Premiere Jaguar XF

Premiere Jaguar XF Premiere Jaguar XF

Premiere Jaguar XF

— 28.08.2007

Der Revolution zweiter Teil

Mit dem Sportcoupé XK erprobte Jaguar erfolgreich eine völlig neue Formensprache. Nun präsentieren die Briten erstmals eine klassische Limousine im modernen Look: Auf der IAA stellt Jaguar den S-Type-Nachfolger XF vor. Das Ergebnis dürfte für Diskussionen sorgen.

Was müssen sie geschwitzt haben, die Verantwortlichen bei Jaguar, als der XK auf der IAA 2005 Premiere hatte. Eine völlig neue Designsprache trug das Sportcoupé in die Welt. Weg von barocken Formen, hin zu moderner Sportlichkeit. Keine leichte Aufgabe bei einer solch prestige-trächtigen Marke. Der XK hat seine Feuerprobe bestanden, fraglos. Jetzt – zwei Jahre später – zündet Jaguar die zweite Revolutionsstufe: Mit dem S-Type-Nachfolger XF wird nun eine klassische Limousine ins moderne Kleid gesteckt. Auf der IAA 2007 feiert er Premiere. Die Herausforderung für die Designer: den Viertürer neu erfinden und gleichzeitig einen hundertprozentigen Jaguar kreieren. Um es kurz zu machen: Auf den ersten Blick gelungen scheint das nicht. Im Vorbeigehen könnte man den neuen Jaguar auch für eine Limousinen-Studie von SsangYong halten. Ganz schön gewagt.

Der XF soll die muskulöse Eleganz eines Sport-Coupés mit der gewohnten Kultiviertheit einer Limousine verbinden. Sorry, auf den ersten Blick ist das nicht gelungen.

Der neue Sprössling soll einerseits die muskulöse Eleganz eines Sport-Coupés mitbringen, andererseits die gewohnte Kultiviertheit und ein komfortables Platzangebot vorweisen. Bis zu fünf Personen können im XF Platz nehmen. 540 Liter Gepäck passen auch noch rein. "Im Profil folgt der XF dem Credo der fließenden, ununterbrochenen Linien", heißt es in der Pressemappe. Dabei liegen die Proportionen des XF so nahe an denen des XK, dass die Neigung der Windschutzscheibe bei beiden Modellen identisch ist. Die Front ist geprägt von einem riesigen Grill mit ur-britischem Maschendrahtmuster. In der Mitte des Grills prangt prominent der überarbeitete Kopf der fauchenden Raubkatze, am Heck zeigt der springende Jaguar den Nachfahrenden an, wer hier gerade überholt hat. Sehr hilfreich, wenn man im Rückspiegel nur die asiatisch anmutenden Scheinwerfer gesehen haben sollte.

Die Speerspitze: der Kompressor-V8 mit 416 PS aus dem XKR

Der macht Druck: Mit dem Kompressor-V8 jagt der XF in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Bei 250 Sachen wird die Hatz gestoppt.

Zur Markteinführung ist der XF mit vier verschiedenen Motorisierungen zu haben. Den Einstieg macht der aus dem XJ bekannte 2,7-Liter-Diesel mit Bi-Turboaufladung (207 PS). In 8,2 Sekunden wetzt der Jag damit auf Tempo 100. Bei 230 km/h ist Schluss mit Vortrieb. Als kleinster Benziner ist ein 238 PS starker Dreiliter-V6 im Angebot (8,3 Sekunden bis 100, Höchstgeschwindigkeit 237 km/h). Auch mit zwei V8 weiß die Mieze zu locken: Mit dem 4,2-Liter (298 PS) ist nach 6,5 Sekunden Tempo 100 erreicht, bei 250 km/h wird abgeriegelt. Aus dem XKR bekannt ist die mit Kompressor ausgerüstete Version. Derart unter Druck leistet das Aggregat satte 416 PS und bringt den XF in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Bei 250 Sachen kommt wieder die elektronische Bremse zum Einsatz. Alle Motoren sind mit der bekannten Sechsstufen-Automatik samt Schaltwippen am Lenkrad gekoppelt und schicken ihre Kraft Jaguar-typisch an die Hinterräder. Unterstützung soll das sportliche Ansinnen erfahren von der hohen Verwindungssteifigkeit, großzügigen Spurweiten und einer bewusst direkt ausgelegten Lenkung. An allen vier Rädern packen groß dimensionierte (326 x 20 Millimeter vorne und hinten, beim SV8 vorne 355 x 32 Millimeter) und innenbelüftete Scheibenbremsen bei Bedarf ordentlich zu.

In Sachen Interieur sind die Erwartungen an Jaguar natürlich hoch. Der XF begegnet diesem Anspruch in allen Belangen en vogue. "Das Interieur des neuen XF ist eine einmalige Kombination aus Stil und Substanz", heißt es im Jaguar-O-Ton selbstbewusst. Hochwertige Materialien wie Leder und Echtholz, moderne Instrumente und vorzügliche Sitze verstehen sich in diesem Segment von selbst. Erklärtes Ziel war es, einen speziell auf den Fahrer zugeschnittenen Arbeitsplatz zu schaffen. Der XF-Pilot soll mit nützlichen Details entlastet, anstatt mit allem erdenklichen Schnickschnack verwirrt werden. Ein nicht unbedingt notwendiges, dafür aber beeindruckendes Gimmick empfängt den Fahrer, wenn er sich an die Kommando-Zentrale setzt: Der rote Startknopf beginnt, wie ein Herz zu pulsieren. Wen das nicht abschreckt, der wird vom Erwachen des Jag-Motors belohnt – und mit dem Erscheinen des "JaguarDrive Selectors", der "aus der Versenkung nach oben fährt und sich sanft in die Handfläche des Bedieners schmiegt" (O-Ton Jaguar). Mit dem Zauberrad lassen sich zahlreiche Antriebsprogramme (Winter, Sport etc.) wählen. Ebenfalls zeitgleich schaltet das Navi auf seine Startseite, und die Lüfterdüsen schwenken in ihre Betriebsposition. Die ganze Szenerie wird durch die auf Handzeichen aktivierbare phosphorblaue Innenraumbeleuchtung illuminiert. Ganz großes Kino.

Audio- und Telefonanlage sind sprachgesteuert, der Tote Winkel wird radar-überwacht, das Parken wird durch Sensoren und Rückfahrkamera erleichtert, die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit einer möglichen Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit soll die Gäule vom Durchgehen abhalten. Aktive Fahrhilfen und Infotainment-Anlage sind selbstredend auch an Bord. Die Auslieferung beginnt im Frühjahr 2008. Die deutschen Preise gibt Jaguar im Rahmen der IAA bekannt. Zur Orientierung: In seiner Heimat England startet der XF als Benziner und Diesel jeweils bei 33.900 Pfund (umgerechnet rund 50.000 Euro). Der 4,2-Liter-V8 kostet 45.500 Pfund (umgerechnet gut 67.000 Euro), das Topmodell SV8 will mit 54.900 Pfund (rund 81.000 Euro) beim Händler ausgelöst werden. Zum Vergleich: Den S-Type gibt es hierzulande bislang ab 41.900 Euro (2,7-Liter-Diesel, 207 PS), der Dreiliter-Benziner (238 PS) startet bei 50.900 Euro, das Spitzenmodell S-Type R (4.2 V8, 395 PS) kostet 68.600 Euro.

 

 

Autor: Stephanie Kriebel

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