Preisentspannung durch den Bush-Krieg

Bomben senken die Benzinpreise

Preisentspannung durch den Bush-Krieg

— 20.03.2003

Bomben senken die Benzinpreise

Kaum hat der Irak-Krieg begonnen, purzeln die Rohölpreise. Die Mineralökonzerne reagieren – aber nicht in ausreichendem Maße, kritisiert der Automobilclub AvD.

Der Ölpreis ist seit dem Ultimatum von US-Präsident Bush dramatisch eingebrochen, direkt nach dem Kriegsbeginn sogar unter die Marke von 26 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gesunken. Das sind acht Dollar weniger als noch vor einer Woche, rechnet der Automobilclub AvD vor. Die Benzinpreise an den Tankstellen hingegen seien fast auf dem Rekordniveau der vergangenen zwei Wochen geblieben.

"Zusammen mit den Gewinnen aus der Dollar-Schwäche liegt der Benzinpreis jetzt um satte zehn Cent über dem Preis, der heute gerechtfertigt wäre", kritisiert AvD-Sprecher Jochen Hövekenmeier die Preispolitik der Ölmultis: "Zehn Cent pro Liter, das bedeutet pro Tag einen Reingewinn von 30 Millionen Euro, pro Monat fast eine Milliarde!" Dieses Geld fehle den Autofahrern, besonders den Pendlern, die auf ihr Fahrzeug angewiesen seien und schon alle Möglichkeiten des Spritsparens ausgereizt hätten.

Die daraus resultierende Forderung des AvD: "Jetzt sofort müssen die Benzinpreise um zehn Cent gesenkt werden. Der Ölpreis wird weiter sinken, weil die arabischen Länder auch im Krieg weiter Öl liefern. Monatelang wurden die Ölpreise durch Spekulationsgeschäfte künstlich in die Höhe getrieben, jetzt sinken sie sogar auf ein Niveau deutlich unter 25 Dollar." Bei einem Euro-Kurs von 1,05 Dollar wären dann 1,02 Euro je Liter Super, 1 Euro je Liter Normal und 0,85 Euro je Liter Diesel gerechtfertigt. Preise, die sogar mehr als zehn Cent unter den derzeitigen liegen, so der Avd.

Dessen Rechnung stößt den Mineralölkonzernen übel auf. "Die Vorwürfe wirken auf mich ein wenig befremdlich und stimmen so nicht mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten überein", sagt Detlef Brandenburg, Sprecher von Aral/BP. "Bereits gestern haben wir reagiert und die Benzinpreise flächendeckend um zwei, den Dieselpreis um einen Cent gesenkt." Genau wie die Deutsche Shell. "Die AvD-Forderung ist für mich nicht nachvollziehbar, die Rechnung schlichtweg falsch", sagt Shell-Sprecher Rainer Winzenried. "Wenn wir jetzt zehn Cent pro Liter runtergehen, können wir alle Tankstellen dicht machen. Die Autofahrer können sicher sein: Wenn die Rohölpreise weiter sinken, fallen auch die Benzinpreise weiter." Bis auf welches Niveau, ließe sich jetzt aber noch nicht sagen. Die Nase vorn hat derzeit TotalFinaElf: Einige der rund 1050 Stationen haben seit Mittwoch bereits die dritte Preisrunde durchgeführt – nach unten. Diesel kostet im Berliner Raum jetzt 94 statt 98 Cent.

Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler, hält die AvD-Forderung für "weltfremd und an den Haaren herbei gezogen". "So etwas kommentiere ich nicht mehr. Wenn unsere 580 Mitglieder einheitlich die Preise um zehn Cent sinken, gehen hier die Lampen aus. Eine generelle Linie zu finden ist schwierig, weil es so oder so weiter Hoch- und Tiefpreisgebiete in Deutschland geben wird." Und das liege nicht an den unterschiedlichen regionalen Beschaffungskosten und am Rohölpreis: "Die Steuern sind das Problem. Wenn die nicht wären, könnten wir sofort 25 Cent runtergehen."

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