Mercedes W 123

Pro & Kontra: H-Kennzeichen

— 04.05.2017

Sind strengere Regeln für das H nötig?

Oldtimer bewegen sich heutzutage zwischen Kulturgut und Massenphänomen. Zwei Redakteure diskutieren über strengere Regeln für das H-Kennzeichen.

Umfrage

'Brauchen wir strengere Regeln für das H-Kennzeichen?'

191 Euro Steuer, freie Fahrt in Umweltzonen – Oldtimerbesitzer haben’s gut. Dabei war das H-Kennzeichen bei der Einführung vor 20 Jahren weder als Steuersparmodell noch als Privilegienpaket gedacht. Vielmehr stellte Vater Staat damit automobiles Kulturgut unter Schutz - und kam, gleichsam als Ansporn und Belohnung, denjenigen entgegen, die historische Technik pflegen und erhalten. Im Gegenzug ging aber auch der Oldtimerbesitzer Verpflichtungen ein: Die Kriterien für Art, Zustand und Originalität der H­-Autos sind streng. Sind sie noch streng genug? Wird der Kulturgutbegriff aufgeweicht, weil immer mehr Massenautos den Oldtimersegen erhalten? Und hat die gängige Erteilungspraxis den Kulturgutschutz überhaupt noch ausreichend im Blick? Zwei Standpunkte dazu aus der Redaktion.

AUTO BILD-Gebrauchtwagensuche

"Dem Objekt muss Rechnung getragen werden!"

Ja, bitte: Frederik E. Scherer wünscht sich mehr Kompetenz.

Automobiles Kulturgut zu pflegen bedeutet nicht, dass
 man lediglich die Freiheit
 hat, mit einer alten Karre überall hinfahren zu dürfen und
 Spaß zu haben. Es bedeutet auch, verantwortungsvoll mit der Historie umzugehen. Der Grundsatz wird oft verletzt. Man denke an Oldtimer, die von ihren Besitzern aufwendig neu aufgebaut werden, mit Leder, wo nie Leder war, und mit Chrom, wo kein Chrom war. Das sind rollende Pfingstochsen, die blendend aussehen, aber nur der Eitelkeit ihrer Besitzer dienen. Kultureller, gar historischer Wert spielt keine Rolle. Manche Autos werden auch mit sogenanntem zeitgenössischem Tuning versehen, das zum Zeitpunkt der Erstzulassung hätte erfolgen können – auch wenn es faktisch nicht so war. Wer sein Auto in Wunschkonfiguration nicht findet, baut es sich einfach und erhält für diese neuzeitliche Entgleisung auch noch ein H. Das ist absurd und ruft nach Korrektur. Anfangen müsste man bei der Auswahl der Prüfingenieure: Wer keine profunden Kenntnisse der Materie hat, kann keine adäquaten Entscheidungen treffen!

Die Lieblings-Oldies der Deutschen 2016

"Lasst uns tolerant sein!"

Nein, danke: Christian Steiger sieht keine Verschärfungsgründe.

Automobiles Kulturgut zu pflegen bedeutet nicht, dass die 
Freiheit beim werksoriginalen
 Zustand endet. Wer das fordert und nach einer Verschärfung der
 Richtlinien ruft, handelt aus edlen Motiven, sieht Automobilgeschichte aber eindimensional. Auch die Veränderung gehört zur Geschichte eines Kraftfahrzeugs – mit 
allen Wünschen, die sich ein Besitzer im Nachhinein erfüllt. Wollen wir das dem Helden verbieten, der sich die Tortur der Vollrestaurierung antut? Muss er den reizarmen Farbton wählen, mit dem schon der Erstbesitzer nach sechs Monaten nicht mehr glücklich war. Darf er sich nicht für ein Faltschiebedach entscheiden? Und ein paar PS mehr? Das alles hat’s damals schon gegeben. Verstehen Sie mich richtig: Ich selbst mag meine Autos so jungfräulich wie am Tag der Erstzulassung. Schon eine 12-Volt-Umrüstung im 50er-Jahre Klassiker legt meine Stirn in Falten. Und doch ist mir die Toleranz wichtiger als der Ruf nach strengen Regeln. Lieber ein individualisierter Klassiker als einer, der nie wieder auf die Straße kommt, weil sein Retter vor lauter Regeln die Lust verliert. Soweit die Meinung der beiden KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung