Antrittsparade Barack Obama

Cadillac stellt die neue Präsidenten-Limousine für Barack Obama vor. Cadillac stellt die neue Präsidenten-Limousine für Barack Obama vor.

Presidential Cadillac für Obama

— 15.01.2009

Die rollende Festung

GM zeigt die Staatskarosse für Barack Obama, den neuen Präsidenten der USA. Auf der Plattform eines Chevrolet-SUV türmt sich ein acht Tonnen schweres Gebirge aus Stahl und Verbundmaterial. Hoffentlich kugelsicher.

Das (Weiße) Haus bleibt das alte, doch das Auto ist brandneu: Wenn Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika am 20. Januar 2009 in sein Amt eingeführt wird, stellt GM mit einem monströsen Cadillac einmal mehr das offizielle Fahrzeug. "Presidential Limousine" nennt das der Hersteller und verweist stolz auf die 90 Jahre alte Tradition, den mächtigsten Mann der Nation mit einer soliden Mobilitätsgarantie auszustatten. Sie baut auf der Plattform des bulligen SUV Chevrolet Suburban auf und soll etwa acht Tonnen wiegen. Davon geht nur ein geringer Teil auf das Konto des Beraterteams von Mr. President, wohl aber auf ein Gebirge aus Stahl, Keramik und Spezialschaum, das in Sandwich-Bauweise in mehreren Lagen die Karosserie bedeckt. Darin sollen sogar Raketengeschosse steckenbleiben. Die Fahne hoch halten zwei kleine Stander auf den Seitenteilen, rechts das Sternenbanner, links der Präsidentenstander. Die niedlichen Winkelemente können des Nachts mittels LED-Leuchten illuminiert werden. Drei Stück der schwergewichtigen Presidental Limousine hat das Weiße Haus bei GM bestellt.

Fähnchen mit Beleuchtung

Schlachtschiff: Der Präsidenten-Cadillac soll acht Tonnen wiegen und sogar Raketenbeschuss standhalten.

Der Aufbau ist etwas steiler als beim Vorgänger, um die Aussicht aus dem Fahrzeuginnern heraus zu verbessern, meldet GM. Ansonsten wurde der Wagen gegenüber dem Bush-Mobil nur geringfügig modifiziert. Er trägt den gleichen Grill wie die imposanten Cadillac-Modelle CTS Sport Sedan und Escalade, beide am Markt erhältlich. "Der Fahrgastraum verschmilzt modernes Design und Technologie mit Handwerkskunst der Alten Welt", tönt es aus der Pressemitteilung. Da kann man nur hoffen, dass von dieser Fabulierkunst der Neuen Welt nichts auf Obama abfärbt. Auch das "dramatische Design" der neuen Limousine hat hoffentlich keine Auswirkungen auf die präsidiale Politik. "Natürlich sind viele Aspekte des Autos ganz speziell für den präsidialen Gebrauch gestaltet", lesen wir dann noch erleichtert  – wäre ja nicht auszudenken, wenn jeder Amerikaner Panzerstahl und Automatikwaffen serienmäßig an Bord hätte. Der Pressebericht nennt nicht einmal Leistung oder Länge des Wagens, und die Geheimniskrämerei hat Konsequenz: "Sicherheitsmaßnahmen während der Entwicklung garantieren, dass die funktionalen Fähigkeiten des Wagens erhalten und geheim bleiben."

Königinnen im Weißen Haus

Seit 1909 baut Cadillac Autos für die US-Präsidenten. Einen Eldorado (Bild) fuhr 1953 Dwight D. Eisenhower.

Kein Geheimnis macht GM hingegen daraus, dass Woodrow Wilson 1919 der erste US-Präsident war, der offiziell einen Cadillac nutzte. Woodrow Wilson soll in einem Cadillac die Siegesparade nach dem gewonnenen Ersten Weltkrieg durch die Straßen von Boston begleitet haben. Ein üppiger Cadillac Town Car von 1928 wurde von der Regierung Calvin Coolidge genutzt. 1938 lieferte der Hersteller, seit 1909 zu General Motors gehörig, zwei repräsentative Cabrios mit politisch inkorrekten Namen ans Weiße Haus: "Queen Mary" und "Queen Elizabeth". Jedoch sollten die Titel dieser Präsidentenkolosse weniger monarchistische Gesinnung ausdrücken als vielmehr auf die beiden Ozeanriesen der Cunard-Reederei anspielen, die seinerzeit Furore machten. Erstmals erhielten diese Fahrzeuge eine Panzerung. Die zwei Dampfer sollten erst 20 Jahre später ersetzt werden – natürlich von Cadillacs. Die Nachfolger waren über den Kugelschutz auch mit Stützscheiben in den Reifen ausgerüstet, um selbst nach Beschuss die Weiterfahrt zu ermöglichen. Dieser Prozess, jedes neue Präsidentenfahrzeug mit der besten verfügbaren Sicherheitstechnik auszurüsten, hält bis heute an. Mehr verrät GM nicht.

Autor: Roland Wildberg

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