Tata Nano Luxus

Premiere Tata Nano

— 23.03.2009

Besser spät als nie

Was lange währt, wird endlich gut: Das billigste Auto der Welt rollt von den Bändern. Umgerechnet 1460 Euro kostet der Tata Nano, der in Indien eine neue Ära der Mobilität einläuten soll.

Er will die Autowelt revolutionieren wie einst das Ford T-Modell oder der VW Käfer: Der indische Autobauer Tata Motors hat am Montag (23. März 2009) mit dem Kleinwagen Nano das billigste Auto der Welt vorgestellt. Mit ordentlich Verspätung und zunächst in wesentlich kleinerer Produktionskapazität als angekündigt. Die feierliche Präsentation des rund 1460 Euro teuren Fahrzeugs, das eine neue Ära am unteren Ende des Automarkts einleiten soll, kann jedoch viele gravierenden Probleme nicht überdecken. Ob der mit den Teilen zahlreicher deutscher Zulieferer gebaute Billigwagen deshalb dem angeschlagenen Autobauer Tata bei der Bewältigung seiner Krise helfen kann, scheint fraglich.

Die ersten 100.000 Nanos werden verlost

Immerhin: Firmenchef Ratan Tata erklärte am Montag, der anvisierte Preis von 100.000 Rupien (1460 Euro) sei für die ersten 100.000 Nanos garantiert. Sie sollen Kunden in Indien per Verlosung zugeteilt und ab Juli ausgeliefert werden. In rund drei Jahren will Tata mit einem Nachfolgermodell des Nano auch in die Automärkte in den USA und Europa erobern. Analysten gehen davon aus, dass der Konzern den Preis schnell anheben wird und mit dem Nano frühestens in fünf Jahren die Gewinnschwelle erreicht. Tata hatte sein automobiles Minimal-Konzept erst kürlich zum wiederholten Mal auf einer Messe präsentiert. In Genf hieß es, der Nano solle 2011 für etwa 5000 Euro nach Europas kommen. Der deftige Preisaufschlag erklärt sich mit den strengeren Abgas- und Sicherheitsanforderungen für Europa.

Statt der geplanten 250.000 werden nur 50.000 Autos ausgeliefert

Ob der Nano für die angepeilten 5000 Euro in Europa Käufer findet, bleibt abzuwarten.

"Der Nano wird ein neues Segment schaffen, das die Kluft zwischen Motorrädern und Einsteiger-Autos schließt", sagte der indische Analyst Mohit Arora. "Es ist das erste Auto seiner Art." Experten gehen davon aus, dass der Nano mittelfristig Kleinwagen wie dem Beetle von Volkswagen, dem Mini von BMW oder dem Fiat 500 Konkurrenz machen könnte. Aber die Mitbewerber schlafen nicht: In Indien arbeiten Renault und Nissan in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Bajaj ebenfalls an einem rund 1850 Dollar teuren Fahrzeug, das 2011 auf den Markt kommen soll. Auch andere Hersteller wollen mit Billig-Autos vor allem auf den rasant wachsenden Märkten der Schwellenländer mitmischen.

Durch die Monate langen Verspätungen hat Tata jedoch viel Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten eingebüßt. Hauptgrund waren gewalttätige Proteste der Bevölkerung gegen ein geplantes Nano-Werk im indischen Singur, dessen Bau Tata letztlich aufgab. So wird der Konzern im ersten Jahr voraussichtlich nur rund 50.000 Fahrzeuge ausliefern und damit deutlich weniger als die ursprünglich angepeilten 250.000. Außerdem fürchten indische Autoexperten, dass viele Inder angesichts der Finanzkrise den erstmaligen Kauf eines Autos aufschieben werden.

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