen im Boden magisch angezogen. Die Abdeckung hilft wenig. Der Innenraum verdreckt in Rekordzeit. Da verspricht auch der Neue keine Besserung, und die Ingenieure sollten auch die Gepäckraummatte vergrößern.

Und bei der Gelegenheit könnte auch gleich die Sitzlehnenverstellung überarbeitet werden. Das Drehrad ist immer noch viel zu weit hinten und dort nahezu unerreichbar. Gut dagegen finde ich, daß Warndreieck und Verbandkasten jetzt in der Heckklappe sitzen. So kommt man (oder Frau) im Notfall schnell ran, ohne vorher das Gepäck ausladen zu müssen.

Daß die Schalter für die elektrischen Fenster jetzt ergonomisch viel besser erreichbar sind als vorher, erklärt mir zwar erst der erfahrene Kollege Maltzan. Stimmt aber hundertprozentig. "Bessere Bedienbarkeit" heißt das dann im Testerdeutsch. Er hat offenbar andere Arme. Das merke ich, als er die Kinderkarre einladen soll. Männer und Technik! Der hat keine Kinder und deshalb keine Ahnung. Vielleicht sollte er mal diese Gefährte testen. Ganz einfach: Karre klappen, hochkant neben den hintersten Rücksitz schieben, fertig. Dafür liebe ich den Zafira.

Technische Daten Reihenvierzylinder-Turbo • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 1998 cm3 • Leistung 147 kW (200 PS) bei 5400/min • maximales Drehmoment 262 Nm bei 4200/min • Frontantrieb • Sechsgang-Schaltgetriebe • Einzelradaufhängung • Kofferraumvolumen 140/645 Liter (1820 bei umgeklappter Rückbank) • Länge/Breite/Höhe 4467/1801/1645 mm • Radstand 2703 mm • Leergewicht 1505 kg • Verbrauch 9,5 l Super/100 km • 0–100 km/h 9,0 s • Spitze 225 km/h • Preis 26.490 Euro

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