Private Automärkte

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Private Automärkte

— 24.05.2002

Nichts wie weg!

Tatort privater Automarkt: Razzien, Betrug, Messerstecherei - und mittendrin Reporter Alex Cohrs (27) mit seinem Micra (15).

Äußerst hilfreich: starke Begleiter

Jetzt geht nichts mehr. Nach vorn nicht, zur Seite nicht, nach hinten nicht. An der Ampel ist Endstation. Acht Männer rennen auf den schwarzen Audi A4 vor mir zu. Männer mit Turban, Männer in afrikanischen Gewändern, Männer mit Baseballkappen, Männer mit Schnauzbart. Der erste reißt die Tür des Audi auf und brüllt ein hastiges "Wie viel?" in den Innenraum. Dann wird gefeilscht, mitten auf der Kreuzung und noch bevor der Automarkt an der Hamburger Amsinckstraße erreicht ist. Dahinter stehe ich mit meinem alten Nissan Micra, Baujahr 1987, und denke nur: Das kann ja heiter werden ...

Sie erinnern sich vielleicht an mein Tagebuch eines stolzen Autobesitzers (AUTO BILD 3/02 und 13/02) und daran, dass ich jetzt begeisterter Fahrer eines fast neuen Corsa bin. Mein alter Micra muss nun weg. Deshalb will ich auf diesen Markt, dessen Ampelschauspiel ich im Vorbeifahren schon oft bestaunt habe. Gegen 9.30 Uhr, anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung, passiere ich das Eingangstor. Und erinnere mich beim Bezahlen der 23 Euro Standgebühr an die warnenden Worte von einem, der sich hier auskennt und der "um Himmels willen" nicht genannt werden will: "Nehmen Sie lieber zwei große, starke Brüder mit, und speichern Sie im Handy die Notrufnummer ein."

Grundlos sagt der Mann das nicht: Vor zwei Jahren wurde hier der Polizeihauptmeister Jan O. (27) absichtlich angefahren und verletzt, als er ein Fahrzeug überprüfen wollte. Ein paar Wochen später nahm die Polizei vier Händler fest: Verdacht des Diebstahls, der Hehlerei und der Urkundenfälschung. Prügeleien gehören hier offenbar zum Alltag. Vorsicht ist also angebracht. Nach einer halben Stunde wird aber klar: Für mich interessiert sich hier sowieso keiner, für meinen mit 500 Euro angebotenen Micra erst recht nicht.

Messerstecherei wegen 1000 Euro

Gefragt sind Mittel- und Oberklasse, möglichst Diesel und Automatik. Der Rest ist Nebensache. Dass der ältere Herr neben mir unverdrossen behauptet, seine rote C-Klasse sei noch original lackiert, obwohl schon von weitem das Gegenteil erkennbar ist – kein Thema. Dass fast alle Autos hier deutlich unter 100.000 Kilometer auf dem Tacho haben – kein Problem.

Für den Eigenbedarf kauft hier sowieso kaum jemand. "Alles Händler, hier bescheißt jeder jeden und alle gemeinsam den Endkunden", sagt ein junger Mann mit Goldkettchen am Hals und Haaren bis auf den Kragen. Ein paar Interessenten kommen dann doch noch vorbei: Ein Albaner fragt mich, ob der 87er Micra vielleicht ein Diesel wäre, und wundert sich über meinen verständnislosen Blick. Zwei nette junge Männer aus Ghana wollen meinen Wagen auseinander nehmen und die Teile nach Afrika verschiffen. Für 100 Euro. Ein Scherz.

Und auf einmal, ohne Ankündigung und Vorwarnung, ist das ganze Autogeschäft Nebensache: Um kurz nach halb zwölf hallen Schreie über den Automarkt. Umgeben von einer Menschenmenge, kämpfen zwei Männer – der eine davon um sein Leben. Sein Gegner, ein 34-jähriger Libanese, hat ein Messer in der Hand und zielt Richtung Bauch.

Die Schreie werden lauter, die Bewegungen hektischer. Der Angegriffene, ein bulliger Typ mit Baseballkappe, hält seinen Gegner mit einem Schirm auf Distanz und bleibt nur deshalb unverletzt. Als endlich Sirenen zu hören sind, flüchtet der Libanese. Laut Polizeibericht hatten sich die Männer gegenseitig überboten. Es ging um 1000 Euro ...

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