Prius-Challenge-Tagebuch, Teil 2

Toyota Prius Challenge 2004 Toyota Prius Challenge 2004

Prius-Challenge-Tagebuch, Teil 2

— 05.04.2004

Knipser, Carabinieri, Legionäre

Bergfest in Hamburg, jetzt geht es nach Rom. Die nächsten drei Etappen der Hybrid-Dauertestfahrt. Wieder über 2000 Kilometer. Wieder ohne Pannen?

Heftiges Schneechaos dank Paloma

Halbzeit in Hamburg: Die ersten 2212 Kilometer liefen problemlos. In wenigen Stunden wird der Prius Bekanntschaft mit den ersten Bergen machen; Schnee, Eis und frostige Temperaturen liegen hinter uns. Denken wir.

4. Tag, 06.30 Uhr "Deutschland an einem Tag", so lautet das Motto der vierten Etappe. Früh am Morgen Aufbruch in Hamburg, die Stadt dämmert noch im Nebel. Auf Knopfdruck springt der Prius an, Ganghebelchen rechts vom Lenkrad kurz auf "D" ziehen, loslassen, abfahren. Auf den Elbbrücken versuchen wir Fischköppe dem Rest des Teams per Funk zu erklären, dass sich hinter der dicken Suppe normalerweise ein wunderschönes Hafen-Panorama verbirgt. "Aaaah, oooh" – nach den gestrigen Impressionen in der Speicherstadt vertraut man uns blind.

Bei einer Temperatur von null Grad sind Streufahrzeuge unterwegs. Erste Vorboten für das, was uns am Abend in Süddeutschland erwarten soll? Die Kollegen vom hr erhalten eine aktuelle Wetterprognose: Tief "Paloma" sorgt für heftigen Wintereinbruch in Bayern. Bis dahin sind es aber noch rund 700 Kilometer. Eine Strecke, auf der Prius zeigen kann, was in ihm steckt. Meist kein Tempolimit, die Karawane rollt zügig mit Tempo 150 durchs Land. Zeitweise sind es 170 km/h, viel mehr ist nicht drin. Positiv: Wird der Toyota ausgebremst, hat er dank Beschleunigungsspritze vom Elektromotor sein Reisetempo schnell wieder erreicht. Nervig: die Automatik, die den Benziner beim Cruisen zwischen 140 und 150 ungewöhnlich hoch drehen lässt; ein entspannter Gasfuß schont Verbrauch und Gehör.

Nach einem Besuch in der Fachwerk-Idylle von Bad Sooden-Allendorf (Hessen) geht es über kurvige Landstraßen weiter Richtung Fulda. Plötzlich ein Aufschrei in Prius Nummer zwei: "Meine Batterie ist grün!" Harmloser, als es klingt – die Statusanzeige des Akkus wechselt ihre Farbe, sobald volle Aufladung erreicht ist. Auf den langen Ebenen im hohen Norden war das bislang kaum der Fall, im Auf und Ab des hessischen Berglands kann die Lichtmaschine locker genug Strom erzeugen. So langsam etabliert sich eine Art Prius-Jargon. "Wir haben drei Autos aufgeladen" – das heißt zum Beispiel, dass dreimal 50 Wattstunden regeneriert wurden. Dann erscheinen auf dem Display drei kleine grüne Autos – für jeden Prius-Fahrer eine persönliche Feierstunde.

Mit 3,9 Litern über die Brenner-Bahn

Nach dem Fototermin vor dem barocken Dom zu Fulda drängt die Zeit, wir werden beim ADAC erwartet. Auf nach Landsberg; die Wettervorhersage trifft zu, hier sind die Straßen schon schneebedeckt. Während der Filmaufnahmen in der ADAC-Prüfhalle erfährt Toyota-Ingenieur Peter Wandt das Ergebnis des aktuellen Eco-Tests. Prius auf Platz eins, vier von fünf möglichen Umweltsternen für Schadstoff- und Co2-Ausstoß – klarer Sieg für Toyota. Abschied vom ADAC, im Dunkeln erreichen wir München. Es schneit weiter.

5. Tag, 07.00 Uhr Abfahrt in München. Wir stehen mit den Fahrzeugen vor dem verschneiten Portal des Hilton, plötzlich reißt eine Frau die hintere Tür von Prius Nummer zwei auf. "Sind sie ein Taxi?", fragt sie und beginnt schon damit, ihren Koffer hineinzuwuchten. Auch wenn die Dame schließlich doch auf den nächsten Diesel warten musste – sie hat nicht ganz unrecht. Hybrid-Droschken wären allemal ein Gewinn für die Umwelt.

Die Straßensituation spitzt sich zu, konzentriert fahren wir auf vereister Fahrbahn. Mit freundlicher Unterstützung von VSC, TRC und ABS kommen wir sicher nach Österreich, in Innsbruck werden wir zum Pressefrühstück erwartet. Unterm Goldenen Dachl, der einstigen Stadtresidenz von Kaiser Maximilian I., begrüßt uns Tourismus-Chef Fritz Kraft. Von der hiesigen Toyota-Vertretung erfahren wir, dass der Prius auch in Österreich der Nachfrage kaum hinterherkommt – bei einer Lieferzeit von zehn Monaten.

Benvenuto! Um 11.45 Uhr erreichen wir Italien, für das Kamerateam vom Hessenfernsehen überqueren wir die Grenze gleich mehrmals. Auf der Brennerautobahn bei 110 Stundenkilometern begnügt sich unser Prius mit 3,9 Litern. Funkspruch vom hintersten Fahrzeug der Kolonne: "Dürfen wir nicht schneller fahren?" Wir dürfen, erlaubt ist Tempo 130, und der Prius braucht sofort 0,6 Liter mehr.

Fototermin am "schönsten Ort der Welt"

Binnen Minuten wird es Frühling, der perfekte Rahmen für die Ankunft am Gardasee. Bei 17 Grad und strahlendem Sonnenschein fahren wir am Ostufer entlang nach San Vigilio, dem "schönsten Ort der Welt", wie im 16. Jahrhundert schon der Humanist Agostino Brenzone schwärmte. Mit Ausnahmegenehmigung fährt der Prius durch eine lange Zypressenallee zum romantischen Fototermin zwischen plätscherndem Wasser, alten Mauern und Orangenbäumen. Nichts könnte uns von hier vertreiben – ausgenommen die zunehmend kühle Brise und der gut gefüllte Terminkalender.

In der hübschen Altstadt von Sirmione ist Schluss mit Ruhe. Wir werden von einer Schülergruppe erspäht, die sich sofort zum Gruppenfoto mit Prius versammelt. Ihr Betreuer weiß außerordentlich gut Bescheid und erklärt die Funktionsweise des Hybridantriebs. Erstmals machen wir auch Bekanntschaft mit der italienischen Polizei – die bella Carabiniera lässt sich allerdings schnell davon überzeugen, dass wir nur Gutes im Sinn haben.

Verona ist das heutige Etappenziel, dort nächtigen wir verteilt auf drei Hotels. Das Grand Hotel ist zwar groß, besitzt aber keinen eigenen Parkplatz. Der Portier empfiehlt uns eine private Tiefgarage, die kurz vor Mitternacht sehr verlassen wirkt. Im Wärterhäuschen sitzt Sergio, ein kleiner, schmächtiger Mann, und winkt uns zu sich heran. Er kann nur wenig englisch und fordert den Autoschlüssel als Pfand. Muss das sein? Unsere Sorge ist völlig unberechtigt, denn am nächsten Morgen begrüßt Sergio uns mit breitem Grinsen und kleiner Spitze: "She isse still alive!" Stimmt. Trotzdem: Er hat den Wagen klammheimlich umgeparkt.

Discussioni mit Carabinieri

6. Tag, 07.30 Uhr Verona ist schön – wenn man nicht im Auto sitzt. Die erste Bekanntschaft mit dem italienischen Stadtverkehr ist prägend. Für die Filmaufnahmen müssen wir eng zusammenbleiben, teilweise versetzt fahren. Und da beweist der gemeine Italiener Mut zur Lücke. 50 Zentimeter Platz sind sofort von einem Motorroller ausgefüllt, egal ob vor, hinter, rechts oder links vom Prius. Unser Weg führt durch enge Gassen, schließlich auf die Autobahn zur Weiterfahrt nach Florenz.

Dasselbe Bild in Firenze. Hektischer Berufsverkehr lässt die Sehenswürdigkeiten verschwimmen, selbst das Navigationssystem ist verwirrt. Den mächtigen Dom sehen wir leider nur aus der Ferne, und schon sind wir wieder auf der Autobahn – alle Wege führen jetzt nach Rom. Wir erreichen die Hauptstadt in der Abenddämmerung und stehen im Feierabendstau. Jetzt, endlich, haben wir mit dem Kolosseum unser symbolisches Ziel vor Augen und biegen auf den Platz am Konstantinsbogen. Fast wird unser Gruppenfoto von zwei Ordnungshütern vereitelt, die uns verscheuchen wollen. Doch das Verhandlungsgeschick von hr-Mann Franke wirkt Wunder: Er bildet die beiden Zivilpolizisten kurzerhand zu Fotografen aus, und wir haben unsere Aufnahme im Kasten.

Im dichten römischen Verkehr beweist der Prius wieder seine Stärke. Das nicht gerade zaghafte Spiel mit Gas und Bremse macht auf einmal richtig Spaß, die 400 Nm Drehmoment vom Elektromotor sind eindrucksvoll spürbar. Ein Blick auf den Verbrauch zerschlägt jeden Zweifel: Mehr als 5,7 Liter im Durchschnitt braucht Prius auch bei Pius nichts zu befürchten. Am nächsten Morgen starten wir früh um 7.30 Uhr zur Foto-Tour in die Innenstadt. Rom rüstet sich für den zehnten großen Marathon – unser nähert sich dem Ende. Vor dem Forum Romanum steht der Prius noch einmal Aug in Aug mit Cäsar. Sorry, Julius, die Alleinherrschaft ist vorbei. Bei uns regieren zwei – Motoren.

Bilanz Von Rovaniemi nach Rom – 4270 Kilometer über flaches Land, steile Alpenpässe, enge Landstraßen und schnelle Autobahnen. Dabei lieferten sich unsere beiden Prius-Modelle ein echtes Verbrauchsduell. Ergebnis: Das Team vom Hessischen Rundfunk benötigte im Durchschnitt 5,8 Liter, der Prius von AUTO BILD 5,6 Liter. Gegenüber einem Auto mit herkömmlichem Antrieb wurden auf der gesamten Strecke pro Fahrzeug über 200 Kilo CO2 eingespart, für beide Prius zusammen ergibt das rund eine halbe Tonne des Treibhausgases.

Autor: Michael Voß

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